BAD KISSINGEN – Nach rund zwei Jahren Bauzeit sind die Arbeiten am Gradierwerk an der Unteren Saline in Bad Kissingen abgeschlossen. Mit der baulichen Fertigstellung des neuen Nordflügels gewinnt das Bayerische Staatsbad eine besondere touristische Attraktion zurück, die historische Tradition mit Gesundheit und Erholung verbindet.
Künftig lädt das Gradierwerk Gäste und Einheimische wieder dazu ein, die wohltuende salzhaltige Luft zu genießen und die Geschichte der Bad Kissinger Salzgewinnung hautnah zu erleben. Bei geeigneter Witterung soll die Anlage noch in diesem Jahr bis zum Beginn der Winterruhe in Betrieb sein. Eine feierliche Eröffnung ist für das Max-Fest 2027 vorgesehen, sofern die Witterungsverhältnisse dies zulassen.
Anlässlich der baulichen Fertigstellung fand ein offizieller Termin mit geladenen Gästen statt. Zu den Teilnehmenden und Rednern gehörten unter anderem Staatssekretär Sandro Kirchner, Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel, Holger Richterstetter, Leiter Hochbau am Staatlichen Bauamt Schweinfurt sowie Sebastian Dresbach, Kurdirektor und Geschäftsführer der Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH. Auch der stellvertretende Landrat Roland Limpert und Mitglieder des Bad Kissinger Stadtrats waren anwesend.
Ein besonderer Ort für Gesundheit und Erholung
Mit dem neuen Gradierwerk erhält Bad Kissingen nicht nur ein historisch bedeutendes Bauwerk zurück, sondern auch einen attraktiven Aufenthaltsort für Gäste und Einheimische. Die Anlage wurde so gestaltet, dass das Inhalieren der salzhaltigen Luft künftig mit einem verbesserten Besuchserlebnis verbunden ist. Ein barrierefreier Zugang über eine Rampe sowie zusätzliche Sitz- und Liegegelegenheiten laden zum Verweilen und Entspannen ein. Auch außerhalb des Gradierwerks entstehen zwischen den hölzernen Außenstreben weitere Aufenthaltsmöglichkeiten.
Darüber hinaus erhalten Besucherinnen und Besucher durch den freigestellten nördlichen Giebel Einblicke in die Funktionsweise des Bauwerks. Im Foyer des Turms ist künftig eine Heilwasserverkostung des Luitpoldsprudels „alt“ vorgesehen. Ein Ausstellungsraum im Turm soll im Rahmen von Führungen zusätzliche Informationen zur Geschichte des Gradierwerks vermitteln.
Innenstaatssekretär Sandro Kirchner ergänzt: „Bad Kissingen als Welterbe- und bedeutende Kurstadt steht seit jeder für Gesundheit, Heilung und Erholung. Als einer der bekanntesten Kurorte Deutschlands blickt das Staatsbad Bad Kissingen auf eine mehr als 200-jährige Geschichte und eine lange Tradition zurück. Mit dem neuen Gradierbau führen wir dieses wertvolle Erbe in die Zukunft. Wir investieren in die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Bürgerinnen und Bürger und stärken Bayern als lebenswerte Heimat.“
„Nun glänzt, nach dem Turniergebäude, eine weitere „Perle“ in unserer Welterbe-Kette vom Klaushof bis zum Golfplatz mit traditionellem Handwerk und neuen Aufenthaltsmöglichkeiten für alle“, so Bad Kissingens Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel.
„Mit der baulichen Fertigstellung des Gradierwerks gewinnen wir ein Stück Bad Kissinger Geschichte und zugleich eine besondere touristische Attraktion zurück. Das neue Gradierwerk verbindet unsere traditionsreiche Kurgeschichte mit zeitgemäßen Angeboten für Gesundheit und Erholung. Es ist ein Ort, an dem Gäste und Einheimische die besondere Bedeutung unserer Heilquellen unmittelbar erleben und die einzigartige Atmosphäre Bad Kissingens genießen können. Damit wird unser touristisches Angebot um einen weiteren wertvollen Anziehungspunkt bereichert“, betont Sebastian Dresbach, Kurdirektor und Geschäftsführer der Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH.
Von der Stilllegung zum Ersatzneubau
Der Ersatzneubau war notwendig geworden, nachdem bei Standsicherheitsbegehungen erhebliche Schäden an den Stahlverbindungen des bisherigen Nordflügels festgestellt worden waren. Der hohe Chloridgehalt der Sole hatte die verzinkten und zusätzlich beschichteten Verbindungselemente stark angegriffen. Die Standsicherheit konnte zuletzt nur noch durch zusätzliche Sicherungsmaßnahmen gewährleistet werden. Deshalb entschied man sich für einen Ersatzneubau als nachhaltigste und wirtschaftlichste Lösung.
Im September und Oktober 2024 wurde der schadhafte Nordflügel zurückgebaut. Parallel begannen die Untersuchungen und Planungen zur Sanierung der bestehenden Fundamente, die bis März 2025 andauerten. Von Mai 2025 bis März 2026 folgten die Fundamentsanierung und die notwendigen Gründungsarbeiten.
Im weiteren Bauverlauf wurden zwischen August und November 2025 Gerüstbauarbeiten am Turm durchgeführt sowie dessen Holzverschalung und Fenster erneuert. Von September bis Dezember 2025 erfolgten zudem Arbeiten an der Soleleitung. Im November 2025 begannen die Zimmererarbeiten für den neuen Nordflügel.
Ab April 2026 wurde das neue Reisigmaterial aus Schwarzdorn eingebaut. Im Sommer folgten unter anderem die Herstellung und Eindeckung der Vordächer, die Abdichtung der Solewanne, der Einbau der Beläge in der Laufebene sowie die Herrichtung der Außenanlagen. Mitte September begann die Inbetriebnahmephase mit der Einregulierung des Solewassers. Im Oktober 2026 erfolgte die Bauübergabe.
Der Ersatzneubau des Gradierwerks wurde vom Freistaat Bayern als Bauherr und Kostenträger realisiert. Die Planung und Umsetzung der Baumaßnahme lagen in der Verantwortung des Staatlichen Bauamts Schweinfurt. Die Bauwerkskosten belaufen sich auf rund 3,5 Millionen Euro.
Historische Bauweise für eine nachhaltige Zukunft
Das Gradierwerk blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bis 1867 wurde die Anlage zur reinen Salzgewinnung genutzt. Nach deren Einstellung wurden große Teile der ursprünglichen Gradierwerke abgebrochen. Der erhaltene Gradierbau diente fortan als Freiluftinhalatorium.
Mit dem Ersatzneubau orientiert sich das Bauwerk wieder stärker an seinen historischen Vorgängern. Die hölzernen Außenstreben erinnern an das Erscheinungsbild des frühen 19. Jahrhunderts und damit an die Anfänge der Blütezeit Bad Kissingens als bedeutendes Weltbad. Beim Neubau wurden weitgehend traditionelle Holzverbindungen eingesetzt, um die Widerstandsfähigkeit gegenüber der salzhaltigen Sole und damit die Lebensdauer des Bauwerks zu verbessern.
Betrieb bis zur Winterruhe und feierliche Eröffnung für 2027 geplant
Nach der baulichen Fertigstellung soll das Gradierwerk bei geeigneter Witterung noch in diesem Jahr für Gäste und Einheimische in Betrieb sein. Wie lange die Anlage vor Beginn der Winterruhe genutzt werden kann, hängt von den Temperaturen und den Witterungsverhältnissen ab. Der genaue Zeitpunkt der Winterpause wird entsprechend bekannt gegeben.
Die feierliche Eröffnung des neuen Gradierwerks ist für das Max-Fest 2027 vorgesehen. Auch dieser Termin steht unter dem Vorbehalt geeigneter Witterungsbedingungen. Über den weiteren Betrieb und die geplante Eröffnung informiert die Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH rechtzeitig.
Auf den Fotos:
Fertigstellung des Gradierwerks in Bad Kissingen durchschnitten – von links – Holger Richterstetter, Leiter Hochbau am Staatlichen Bauamt Schweinfurt, Staatssekretär Sandro Kirchner, Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel und Sebastian Dresbach, Kurdirektor und Geschäftsführer der Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH, gemeinsam das symbolische Band.
Seit September 2024 liefen die Bauarbeiten an der unteren Saline. Nun erstrahlt das Gradierwerk in neuem Glanz.
Das Gradierwerk wurde so gestaltet, dass das Inhalieren der salzhaltigen Luft künftig mit einem verbesserten Besuchserlebnis verbunden ist. Ein barrierefreier Zugang über eine Rampe sowie zusätzliche Sitz- und Liegegelegenheiten laden zum Verweilen und Entspannen ein.
Bilder: Julia Milberger



