Spitze Zungen: Warum immer weniger Menschen CD´s kaufen

Spitze Zungen: Warum immer weniger Menschen CD´s kaufen

Nein, es liegt nicht am Streaming oder an Download-Diensten, wordurch man ja sehr günstig oder gar gratis Musik hören kann, die neuesten Titel sogar teils noch mit Videos wie früher auf YouTube sogar visualisiert. Etwas Anderes ist schuld am Aussterben der greifbaren CD´s.

Einmal im Jahr leistet sich der Verfasser dieses Beitrags eine Bestellung bei poponaut.de, einem Online-Fachhändler, der genau seine Musik liefern kann: Elektrop-Pop! Früher gab´s im Drogeriemarkt Müller ein Regal namens „Independent“, wo viele Scheiben gelistet waren, wenngleich nur die populäreren der Branche.

Mittlerweile muss man bestellen, kann vor Ort nicht mehr reinhören, was freilich nun digital gut (oder sogar besser, weil von zuhause aus und in aller Ruhe) möglich ist. Also jüngst der Entschluss, den Mindestbestellwert zu übertreffen für eine portofreie Lieferung.

Die neuen CD´s der Bands Mesh, A Spell Inside, Assemblage 23 oder die grandiose Elektro-Scheibe von Chris Harms („1980“) kamen nun also, in einer Kiste verpackt mit Luftpolsterfolien für viel Spaß beim Zerplatzenlassen vor dem Genuss der Musik.

Doch um die Scheiben im Auto einlegen zu können, muss man sie erst einmal aus der Verpackungsfolie befreien. Die ist dermaßen eng angelegt, so wie Skispringer mit ihren Anzügen, um mal einen blöden Vergleich zu wählen.

Eine Schlaufe zum Öffnen gibt´s nicht, also irgendwas Abstehendes zum Ziehen, damit sich die Folie leicht entfernen lässt. Und nun kommt der Punkt: Man braucht einen spitzen Gegenstand dazu.

Und wie immer: Entweder sorgt das für einen Kratzer oder gleich für ein abbrechendes Teil genau an der Stelle, die dafür verantwortlich ist, die Hülle zu öffnen oder zu schließen. Kurzum: Der Autor dieser Zeilen hat das Plastikteil mal wieder nachhaltig beschädigt und muss für die neue CD von Assemblage 23 („Null“, so heißt sie…) nun ein neues Cover suchen…

Ärgerniss zwei: Das Booklet mit den Songtexten ist nett und hilfreich, diese Texte aber sind derart klein abgedruckt, dass man sie nur mit einer Lupe lesen kann. Doch wer will schon mit einem Vergrößerungsglas in der Hand eine CD hören? Ein Genuss ist das nicht…

Kurzum: CD´s sterben ja schon länger aus. Aber der Grund dafür ist einer, der nichts zu tun hat mit der Digitalisierung, sondern mit der Bocklosigkeit der Musikindustrie.

Michael Horling
redaktion@mainfranken.news

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