WÜRZBURG – Bischof Dr. Franz Jung hat am Karfreitag, 3. April, im Würzburger Kiliansdom die Bedeutung von Reue, Mitgefühl und echter Umkehr hervorgehoben. In seiner Predigt stellte er die Betrachtung der Passion Jesu unter das Leitmotiv der Tränen.
Im ganzen Bistum Würzburg gedachten die Gläubigen des Leidens und Sterbens Jesu Christi. Die traditionelle Karfreitagsprozession in Lohr am Main zog mehrere tausend Menschen an. Der Karfreitag zählt mit dem Gründonnerstag und dem Karsamstag zu den gesetzlich geschützten „stillen Tagen“, für die Katholiken ist er gebotener Fasten- und Abstinenztag. Die über 3000 Glocken im Bistum Würzburg sind seit Gründonnerstagabend verstummt und werden erst in der Nacht zum Ostersonntag wieder erklingen.
Bei den sogenannten Großen Fürbitten des Karfreitags beteten die Gläubigen für die Kirche, den Papst, alle Stände der Kirche, die Taufbewerber, die Einheit der Christen, die Juden, für alle Menschen, die nicht an Christus glauben, für alle Menschen, die nicht an Gott glauben, für die Regierenden und für alle notleidenden Menschen. Bei der Kreuzverehrung wurde das Kreuz enthüllt, den Gläubigen gezeigt und in stillem Gebet verehrt. Die Würzburger Domsingknaben unter der Leitung von Domkantor Julian Beutmiller sangen die „Johannespassion“ von Alois Maria Müller, „Vexilla regiss“ von Anton Bruckner, „Eli, Eli!“ von Georgius Bardos, „Popule meus“ von Tomás Luis de Victoria und „O crux ave“ von Rihards Dubra.
Am Beispiel des Apostels Petrus ging der Bischof in seiner Predigt auf die Bedeutung echter Reue ein. Dessen bitteres Weinen nach der Verleugnung Jesu zeige, wie ein Mensch seine Schuld erkenne und innerlich umkehre. Solche Reue entspringe nicht der Angst vor Strafe, sondern dem Bewusstsein, hinter der Liebe Gottes zurückgeblieben zu sein. In der Tradition der Kirche werde in diesem Zusammenhang auch von einer „Tränentaufe“ gesprochen, die den Menschen erneuere.
Kritisch setzte sich Bischof Jung mit den Tränen der Frauen auseinander, die Jesus auf seinem Kreuzweg beweinten. Ihr Klagen bleibe äußerlich und führe nicht zur Umkehr. Der Bischof zog Parallelen zur Gegenwart, in der Menschen täglich mit Bildern von Leid konfrontiert seien, ohne dass daraus Konsequenzen entstünden. Solche Formen des Mitleids bezeichnete er als wirkungslos. Als Gegenbild stellte Bischof Jung die Tränen Marias unter dem Kreuz heraus. In ihrem Schmerz zeige sich echtes Mitleiden. Maria stehe exemplarisch für alle Menschen, die Leid unmittelbar erfahren, insbesondere für Mütter, die um ihre Kinder trauern – „in der Ukraine, im Sudan, in Gaza, im Iran“. Der Karfreitag mache deutlich, dass es nicht bei äußerer Betroffenheit bleiben dürfe, sagte der Bischof. Entscheidend sei ein mitleidendes Herz, das zur Umkehr und zu einem veränderten Leben führe.
Am Abend zuvor hatte Bischof Jung die „Drei österlichen Tage vom Leiden und Sterben, von der Grabesruhe und der Auferstehung des Herrn“ mit der Feier vom Letzten Abendmahl im Kiliansdom eröffnet (siehe eigener Bericht).
Die Osternacht ist der Höhepunkt der Feier der drei österlichen Tage und des gesamten Kirchenjahrs. Bischof Jung feiert sie am Samstag, 4. April, um 21.30 Uhr im Kiliansdom. Die Mädchenkantorei am Würzburger Dom unter der Leitung von Domkapellmeister Alexander Rüth und Domorganist Professor Stefan Schmidt gestalten die Feier mit „Antwortgesänge zur Osternacht“ von Alexander Rüth und Otmar Faulstich, „O filii et filiae“ aus dem Oratorium „Christus“ von Franz Liszt, „Surrexit pastor bonus“ von Felix Mendelssohn Bartholdy und „Messe pour deux voix égales“ von Cécile Chaminade.
Bischof Jung feiert das Pontifikalamt am Ostersonntag, 5. April, um 10 Uhr im Kiliansdom. Es wird begleitet vom Würzburger Domchor und der Camerata Würzburg unter der Leitung von Domkapellmeister Rüth sowie Domorganist Schmidt mit „Messe in d-Moll WAB 26“ von Anton Bruckner. Solisten sind Sophie Gordeladze (Sopran), Barbara Giouseljannis (Alt), Oliver Kringel (Tenor) und Simon Tischler (Bass). Zur Pontifikalvesper um 17 Uhr mit Bischof Jung singt die Schola Cantorum unter der Leitung von Domkantor Beutmiller. Der Gottesdienst am Ostermontag, 6. April, um 10 Uhr im Kiliansdom wird begleitet von der Choralschola unter der Leitung von Domkantor Beutmiller sowie Domorganist Schmidt mit der Choralmesse „Lux et origo“ und einem Choralproprium. Zelebrant ist Domdekan Dr. Jürgen Vorndran.
mh (POW)
Auf den Fotos…
© Markus Hauck (POW) | Bischof Dr. Franz Jung hat am Karfreitag, 3. April, im Würzburger Kiliansdom die Bedeutung von Reue, Mitgefühl und echter Umkehr hervorgehoben. In seiner Predigt stellte er die Betrachtung der Passion Jesu unter das Leitmotiv der Tränen.
© Markus Hauck (POW) | Zu Beginn der Feier warf sich der liturgische Dienst vor dem Altar nieder.
© Markus Hauck (POW) | Bischof Dr. Franz Jung feierte am Karfreitag, 3. April, im Würzburger Kiliansdom die Liturgie vom Leiden und Sterben Jesu.



