Mit Klaus Zöll ist am Samstag eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der Historie des TV Großwallstadt gestorben

Mit Klaus Zöll ist am Samstag eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der Historie des TV Großwallstadt gestorben

GROSSWALLSTADT – Mit großer Trauer nimmt der TV Großwallstadt Abschied von seinem Ehrenmitglied Klaus Zöll. Zöll war eine Persönlichkeit, die den TV Großwallstadt mit Bodenständigkeit, Kompetenz und Vision an die Spitze des Handballsports geführt hat.

Bei der 100 Jahr Feier im letzten Jahr wurde er dafür als Erster mit drei weiteren Spieler-Größen in die neue Hall of Fame des TV Großwallstadt aufgenommen. Sein Wirken wird unvergessen bleiben und seinen festen Platz in der Geschichte des Vereins behalten.

Weitsichtiger Macher und der Konkurrenz stets einen Schritt voraus

Kurt Klühspies ist beileibe nicht der Einzige, der in Klaus Zöll eine der prägendsten Persönlichkeiten in der Geschichte des TV Großwallstadt sieht. Zu Recht bezeichnet der Obernburger Verleger Eric Erfurth in seiner 2013 erschienenen TVG-Chronik den Ex-Trainer und -Manager als »sportliche Führungsfigur«, die der Club »mit seinen Ausnahmehandballern Hofmann und Klühspies so dringend benötigt« habe. Am vergangenen Samstag ist Zöll, der für seine Tatkraft bekannt war, im Alter von 81 Jahren auf Sardinien gestorben.

Im Großfeldfinale dabei

Der in Gönnern im Kreis Biedenkopf geborene Zöll war 1967 als Spieler des SV Crumstadt zum TVG gekommen. Bei den Wällstern durfte er in seiner ersten Saison das Endspiel um die deutsche Meisterschaft auf dem Großfeld bestreiten. Diese legendäre Partie gegen Grün-Weiß Dankersen auf dem Bieberer Berg in Offenbach ging vor 23.000 Zuschauern mit 16:19 verloren. Zwei Jahre später stieg Zöll mit dem TVG in die Hallenhandball-Bundesliga auf.

Seine größten Erfolge bei den Unterfranken feierte Klaus Zöll als Trainer. Von 1976 bis 1979 und von 1980 bis 1982 war er für die sportlichen Belange bei den Blau-Weißen verantwortlich. Auf sein Konto gehen in dieser Zeit vier deutsche Meistertitel. Und mit der Mannschaft um Klühspies und Torhüter Manfred Hofmann holte er 1979 in zwei Endspielen gegen den DDR-Meister SC Empor Rostock den Europapokal der Landesmeister. Zum ersten Mal stellte Großwallstadt die beste Handballmannschaft Europas.

»Klaus Zöll war neben Manager Gerhard Zengel derjenige, der den TVG entscheidend vorangebracht hat. Er war weitsichtig und den anderen immer einen Schritt voraus«, erinnert sich Kurt Klühspies. So habe Zöll stets darauf geachtet, die Bundesliga-Konkurrenten im Trainingsumfang zu übertreffen. »Haben die anderen Clubs dreimal pro Woche trainiert, dann hat er ein viertes Training anberaumt. Als die nachzogen, mussten wir fünfmal ran«, so Klühspies. So verschaffte der Coach seiner Mannschaft immer wieder Wettbewerbsvorteile, und so entwickelten sich die Feierabendhandballer zu Halbprofis.

Gutes Auskommen mit Vlado Stenzel

Der TVG profitierte zudem vom guten Verhältnis Zölls zu Bundestrainer Vlado Stenzel. Der Kroate hatte im Juli 1974 die westdeutsche Nationalmannschaft übernommen und führte sie – mit den TVG-Spielern Klühspies, Hofmann und Manfred Freisler – vier Jahre später in Brøndby (Dänemark) sensationell zum Weltmeistertitel. Der impulsive Stenzel, »Magier« genannt, und der analytische Zöll – beide waren Visionäre, die den Handballsport entwickelten.

Was den Großwallstädtern auch zugutekam, waren das große Kontaktnetz und das Know-how, das sich Zöll durch seine hauptberufliche Arbeit im Bundesausschuss für Leistungssport gesichert hatte. Ein Beispiel: Über die Deutsche Sporthilfe organisierte er Rennräder, die seine Handballer sonntags in einer zusätzlichen Trainingseinheit zur Regeneration zu nutzen hatten. Zöll konnte als Coach »ein harter Hund« sein (Klühspies: »Trainer sind ja nicht dazu da, die Spieler zu streicheln«), vor allem aber habe er es verstanden, »die Mannschaft zu führen«. Und: Bei gegebenem Anlass konnte er auch »ausgiebig feiern«.

Engagement für Jo Deckarm

Nach der Saison 1981/82 wechselte Klaus Zöll ins Management und wirkte maßgeblich an einer Neustrukturierung des Clubs mit. Aber sein Leben für den Sport ging weit darüber hinaus. So war Klaus Zöll Unternehmer im Sportmarketing, Repräsentant eines Sportartikelherstellers und auch Vizepräsident des Deutschen Handballbundes. Und er setzte sich für den bei einem Europapokalspiel 1979 schwer verunglückten Joachim Deckarm ein. Sein Engagement beim TVG endete 1996, sein Wirken allerdings bleibt unvergessen.

Der TV Großwallstadt ist in Gedanken bei seiner Frau, seinen Töchtern, seinen Enkeln sowie allen Angehörigen und wird in der kommenden Partie mit Trauerflor auflaufen. Zudem wird beim Heimspiel am 26.04.2026 ein Kondolenzbuch ausliegen.

Autor: Manfred Weiß/TVG

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