AUBSTADT – Es war im März 2022: Victor Kleinhenz gegen Michael Köllner, der kleine TSV Aubstadt im Pokal-Viertelfinale gegen den großen TSV 1860 München. Die Grabfelder siegten im Elfmeterschießen und zogen ins – leider verlorene – Finale in Illertissen ein. Wiederholt sich nun Fußball-Geschichte?
Am Mittwoch, den 12. November, um 18:30 Uhr, steigt in der NGN-Arena das große Pokalhighlight: der TSV Aubstadt empfängt den Traditionsverein und Drittligisten TSV 1860 München diesmal im Viertelfinale des Toto-Pokals. Ein echtes Fußballfest steht bevor – Flutlicht, Pokalstimmung und zwei Teams, die um den Einzug ins Halbfinale kämpfen.
Die Vorfreude im Grabfeld ist riesig: Bereits rund 2000 Tickets wurden im Vorverkauf abgesetzt, und die Nachfrage ist weiterhin groß. 3000 dürfen in die Arena, Tageskasse ist geöffnet. Der TSV empfiehlt jedoch dringend, Tickets vorab online zu erwerben. Das entlastet die Kassen am Spieltag, sorgt für einen reibungslosen Ablauf beim Einlass und spart allen Fans Wartezeit – gerade durch die Fast Line für Online-Tickets kann der Stadionbesuch noch entspannter beginnen.
Sportlich wartet auf die Mannschaft eine große Herausforderung, aber auch eine Chance, gegen den Drittligisten aus München zu zeigen, was in ihr steckt. Die Jungs sind heiß auf das Duell mit den Löwen und werden alles geben, um dem Favoriten Paroli zu bieten. Mit der Unterstützung der Fans im Rücken soll die NGN-Arena einmal mehr zur Festung werden. Los geht´s um 18:30 Uhr. Diesmal lautet das Trainer-Duell an der Seitenlinie: Claudiu Bozesan gegen Markus Kauczinski. Der Fünfte der Regionalliga Bayern erwartet den 14. der 3. Liga, der zuletzt mit 0:4 in Regensburg unter die Räder kam und der unter großem Druck steht.
Mit ein paar Fotos und vor allem dem Spielbericht mit eingebauten Videolinks und mit dem damaligen Vorbericht erinnert www.mainfranken.news an das Duell vom März vor drei Jahren – und wird auch diesmal wieder live dabei sein und danach ausführlich berichten. Jetzt die Bilder, danach viel mehr.



Aubstadt im Pokal-Finale: Das ist die Geschichte zum absoluten Fußball-Wahnsinn – MIT VIELEN FOTOS UND VIDEOS!
AUBSTADT – Abends sah man, dass a.) Topstars Elfmeter verschießen und b.) gute Keeper Strafstöße parieren können. Live im TV und am Ende einer Partie, in der es zwischen Deutschland und Israel um weit weniger ging als ein paar Stunden zuvor im Grabfeld. Das dort größte Fußballspiel überhaupt entpuppte sich als echter Knaller. Mit einer (kleinen) Sensation.
Der Held des Nachmittags hieß Lukas Wenzel. Er hielt schon in der Schlussphase zwei, drei Mal prächtig, als beim Stand von 1:1 die Münchner Löwen ihre beste Phase hatten und der an sich logische Sieg des Favoriten fast doch noch Realität wurde. Der 23 Jahre alte Keeper rettete Aubstadt ins Elfmeterschießen und ließ sich dort nur von Stephan Salger und Merveille Biankadi bezwingen, hielt aber gegen Erik Tallig, Stefan Lex und Marcel Bär gleich drei Mal. So dass ein fünfter Schütze des Regionalligisten gar nicht antreten musste. Es reichte, dass Christopher Bieber, Ingo Feser und Steffen Behr verwandelten. Dann hieß es: Bühne frei zum Riesenjubel!
Unfassbar, aber wahr: Der TSV Aubstadt steht im Finale des Bayerischen Verbandspokals und braucht nur noch einen weiteren Sieg, um von Bayern München oder Borussia Dortmund träumen zu dürfen. Dass parallel auch der FV Illertissen vor gerade mal 690 Fans mit den Würzburger Kickers einen Favoriten (sogar mit 3:1 nach regulärer Spielzeit) ausschaltete, bedeutet für die Grabfelder kein automatisches Heimrecht im für Samstag, den 21. Mai, geplanten Finale. „Aber Illertissen hat uns in der Vergangenheit gelegen…“, weiß Trainer Victor Kleinhenz. Konkret heißt das: Vier Mal gab´s das Duell in der Regionalliga, drei Mal gewann Aubstadt bei zuletzt jüngst erst einem Remis zuhause. Auswärts anzutreten müsste also kein Nachteil sein.
„Aber jetzt genießen wir erst einmal den Tag…“, freute sich Kleinhenz über ein rundum gelungenes Event. Schon weit eine Stunde vor Spielbeginn strömten die Fans auf das Gelände. „Die aufgehobenen Corona-Beschränkungen, das Wetter – anscheinend hat alles auf diesen Tag gewartet…“ strahlte der Coach, der selbst knapp eine Stunde nach dem finalen Elfmeter „noch nicht so richtig verstanden“ hatte, „was da heute passiert ist“.
Knapp zusammengefasst war es eine intensive Partie, in der die Löwen einfach zu wenig taten, um Aubstadt in Gefahr zu bringen. „Wir wussten, dass wir dagegen halten können. Aber dass wir es so solide und abgezockt machen, das hat keiner gedacht“, gab Abwehrhüne Tim Hüttl zu, an dem es einfach kein Vorbeikommen gab. „Wir hatten eine stabile Abwehr, 1860 traf einfach auf einen guten Gegner“, stellte der 23-Jährige sein Team in den Mittelpunkt und wollte gar nicht behaupten, die Münchner hätten vielleicht enttäuscht.
Hüttel brachte seine Elf nach einer Ecke per Kopfball auch noch in Führung. „Mein erstes Tor für Aubstadt überhaupt habe ich mir für heute aufgehoben“, grinste der Verteidiger, „ich bin beim 1:0 im richtigen Moment losgelaufen und musste nur den Kopf hinhalten.“
Danach rückte Keeper Lukas Wenzel in den Mittelpunkt. Erst beim schnellen Ausgleich, als er und Christian Köttler aufeinender prallten, Marcel Bär so ins leere Tor einschieben konnte. Dann mit zahlreichen Paraden, letztlich mit den abgewehrten Elfmetern. „Dafür spielt man Fußball. Aber ich wusste, dass ich heute drei halte“, erzählte der 23-Jährige vom Videostudium des Achtelfinals, als der TSV 1860 München auch in Burghausen schon ins Elfmeterschießen musste. „Ich wusste, wo die hinschießen“, so Wenzel. „Jetzt haben wir Aufsehen erregt in Bayern. Finale. Unglaublich!!
Das Bayerische Fernsehen übertrug das live, wonach Löwen-Coach Michael Köllner meinte: „Das war ein verdienter Sieg, ein tolles Spiel vor toller Kulisse. Das 1:0 hat uns wachgerüttelt, danach haben wir Gas gegeben, aber es bei den drei, vier klaren Chancen versäumt, in der regulären Spielzeit für die Entscheidung zu sorgen. Und deshalb haben wir es auch nicht verdient, ins Finale einzuziehen.“
Für Victor Kleinhenz war´s überragend, wie sein Team vor allem in der ersten Halbzeit „Drucksituationen fußballerisch gelöst“ habe. Für Lukas Wenzel sei´s „die ganz große Bühne“ gewesen, für das ganze Dorf „ein Riesenerlebnis, was keiner bereut hat“. Und für den Verein die vorläufige Krönung einer anhaltenden Erfolgsgeschichte. Bei Augsburg 2 geht es kommendes Wochenende weiter für Aubstadt, dann gastieren Nürnberg 2 und Heimstetten in der NGN-Arena, wo heuer auch noch Buchbach, Eichstätt, Schalding-Heining und Bayern München 2 gastieren. Und wo man irgendwie davon träumt, vielleicht im August diesen Jahres gegen Bayern Münchens Profis spielen zu dürfen.
Fußball, BFV-Verbandspokal, Halbfinale: TSV Aubstadt – TSV 1860 München (4:3 nach Elfmeterschießen (1:1; 0:0)
Aubstadt: Lukas Wenzel – Leonard Langhans (ab 78. Philipp Harlaß), Tim Hüttl, Christian Köttler (ab 88.Christopher Bieber), Ingo Feser, Marcel Volkmuth (ab 64. Steffen Behr), Jens Trunk, Timo Pitter (ab 72. Patrick Hofmann), Leon Heinze, Joshua Endres, Michael Dellinger (ab 78. Björn Schönwiesner)
1860 München: Tom Kretzschmar – Yannick Deichmann, Niklas Lang, Stephan Salger, Philipp Steinhart (ab 58. Fabian Greilinger), Richard Neudecker, Erik Tallig, Merveille Biankadi, Milos Cocic (ab 62. Marco Mannhardt), Marcel Bär, Stefan Lex.
Schiedsrichter: Thomas Stein / Alexander Arnold und Kai Urbanczyk
Tore: 1:0 (67.) Tim Hüttl, 1:1 (74.) Marcel Bär
Elfmeterschießen: 1:2 Stephan Salger, Kretzschmar hält gegen Joshua Endres, Wenzel hält gegen Erik Tallig, 2:2 Christopher Bieber, Wenzel hält gegen Stefan Lex, 3:2 Ingo Feser, 3:3 Merveille Biankadi, 4:3 Steffen Behr, Wenzel hält gegen Marcel Bär
Zuschauer: 3000
Der TSV Aubstadt erwartet die Löwen: Das Jahrhundert-Highlight für den Dorfverein mit 800 Einwohnern und 3000 Zuschauern
AUBSTADT / MÜNCHEN – Das „Spiel des Jahres“ ist es ohnehin, vielleicht das bislang größte Fußballmatch in der Vereinsgeschichte, wenn am Samstag ab 14 Uhr der Fußball-Regionalligist TSV Aubstadt im Halbfinale des BFV-Verbandspokals die Löwen des TSV 1860 München empfängt. Das knapp unter 800 Einwohner zählende Dorf im unterfränkischen Grabfeld kurz vor der Landesgrenze zu Thüringen wird an diesem Tag definitiv kopf stehen.
„Das ist ein Jahrhundert-Highlight und für alle eine Riesensache. Für die Gemeinde, für die Fans, für die Mannschaft“, weiß Herbert Köhler. Der 71-Jährige führt seit nunmehr neun Jahren den TSV als Vorsitzender, ist ein waschechter „Aubschter“. Er hat schon die Zeiten in der Bezirksliga erlebt oder bis 2008 in der Bezirksoberliga – drei Klassen tiefer als heute. „Es ist zwar schon länger her. Aber wir hatten auch mal unter 100 Zuschauern bei einer Heimpartie“, weiß Köhler. Aktuell sind es wie in der Aufstiegssaison 2019/21 knapp 700, also könnte man sagen: Das gesamte Dorf schaut zu.
Kommenden Samstag werden es 3000 Fans sein, 300 Tickets gingen offiziell an Löwen-Fans. Erstmals meldet Aubstadt also: Ausverkauf! Was für die neu überdachte, kleine, 152 Personen fassende Tribüne dann natürlich auch gilt. Und mit dem TSV 1860 München kommt der wohl prominenteste Gegner zu den Nord-Unterfranken. Nach Bayer Leverkusen gastiert ein zweites Mal ein (Ex-) Bundesligist beim TSV, der in den 80er Jahren zur Einweihung des Sportplatzes die Werkself empfing. Rund 2000 Anhänger sahen Trainer Erich Ribbeck, Herbert Waas oder Bum Kun Cha.
Ähnliches wie nun erlebte Aubstadt schon mal, als am 27. Mai 2014 offiziell 2820 Zuschauer in der damals noch schlicht und einfach Schulstadion heißenden, heutigen NGN-Arena weilten. Damals standen die parkenden Autos auf der Straße bis weit in Richtung des knapp vier Kilometer entfernten Nachbarorts Großeibstadt. Als Vizemeister der Bayernliga bestritt der TSV sein erstes Aufstiegsspiel zur Regionalliga ausgerechnet gegen den großen Nachbarn FC Schweinfurt 05, der sich in zwei Partien durchsetzte und der im Grabfeld mit 3:2 gewann. Mit Christian Köttler und Dominik Grader gehören heute noch zwei Spieler der Hausherren zum Kader, vom Team der Gäste spielt heute Max Schebak für Aubstadt, das erst ein paar Jahre später als Meister den Aufstieg schaffte und seitdem in der Fußball-Regionalliga Bayern eine überragende Rolle spielt. Und auch im Pokal…
Wie man einen Drittligisten aus München schlägt, zeigte Aubstadt ja schon im Oktober letzten Jahres beim 3:1 gegen Türkgücü im Viertelfinale. Leon Heinze, Joshua Endres und Timo Pitter hießen damals die Torschützen für die Hausherren. Seitens der Löwen wird man diese Namen auf dem Zettel haben… „Ganz chancenlos sind wir sicher nicht“, hofft Herbert Köhler, „wenn wir einen guten Tag erwischen und 1860 einen nicht so guten. Wir werden uns auf alle Fälle ordentlich präsentieren“, sagt der Vorstand voraus.
Was auch rings um die Partie gilt, die zweite übrigens, die live im Bayerischen Fernsehen übertragen wird nach dem Saisoneröffnungsspiel 2019 bei Schweinfurt 05. Diesmal ist der BR aber zur Premiere in Aubstadt anwesend. In Sachen Stromanschlüssen, Podeste für die Kameraleute oder einem eigenen Raum für den Moderator packen die rund 100 ehrenamtlichen Helfer natürlich gerne an. „Einmalig“ sei das bevorstehende Ereignis, so Köhler. 4000 bis 5000 Karten hätte man wohl verkaufen können…
Mit vier Verkaufsständen will der TSV den Andrang bewerkstelligen und hofft auch auf großen Umsatz. Überregional bekannt sind die guten Bratwürste in Aubstadt, 4000 davon dürften am Samstag vom Grill in die Brötchen wandern und auch die Weißwurst-erprobten München Fans überzeugen. Dass die sicherlich akustisch den Ton angeben werden, stört die Grabfelder in keinster Weise. Im Gegenteil. Sportlich freilich erhofft sich die Mannschaft um den erst 30 Jahre jungen Trainer Victor Kleinhenz eine Partie auf Augenhöhe, so wie bereits die zwei Saisons in der Regionalliga gegen die Profi-Nachbarn aus Schweinfurt, denen Aubstadt jeweils daheim ein 2:2 abzwang.
Die Form passt, wie das 3:0 am Samstag auswärts in der Wacker-Arena zu Burghausen bewies. Zweifacher Torschütze war da Außenbahnspieler Ingo Feser, wonach sich nun 13 Akteure die 49 erzielten Treffer in der Liga teilen. Über eventuelle Prämien für ein Weiterkommen gegen den Favoriten will sich der TSV nicht äußern.
Am frühen Donnerstagabend gab´s die wohl erste Online-Pressekonferenz des TSV Aubstadt in der Vereinsgeschichte. Der Grund war das große Interesse der Medien im Vorfeld. Gerade aus der Landeshauptstadt, wo sich die Journalisten an den Bildschirmen wohl über die nicht nur anfänglichen technischen Probleme wunderten.
Trainer Victor Kleinhenz durfte vermelden, dass wohl fast alle Mann an Bord sind. Nur ausgerechnet Leistungsträger Ben Müller verletzte sich beim Dienstagstraining. „Ich sehe Chancen auf ein kleines Fußballwunder“, sagt der 30-Jährige. Am Ablauf unter der Woche hat das Team nichts verändert. „Eine Motivationsspritze ist gegen andere Gegner notwendig!“
Sein spielender Co-Trainer Christopher Bieber freut sich auf die Gelegenheit, im hohen Alter nochmal ein Pflichtspiel gegen die Löwen bestreiten zu dürfen. „Das wird ein Riesenevent mit einer pickepackevollen Hütte. Wir haben nichts zu verlieren, aber der TSV 1860 München kommt mit Druck daher. Da könnte was gehen, wir versuchen alles!“
Vorstand Herbert Köhler ging nochmal auf das Organisatorische ein. Bis zu 250 Helfer werden am Samstag im Einsatz sein, um zwischen An- und Abfahrt der Zuschauer alles zu bewerkstelligen. „Mit Herzblut dabei“ seien alle Freunde des Vereins. „Ich hoffe, wir sehen im ausverkauften Stadion ein gutes Spiel und sehe unsere Chancen 50:50!“
Ausrüster Michael Helmerich hat extra für die Partie ein eigenes Trikot kreiert. Wer es alles tragen darf? Auch da belässt es Kleinhenz bei den Abläufen. Großartige Veränderungen im Kader und bei der ersten Elf dürfte es im Vergleich zu letzten Samstag und Burghausen nicht geben. „Eins nach dem anderen, so wie zuhause bei uns im Dorf die Klöß´ gegessen werden“, sagt der Coach zum Thema, wen er sich als Finalgegner wünscht…
