SARBRÜCKEN / BAD KÖNIGSHOFEN – Nach der Riesen-Enttäuschung von Grenzau, der 2:3-Niederlage durch 10:12 im fünften Satz des fünften Spiels, und vor einer sechswöchigen TTBL-Pause muss der TSV Bad Königshofen seine Visitenkarte beim amtierenden Deutschen Meister, Pokalsieger und Champions-League-Sieger 1. FC Saarbrücken TT (Freitag, 19 Uhr) abgeben.
Stichwort abgeben: Beide Vereine haben damit ihre speziellen Erfahrungen. Die Königshöfer hatten mit dem damals 17-jährigen Slowenen Darko Jorgic ein Riesen-Talent aus der zweiten italienischen Liga zum TSV geholt, das inzwischen seit Jahren zu den Top Ten der Tischtenniswelt gehört. Aber nach der Hinrunde 2017/18 war er mehr oder weniger schon wieder weg, spielte zwar die Saison im Grabfeld zu Ende, wurde aber schon im Januar als Neuzugang von Saarbrücken just vor dem Beginn des Rückspiels dort gegen den TSV verkündet.
Mit Jorgic gelang den Saarländern, seit 2009 Bundesligist, die erfolgreichste Zeit ihrer Historie: drei Pokalsiege und zwei Deutsche Meisterschaften, in der vergangenen Saison sogar das Triple mit dem Gewinn der Champions League. Das mochte sich der Rekordmeister Borussia Düsseldorf nicht gefallen lassen, schnappte den Saarländern den Olympiasieger Fan Zhendong weg. Angeblich, weil der eine neue sportliche Herausforderung suchte. Oder auch, weil er ein sehr guter Freund von Timo Boll sei. Letztendlich erging es Saarbrücken mit Fan Zhendong so wie Bad Königshofen mit Jorgic: Nach einem Jahr war er weg.
Darko Jorgic wechselte nach Polen. „Ich habe gemerkt, dass die ständige Reiserei zwischen Slowenien, Deutschland und den WTT-Turnieren auf Dauer zu viel geworden ist. Die Entscheidung fiel nicht gegen den Verein, sondern für meine Familie und für meinen weiteren Weg auf der WTT-Tour und mein großes Ziel Olympia LA 2028.“ Dennoch war der Aderlass eine Zäsur. Die Zwei-Drittel-Garantie des Erfolgstrios war weg. Geholt hat man sich dafür mit dem brasilianischen Ex-Ochsenhausener Hugo Calderano nur einen Hochkaräter.
Obwohl der nur eines der ersten fünf TTBL-Spiele bestritt, Bilanz 2:0, legte die Mannschaft des chinesischen Coaches Wang Zhi einen sauberen Start hin: 3:1 in Dortmund, 3:1 gegen Mühlhausen und 3:1 in Bad Homburg. Dann aber folgten zwei Niederlagen: die daheim gegen Bremen, immerhin noch mit Patrick Franziska, Eduard Ionescu und Alvaro Robles. Am Sonntag bekam man aber vom neuen Spitzenreiter Ochsenhausen eine 0:3-Abfuhr. Mit einer befremdend anmutenden Aufstellung: Danilo Faso, Albert Vilardell und Samuel Arpas. Womöglich gehört denen die Zukunft.
Worauf lässt das aber jetzt schließen? Wettbewerbsverzerrung ist ein verbranntes Thema in dieser Tischtennis-Bundesliga, der Zwei-Klassen-Gesellschaft. Düsseldorf ist normalerweise eh nicht zu schlagen. Zu einem Play-off-Platz wird es allemal reichen. Die derzeitige Rangfolge: 1. Düsseldorf (10:0), 2. Ochsenhausen (10:0), 3. Dortmund (6:4), 4. Saarbrücken (6:4). Höchstens Bremen (5./6:4) oder Fulda (6./4:6) werden sich da noch einmischen können.
Ob für die Saarländer Calderano (2:0), Franziska (4:0) und/oder Ionescu (1:2) aufschlagen werden, bleibt für die Königshöfer bis eine Stunde vor Spielbeginn natürlich mehr ein Rätsel als deren Aufstellung für die Saarländer. Wenn alle fit sind, dürften Bastian Steger und Andre Bertelsmeier gesetzt sein. Bliebe nur die Wahl zwischen Filip Zeljko, Daniel Habesohn und Liao, die vermutlich auch durch Direktvergleiche mit vermeintlichen Gegnern beeinflusst wird. Oder aber durch die jüngsten Eindrücke von Headcoach Timo Neumann aus dem Spiel seiner Mannschaft in Grenzau.
Rudi Dümpert für www.mainfranken.news

