Unter Strom: Neuer Energieversorger Regionalwerk Haßberge startet im Kreis mit ambitionierten Zielen

Unter Strom: Neuer Energieversorger Regionalwerk Haßberge startet im Kreis mit ambitionierten Zielen
Bild (KI-generiert): ChatGPT (Ebern Magazin)

LANDKREIS HASSBERGE – Das Regionalwerk Haßberge – als neues gemeinsames Kommunalunternehmen – ist inzwischen mit seiner Webpräsenz online.

Mit dem Ziel angetreten, die Energieversorgung im Landkreis Haßberge stärker in eigene Hände zu nehmen, hatte das Regionalwerk ursprünglich vorgesehen, bereits Mitte 2025 einen eigenen Stromtarif auf den Markt zu bringen.

Der ehrgeizige Zeitplan erwies sich jedoch als zu eng gefasst. Anstelle eines eigenständigen Dienstleistungspakets beschränkt sich das Regionalwerk Haßberge derzeit noch auf eine Art digitale Schaltstelle: Die neue Website fungiert primär als Informationsknotenpunkt, der Anfragen an bestehende Anbieter weiterleitet.

So nutzt das Regionalwerk vor allem vorhandene Strukturen und vermittelt entsprechende Angebote. Wer sich über „Regionalstrom“ informieren möchte, wird aktuell nicht zu einem Tarif des Regionalwerks selbst geführt, sondern zu Angeboten seiner „Partner“. Dazu zählen insbesondere das Stadtwerk Haßfurt sowie die Stadtwerke Zeil am Main. Ergänzt wird dieses Geflecht durch weitere regionale Akteure, darunter die ÜZ Mainfranken.

Auf der Website formuliert das Regionalwerk seinen Ansatz entsprechend kooperativ: Gemeinsam mit diesen Partnern solle die Energieversorgung in der Region gesichert werden. Der eigene operative Auftritt als Energieversorger tritt dabei zunächst in den Hintergrund.

Neue Gesellschaft im Hintergrund

Parallel zur öffentlich sichtbaren Entwicklung gibt es Hinweise auf eine strukturelle Neuerung im Hintergrund: Eine zentrale Rolle könnte – im Zusammenspiel mit dem Regionalwerk – eine zusätzliche Gesellschaft spielen: die „rw Vertriebs-GmbH“, offiziell eingetragen als „rw Haßberge Vertriebs-GmbH, Haßfurt“. Gegenstand des Unternehmens: „Die Versorgung der Bevölkerung des Landkreises Haßberge und gegebenenfalls anderer Gemeinden mit Energie“

Nach den Angaben aus dem Handelsregister, wie sie unter anderem über North Data einsehbar sind, erfolgte die Eintragung am 24. März 2025. Die Wahl der Rechtsform ist dabei von Bedeutung. Als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) unterscheidet sich dieses Unternehmen grundlegend vom Regionalwerk selbst, das als gemeinsames Kommunalunternehmen (gKU) in der Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts organisiert ist.

Während bei letzterem die beteiligten Kommunen in einer besonderen Verantwortung stehen, ist die Haftung bei einer GmbH auf das Gesellschaftsvermögen begrenzt.

Erstmals konkret sichtbar wird diese neue Struktur für Kundinnen und Kunden in einem Vertragsdokument des Regionalwerk-Partners Stadtwerk Haßfurt. In einem Zusatz zum Formular „Auftrag zur Stromlieferung“ heißt es, dass beabsichtigt sei, bestehende Stromlieferverträge zum 1. Januar 2027 auf die rw Vertriebs-GmbH zu übertragen.

Wörtlich wird ausgeführt, dass die Vertriebsgesellschaft des Regionalwerks in alle Rechte und Pflichten eintreten solle, während das Stadtwerk Haßfurt aus dem Vertragsverhältnis ausscheide.

Rolle des Regionalwerks im Alltag

Für viele Haushalte im Landkreis Haßberge stellt sich damit eine praktische Frage: Welche Bedeutung hat das Regionalwerk für die eigene Stromversorgung? In zahlreichen Städten und Gemeinden – etwa in Ebern, Pfarrweisach, Rentweinsdorf, Untermerzbach, Maroldsweisach, Kirchlauter oder Breitbrunn – ist die E.ON Energie Deutschland GmbH als Grundversorger zuständig. In Haßfurt übernimmt diese Aufgabe das Stadtwerk Haßfurt, in Zeil am Main die Stadtwerke Zeil.

Der Begriff der Grundversorgung ist gesetzlich klar definiert. Es handelt sich um das Unternehmen, das in einem Netzgebiet die meisten Haushalte beliefert. Dieses ist verpflichtet, alle Haushalte zu versorgen und springt auch dann ein, wenn kein anderer Liefervertrag besteht. Die Versorgungssicherheit ist damit unabhängig von neuen Organisationsformen gewährleistet. Das Regionalwerk tritt aktuell nicht als solcher Grundversorger auf.

Preisvergleich: Regionale Anbieter unter Druck

Das Regionalwerk Haßberge bietet bislang kein eigenes Stromprodukt an, obwohl auf der Website angekündigt wird: „Ab Januar 2026 versorgen wir Bürger, Unternehmen und Vereine im Landkreis mit sauberem Strom aus regionalen PV- und Windparks.“ Aktuell wird die Stromversorgung laut Website von den „Partner-Stadtwerken“ übernommen.

Tarifmodelle wie „rw Heimatstrom Haßberge“ orientieren sich dabei preislich an den Angeboten dieser Partner und liegen entsprechend ebenfalls über den günstigsten Marktpreisen.

Ein Rechenbeispiel: Ein Blick auf die aktuellen Strompreise verdeutlicht die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden ergeben sich – Stand April 2026 – spürbare Unterschiede.

Beim Stadtwerk Haßfurt liegt der Jahrespreis für den Tarif „Heimatstrom, Haßberge“ bei rund 1.533 Euro. Die Stadtwerke Zeil am Main bewegen sich mit etwa 1.550 Euro in einem ähnlichen Bereich. Deutlich günstiger ist hingegen die E.ON Energie Deutschland GmbH: Ihr Tarif „ÖkoStrom Pro Extra 12“ kommt auf rund 1.298 Euro jährlich.

Damit liegt E.ON um etwa 235 bis 250 Euro pro Jahr unter den regionalen Angeboten – ein Unterschied, der für viele Haushalte erheblich ist. Hauptursache ist der Arbeitspreis pro Kilowattstunde: Während die regionalen Anbieter bei etwa 33 Cent liegen, verlangt E.ON rund 26 Cent. Der Grundpreis fällt im Vergleich weniger ins Gewicht.

Viele Haushalte nutzen zudem Vergleichsportale und entscheiden sich anschließend für überregionale Anbieter. Große Energieunternehmen wie E.ON verfügen häufig über Skaleneffekte und andere Beschaffungsstrategien, die ihnen meist günstigere Preise ermöglichen.

Aus der Steckdose kommt immer der selbe Strom

Unabhängig vom gewählten Stromanbieter kommt dabei physikalisch immer der selbe Strom aus der Steckdose. Hintergrund ist, dass kein Anbieter eigene Leitungen bis zu den Haushalten betreibt. Stattdessen speisen zahlreiche Erzeugungsanlagen – etwa Windräder, Photovoltaikanlagen oder Biogasanlagen – ihren Strom in ein gemeinsames Verteilnetz ein, das von verschiedenen Netzbetreibern betrieben wird. Wird der Strom dort nicht direkt verbraucht, fließt er weiter ins übergeordnete Übertragungsnetz. Dabei verteilt er sich entlang der physikalischen Gegebenheiten im Netz und folgt dem Weg des geringsten Widerstands.

Das bedeutet auch: Bei Sonnenschein kann der Strom im Haushalt aus nahe gelegenen Photovoltaikanlagen stammen, bei starkem Wind eher aus regionalen Windparks. Auf die tatsächliche physikalische Herkunft haben weder der Stromanbieter noch der einzelne Stromkunde Einfluss – unabhängig davon, bei welchem Anbieter der Vertrag abgeschlossen wurde.

Wer sich heute guten Gewissens für einen Ökostromtarif entscheidet und dafür bereitwillig mehr zahlt, folgt nicht selten einer charmanten Illusion. Denn ob grüner Tarif oder konventioneller Stromtarif – auf das tatsächliche Tempo des Netzausbaus hat diese Wahl kaum noch Einfluss. Der politisch gesetzte Rahmen ist längst definiert: Das Ziel, bis 2030 einen Anteil von 80 Prozent erneuerbarer Energien zu erreichen, ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz verbindlich festgeschrieben. Zurück auf die regionale Ebene zeigt sich, wie jenseits solcher Vorgaben konkret organisiert und finanziert wird.

Finanzierung und Struktur

Die Gründung des Regionalwerks Haßberge war mit erheblichen finanziellen Mitteln verbunden. Alle 26 Kommunen des Landkreises sowie der Landkreis Haßberge selbst beteiligten sich. So stellte etwa der Stadtrat Ebern eine Einlage von knapp 100.000 Euro bereit. Insgesamt summierte sich das Startkapital auf 1,16 Millionen Euro.

Organisatorisch ist das Regionalwerk als gemeinsames Kommunalunternehmen strukturiert. Der Sitz befindet sich am Landratsamt in Haßfurt, Am Herrenhof 1. Ein eigenes Kundenzentrum existiert bislang nicht.

Die Kombination aus gKU und der neu gegründeten GmbH deutet auf eine zweigeteilte Struktur hin: Während das Regionalwerk wohl strategische und organisatorische Aufgaben übernimmt, könnte die rw Vertriebs-GmbH künftig den operativen Vertrieb abwickeln.

Anspruch und Realität

Die ursprüngliche Idee hinter dem Regionalwerk ist ambitioniert. Seit Juli 2024 liegen entsprechende Beschlüsse aller Kommunen vor. Ziel sei es, die „regionale Wertschöpfung“ zu stärken und die Energieversorgung stärker auf lokale erneuerbare Quellen auszurichten.

Im Oktober 2024 wurde das Regionalwerk offiziell gegründet. Neben dem Stromvertrieb sollen auch Projekte in den Bereichen Windkraft, Photovoltaik und Ladeinfrastruktur vorangetrieben werden. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch eine zeitliche Verschiebung zwischen Planung und Umsetzung. Derzeit steht die Kooperation mit bestehenden Anbietern im Vordergrund.

Ein möglicher Grund liegt in den Bedingungen des Strommarktes. Dieser ist stark umkämpft, die Margen sind gering, und neue Anbieter müssen erhebliche organisatorische und finanzielle Voraussetzungen erfüllen. Gleichzeitig stehen viele Kommunen unter finanziellem Druck, was zusätzliche Investitionen erschwert.

Blick in andere Regionen

Ein Vergleich mit anderen Landkreisen zeigt, dass ähnliche Projekte unterschiedlich verlaufen können. Im Landkreis Bamberg wurde ein ähnliches Regionalwerk nach mehreren Jahren wieder eingestellt, nachdem die Nachfrage hinter den Erwartungen blieb.

Im Landkreis Haßberge hingegen wird der eingeschlagene Weg weiterverfolgt. Die Gründung der rw Vertriebs-GmbH und die geplante Übertragung von Verträgen deuten darauf hin, dass ein eigenständiger Marktauftritt weiterhin vorgesehen ist.

Weiterentwicklung

Während die organisatorischen Grundsteine für das Regionalwerk Haßberge gelegt sind und die digitale Präsenz Kontur angenommen hat, lässt ein eigenständiges Stromangebot noch auf sich warten. Stattdessen prägen Kooperationen mit etablierten Versorgern das aktuelle Bild. Mit der geplanten Einbindung der rw Vertriebs-GmbH könnte sich dies zukünftig ändern. Angesichts der Investitionen aus kommunalen Steuergeldern muss das Projekt nun beweisen, dass aus der geförderten Struktur ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell erwachsen kann.

Bild (KI-generiert): ChatGPT (Ebern Magazin)

Links

Regionalwerk Haßberge
https://regionalwerk-hassberge.de/

Formular „Auftrag zur Stromlieferung“
https://www.stwhas.de/wp-content/uploads/2026/04/Vertrag-haStrom-rw-stw_final.pdf

Berechnungsgrundlage zum Preisvergleich

Jahreskosten im Vergleich (bei 4.000 kWh)

  1. Stadtwerk Haßfurt („Heimatstrom, Haßberge“)
    Arbeitspreis: 0,3345 €/kWh
    Grundpreis: 16,25 €/Monat → 195,00 €/Jahr
    Rechnung:
    Verbrauchskosten: 4.000 × 0,3345 € = 1.338,00 €
    Grundpreis: 195,00 €
    Gesamtkosten: 1.533,00 €/Jahr
  2. Stadtwerke Zeil am Main
    Arbeitspreis: 0,3339 €/kWh
    Grundpreis: 17,85 €/Monat → 214,20 €/Jahr
    Rechnung:
    Verbrauchskosten: 4.000 × 0,3339 € = 1.335,60 €
    Grundpreis: 214,20 €
    Gesamtkosten: 1.549,80 €/Jahr
  3. E.ON (ÖkoStrom Pro Extra 12)
    Arbeitspreis: 0,2588 €/kWh
    Grundpreis: 21,92 €/Monat → 263,04 €/Jahr
    Rechnung:
    Verbrauchskosten: 4.000 × 0,2588 € = 1.035,20 €
    Grundpreis: 263,04 €
    Gesamtkosten: 1.298,24 €/Jahr

Ergebnis: Günstigster Anbieter

E.ON → 1.298 € / Jahr (klar am günstigsten)
Stadtwerk Haßfurt → 1.533 € / Jahr
Stadtwerke Zeil → 1.550 € / Jahr
E.ON ist rund 235 € pro Jahr günstiger als Haßfurt und etwa 250 € günstiger als Zeil.

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