Man weiß, dass in Schweinfurt Advent ist, wenn der Roßmarkt riecht wie eine Mischung aus Zuckerwatte, Zimt und leicht angebranntem Stromkabel. Der Weihnachtsmarkt eröffnet – und mit ihm die schönste Zeit des Jahres: jene Wochen, in denen die Menschen so tun, als hätten sie Zeit, Geld und Geduld.
Der Schweinfurter Weihnachtsmarkt ist ein Ort der Gegensätze. Vormittags trinken Rentner Glühwein „nur zum Aufwärmen“, nachmittags stapfen Kinder mit Lebkuchenherzen durchs Gedränge, und abends verwandelt sich der Platz in eine Outdoor-Disco mit Alkoholpflicht. Zwischen Bratwurstbude, Krippenstand und Lichterglanz mischen sich jene, die eigentlich nur einen Parkplatz gesucht haben, aber jetzt halt doch einen Punsch nehmen.
Weihnachten als Leistungssport
Wer den Schweinfurter Weihnachtsmarkt besucht, sollte Ausdauer mitbringen. Nicht wegen der Wege, sondern wegen der Gespräche. An jeder Ecke trifft man jemanden, den man „ewig nicht gesehen“ hat, und der das Gespräch mit einem Satz beginnt, der nie gut endet: „Und, was machst du jetzt so?“ Danach hilft nur Nachschub vom Glühweinstand – und schnell ein Stück weiter Richtung Bühne, wo ein Saxophonist „Last Christmas“ spielt, als hinge seine Karriere davon ab.
Romantik trifft Realität
Natürlich ist alles hübsch dekoriert: Holzbuden, Tannenzweige, Lichterketten. Aber Schweinfurt wäre nicht Schweinfurt, wenn nicht auch irgendwo ein Handwerkertrupp mitten im Marktbetrieb eine Baustelle absperrt. Zwischen Engelshaar und Absperrband schwebt dann ein ganz eigener Zauber – der Duft von Diesel mischt sich mit Vanillekipferl. Authentischer wird’s nur noch im Industriegebiet.
Fazit
Am Ende bleibt der Schweinfurter Weihnachtsmarkt, was er immer war: eine charmant chaotische Mischung aus Volksfest, Klassentreffen und Alkoholtest.
Und wenn man spätabends zwischen Lichterglanz, Gulaschsuppe und Glühweinbechern steht, weiß man: Hier schlägt das wahre Herz der Stadt – leicht beschwipst, ein bisschen laut, aber ehrlich warm.
Fabian Riedner
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