Halbzeit beim SV Fatschenbrunn: „Die Jungs saugen Fußball-Theorie auf wie ein trockener Schwamm!“

Halbzeit beim SV Fatschenbrunn: „Die Jungs saugen Fußball-Theorie auf wie ein trockener Schwamm!“

FATSCHENBRUNN – Als ordentlicher Neunter der Schweinfurter Kreisliga 2 mit 22 Punkten nach 17 der 30 Saisonpartien über wintert der SV Fatschenbrunn nicht ohne noch vorhandene Abstiegsgefahr. Vor der Pause verlor die Dorfmannschaft nur noch eine der letzten sieben Partien.

Und das mit vielen Toren von Jan-Michael Derra (12), Niklas Fösel (11) oder Dominik Fösel (8), die richtig gut trafen und Julius Neundörfer (4, letzte Saison 18) als Goalgetter ablösten. Von Sommer bis Herbst gab´s freilich auch mal eine Phase mit nur einem Sieg aus acht Partien.

Und so fällt die Zwischenbilanz des neuen Spielertrainers gemischt aus. Die Halbzeit-Fragen von www.mainfranken.news beantwortet Alexander Derra.

10 Punkte sind perfekt, deren 0 der Oberflop. Wie bewertet Ihr Eure erste Saisonhälfte – und warum?
Alexander Derra: Ich gebe unserer ersten Saisonhälfte eine 5. Wir haben gar nicht soo schlecht begonnen, bekamen dann aber richtige Dämpfer und mussten uns in der unteren Tabellenhälfte einfügen. In den Sommermonaten August/September verloren wir etliche Spiele, die man nicht verlieren darf, bzw. einfach auch nicht in dieser Art und Weise verlieren darf. Hier haben wir mindestens 5 Punkte verschenkt. In Spielen, in denen wir eigentlich alles im Griff hatten, gingen wir als Verlierer vom Platz. Hinten raus ab Oktober hat man dann aber kleine Früchte der harten Trainingsarbeit gesehen und wir konnten endlich unser Niveau erreichen und Punkte sammeln.

Welches war das bisher beste Spiel und welches das schlechteste? Und jeweils: Warum?
Alexander Derra: Ich möchte diese Frage gar nicht nur an Hand der Punktausbeute in den jeweiligen Spielen fest machen. Beim Tabellenführer in Haßfurt zum Beispiel haben wir moralisch eine super Leistung gezeigt und einen Punkt mitgenommen. Spielerisch war sicherlich das 6:1 gegen Dittelbrunn richtig gut. Wenn ich mich für das Schlechteste entscheiden muss, dann würde ich sagen in Stadtlauringen. Dort haben wir alles vermissen lassen, um ein Spiel zu gewinnen: Bewegung ohne Ball, Einsatz, Spiel gegen den Ball – einfach zu Recht 2:1 verloren.

Was hat Euch bisher in der Liga am meisten überrascht?
Alexander Derra: Nach 2 Jahren Traineramt in Ebern in der Bezirksliga Oberfranken war für mich nach der Rückkehr in die Schweinfurter Kreisliga die Ausgeglichenheit der Liga überraschend. Man kann ja gefühlt gegen jeden Gegner hoch gewinnen oder hoch verlieren.

Wer ist für Dich der Spieler der Hinrunde: Bei Euch und in der Liga?
Alexander Derra: Den einen Spieler der Hinrunde gibt es bei mir innerhalb der Truppe nicht. Wir wollen uns im Kollektiv weiterentwickeln, das verflixte zweite Jahr in einer Klasse nach dem Aufstieg so gut wie möglich (natürlich mit dem sicheren Klassenerhalt) abschließen und spielerische Elemente etablieren. Dazu gehören Training und Wille. Und beides zeigen die Jungs in Fatschenbrunn wirklich mit Bravour. Die Trainingsbeteiligung ist Hammer, die Stimmung ebenfalls. Die Jungs saugen in den Sitzungen Fußball-Theorie auf wie ein trockener Schwamm. Innerhalb der Liga gibt es in jeder Truppe super Einzelspieler – vieles alle alte eigene Weggefährten wie Thorsten Schlereth, Edisan Berisha, Domi Rippstein, nur um ein paar zu nennen. Aber auch viele Junge, die das Potential haben, in deren Fußstapfen zu treten.

Nach dem letzten Spieltag 2026 steht Ihr auf welchem Platz und erreicht den genau dann, wenn was passiert?
Alexander Derra: Wunschvorstellung wäre ein Platz zwischen 5 und 7 – aber für uns zählt nach den vielen punktelosen Spielen erst einmal nur der Klassenerhalt. Erreichen würden wir das, wenn wir in der Rückrunde genau da weitermachen, wo wir aufgehört haben – konsequent Tore schießen, Arbeit gegen den Ball im Kollektiv mit Kopf und Einsatz (Stichwort Ordnung), und schlichtweg den eingeschlagenen Weg weitergehen im Glaube an uns selbst.

Was war für Dich DER außergewöhnlichste Moment der ersten Halbserie?
Alexander Derra: DEN einen Moment zu finden, ist schwierig. Wenn man Fußball lebt, sind jedes Training, jedes Spiel, Erlebnisse, die man im späteren Leben nicht missen möchte.

Bei welchem Auswärtsspiel hat´s Euch am besten gefallen und bei welchem Heimspiel waren die Gegner besonders gesellig?
Alexander Derra: Gute Frage 😉 Fatschenbrunn lebt mit all seinen Fans noch immer den Gedanken, auswärts als guter Gast aufzutreten und bei den Heimspielen nach dem Spiel als guter Gastgeber zu fungieren. Wir gehen nach jedem Spiel geschlossen ins gegnerische Sportheim. Hier und da kann es auch mal länger und lauter werden – zum Beispiel in Herrmannsberg, Eltmann oder in Haßfurt. Eine coole Geschichte war auch das Auswärtsspiel in Ebelsbach, als unsere Fans den kompletten Biervorrat schon während des Spiels aufgebraucht hatten. Also ging`s anschließend in den nahen Lauber Garten – geile Stimmung gewesen dort! Auf so einen richtigen Mannschaftsabend nach dem Spiel mit dem Gegner warte ich leider noch, kommt bestimmt aber noch 😉

Wird sich den Winter über im Kader etwas verändern?
Alexander Derra: Stand jetzt nein!

Wirst Du als Trainer über den nächsten Sommer hinaus weiter machen? Wenn nein, was hast Du vor und wer wird Dein Nachfolger?
Alexander Derra: Ja ich mache weiter!

Wie schaut das Testspiel-Programm aus, gegen wen geht es um Punkte wieder los?
Alexander Derra: Bis jetzt sind 3 Spiele für die 1. Mannschaft geplant, 2 für die Zwote. Es geht gegen Gochsheim, Pfarrweisach und Königshofen. Bei der Zweiten stehen Spiele gegen Neubrunn und Schönbrunn auf dem Plan.

Thema Nationalmannschaft: Sind Nagelsmanns Jungs auf dem Weg, um 2026 Weltmeister zu werden?
Alexander Derra: Puh, das wird ganz schwierig. Irgendwie hat man das Gefühl, Nagelsmann sucht noch immer nach der richtigen Formation mit den richtigen Spielern. Ich glaube eher nein.

Sollte man per Gesetz beschließen, beim FC Bayern München die Punkte zu halbieren, damit die Bundesliga wenigstens ein bisschen spannend wird?
Alexander Derra: … und die anderen halben Punkte gibt man dann dem Club, vielleicht reicht es dann mal wieder, in die 1. Liga aufzusteigen!

Was muss man beim 1. FC Schweinfurt 05 machen, damit sich die Schnüdel mal etablieren können im Profifußball?
Alexander Derra: Ich habe selbst einmal ein Jahr die U17 in Schweinfurt trainiert. Richtig geiler Verein und mit Abstand unser größtes Aushängeschild in Nordfranken. Super strukturiert, da ist sehr viel Fachwissen und Kompetenz Fußball vorhanden. Ob Thema Profifußball in der 3. Liga mit aller Kraft sein muss, muss der Verein für sich entscheiden und abwägen. Wichtig(er) wäre meiner Meinung nach, die Früchte aus der tollen Jugendarbeit bei sich zu ernten. Zumindest ein nachhaltiger Gedanke …

Tee oder Kaffee, Berge oder Meer, Fisch oder Fleisch, Putin oder Trump, Eishockey oder Handball, Hardrock oder Elektropop, Zopf oder Glatze, Online oder Druck, Pornos oder Kirche, Smartphone oder Wählscheibe, AfD oder Linke, Zigeunerschnitzel oder Paprikaschnitzel, Christkind oder Osterhase – sucht oder zum Thema Gegensätze einen heraus und kommentiert ihn aus Eurer Sicht – damit sich hier nicht alles nur um Fußball dreht… 😉
Alexander Derra: Thema Politik sprech ich hier lieber nicht an – deswegen Berge oder Meer: ganz klar Berge! Ich habe die Alpen schon öfters mit dem Rennrad überfahren – ein geileres Gefühl wenn man dann zum Beispiel in Meran ankommt gibt es nicht! Glücksgefühle pur!

Wir danken für das Gespräch und wünschen für 2026 alles Gute!

www.mainfranken.news plant für die Winterpause so viele Halbzeit-Interviews wie möglich. Interessierte Vereine und Trainer, die wir noch nicht mit den Fragen kontaktiert haben, können sich gerne unter michael.horling@t-online.de melden – und werden dann bevorzugt behandelt.

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