SCHWEINFURT – Für die bereits laufende zwanzigste Poetry Slam Saison hat Organisator und Moderator Manfred Manger gleich drei Slamszenen, die erstmals in Schweinfurt zu Gast sein werden.
Den Auftakt macht die Slamszene Trier/Bingen a.R. im April. Zugleich wird dies der letzte Slam vor dem Jubiläum im Oktober sein, da wegen dem Jubiläum die September- und Oktoberausgaben 2026 entfallen werden.
Bei der 87. Ausgabe des Schweinfurter Slams darf sich das Publikum gleich auf zwei amtierende Landesmeister Rheinland-Pfalz (kurz RLP) freuen, allen voran „Don Esteban“ (Trier). Don Esteban stammt aus der Nähe von Bitburg, im wilden Hochland der Eifel, und ist tief mit der Stadt Trier verbunden, wo er künstlerisch stark verwurzelt ist. Selbst bezeichnet er sich als „skurrilen Eifelyeti und Teilzeitrübezahl“, der seit 2020 durch die Lande slammt.
Zu diesem Zeitpunkt hatte er jedoch bereits gute 20 Jahre Bühnenerfahrung, vornehmlich im Vereinskarneval (Träger der Silbernen Ehrennadel der Rheinischen Karnevals-Korporationen e.V.). Beim Poetry Slam fand er für sich jedoch den Weg, sein immenses kreatives Potenzial auf jeder Bühne, die er unterwegs so findet, ob nun Konzerthalle, Kulturkeller, Kunstkneipe, Kirche oder Knast, zu kanalisieren. Der Küster in St. Eligius im Pastoralen Raum Bitburg (Eifel) ist hoch engagiert, nicht nur dass er Poetry Slam an ungewöhnliche Orte wie Reha-Kliniken oder Gefängnisse bringt – und zwar nicht als bloßes Unterhaltungsformat, sondern als Medium der Reflexion und der Selbstermächtigung. Er gibt auch Workshops und leitet Projekte, die jungen Menschen – insbesondere solchen, die sich gesellschaftlich an den Rand gedrängt fühlen – die Erfahrung des Gehörtwerdens ermöglichen.
Neben seiner Tätigkeit als Slam-Poet malt er – vorwiegend byzantinische Tafelbilder und mittelalterliche Buchmalerei – und widmet sich mit großer Leidenschaft alter Musik, insbesondere dem Gregorianischen Choral. So versteht sich, wenn es heißt „Don Esteban ließe sich am besten als kreative Piñata ohne roten Faden bezeichnen“.
Der Student Linus Linhof (19) hingegen, zerlegt tagsüber die Welt in physikalische Gesetze, nachts versucht er, sie mit Poesie wieder zusammenzusetzen, damit er auf Partys nicht nur über Teilchenbeschleuniger reden muss. Schon als Kind hat er Vorlesewettbewerbe gewonnen – heute liest er seine eigenen Texte vor, die sich meist um nächtliche Sinnkrisen, gesellschaftlichen Wahnsinn und die ehrliche Verwirrung dazwischen drehen. Dass er mit dieser Mischung nicht ganz falsch liegen kann, beweist sein Titel als U20-Vize-Landesmeister 2025 (RLP). Wenn er nicht gerade an seinem ersten Buch prokrastiniert, baut er 3D-Welten am Computer oder komponiert den Soundtrack zum nächsten Systemabsturz.
Als dritte Startperson reist Hannah May an, die die „Dinge anders angeht“: Obwohl ihre Heimat das Moseltal ist, war ihr Kindheitstraum niemals, Weinkönigin zu werden. Sie berauscht lieber mit Worten! Abwechslungsreich und stilsicher Gedanken zu Sprache und auf diesem Weg zu Gefühl werden zu lassen, das ist ihre große Leidenschaft, seit sie einen Stift gerade so halten kann. Lange bevor sie Poetry Slam für sich entdeckte, hat sie bereits ihr erstes Buch veröffentlicht, dem sie inzwischen zwei weitere folgen ließ.
Ihre tiefe Liebe zu Theater und performativer Kunst ließ die Studentin der Kulturwissenschaft schließlich ans Mikro treten und aus grauer Theorie wurde emotionsgeladene Praxis: Hannah May überzeugt durch ihr nahbares und authentisches Auftreten und beschwört eindringliche Bilder in die Köpfe der Zuhörenden, die noch lange nachklingen. Sie mag „Unkraut im Kopf“ haben, wie sie selbst sagt, doch sie schafft es jedes Mal, daraus ein wirkungsvolles „Wort-„Cuvet zu bereiten, welches das Publikum schnell nach mehr lechzen lässt.
Auch für der stets vertretenen Slamszene Frankens im Line Up, reisen zwei neue Gesichtern an. Erstmals darf man Laura Selina (Bamberg) und „Mitsch“ (Nürnberg) erleben.
Mitsch schreibt, seit sie schreiben kann – erst Tagebuch und kleine Geschichten, inzwischen gereimte Gedanken für die Bühne. Nachdem die Volleyballkarriere sich als weniger glamourös entpuppte als gedacht, tauschte sie „schlecht bezahlten Leistungssport gegen brotlose Kunst.“ Tagsüber unterrichtet sie Glück und spricht mit ihren Schülern und Schülerinnen über Emotionen, Stärken und Schwächen – abends verwandelt sie das in Texte, „um auf der Bühne neben vielen Lachern auch in das Fühlen einzuladen“. Sichtlich liebt sie dabei die Bühne, die sieben Minuten, in denen sie ganz sie selbst sein darf. Und erklärt lachend: „Zu meinen größten Erfolgen zähle ich „einen Auftritt, bei dem ich mit einem feministischen Text eine Flut von dreißig empörten Beschwerdemails auslöste und mir eine Ehekrise angehängt wurde. Wenn ich jetzt noch auf die Bühne Schweinfurts komme, habe ich schon wirklich alles erreicht, was ich mir im Poetry Slam nur erträumt habe“.
Laura Selina studiert seit drei Jahren Lehramt und hat ziemlich zeitgleich mit Poetry Slam angefangen. Als Ausgleich zum theorielastigen Studium, sammelt sie auf den deutschen Bühnen ihre Erfahrung. Als junge Poetin berührt sie das Publikum immer wieder mit ihren eindringlichen Worten und trat 2025 erstmals bei den bayrischen Landesmeisterschaften an, Zeit also, auch in Schweinfurt beim Slam anzutreten
Zudem ist die „offene Liste“ besetzt. Wer meint selbst teilnehmen zu wollen, kann sich bei Organisator und Moderator Manfred Manger per E-Mail über das Kontaktformular auf der Homepage für die offene Liste bewerben.
Wer das Format nicht kennt: Poetry Slam, seit 2006 ausgetragen, ist die erfolgreichste und älteste literarische Serienveranstaltung der Stadt. Eine Publikumsjury bewertet die einzelnen Beiträge. Im finalen Stechen der drei Besten des Abends, wird vom Publikum der Sieger bzw. die Siegerin des Abends ermittelt.
Die Preise des Abends kommen aus dem Publikum. Alle Zuschauer und Zuschauerinnen sind angehalten, ein kleines Präsent mitzubringen. Während der Veranstaltung werden die Preise klingelbeutelartig für die Trophäe der goldenen Dichterschlacht-Schüssel (ein goldener Sektkübel) eingesammelt.
Der Kartenvorverkauf ist empfohlen, es werden aber immer auch Karten für die Abendkasse zurückgehalten. Die freie Platzwahl empfiehlt ebenfalls rechtzeitiges Erscheinen.
Samstag, 18.04.26 – 20.00 Uhr (Einlass 19.00)
Disharmonie Schweinfurt
Abendkasse (pauschal): 17 €
Vorverkauf Erwachsene: 12 € (zzgl. VVK-Gebühren)
www.disharmonie.de oder 0 97 21/2 88 95
Vorverkauf Schüler und Mitglieder von Poetry Slam Schweinfurt e.V. oder Disharmonie: 10 €
Ermäßigte Tickets direkt bei der Disharmonie oder online über die Slamhomepage (Kontaktformular) www.poetryslamschweinfurt.de
Lediglich reservierte Karten sind eine Woche vorher abzuholen oder verfallen.
Aktuelle News (Line Up etc.) auf der Homepage oder Social Media
https://www.facebook.com/poetryslamschweinfurt
www.instagram.com/poetry_slam_schweinfurt/
Fotos: Tobi Lebowski / Jonathan Kromer

