Umfassende Innenrenovierung beginnt: So war der letzte Gottesdienst im Käppele vor der Schließung

Umfassende Innenrenovierung beginnt: So war der letzte Gottesdienst im Käppele vor der Schließung
Bild © Markus Hauck (POW)

WÜRZBURG – So voll besetzt ist selbst das Käppele nicht oft: Gläubige aus der gesamten Region haben am Sonntag, 20. September, gemeinsam mit Weihbischof Paul Reder in der Würzburger Wallfahrtskirche am Nikolausberg zum Wallfahrtstag „Maria Schmerz“ den letzten Gottesdienst gefeiert, darunter auch der Mitglieder der dort ansässigen Maria-Schmerz-Bruderschaft.

Ab Montag, 21. September, schließt das Gotteshaus für mehr als zwei Jahre seine Pforten. Grund dafür ist eine umfassende Innenrenovierung, die voraussichtlich bis Ende 2028 andauern wird. „Das Käppele kommt in neuem Glanz zurück“, versprach Franziskaner-Minoriten Bruder Franz-Maria Endres.

In seiner Predigt zog der Weihbischof eine Parallele zwischen der anstehenden Restaurierung des Barockbaus und dem persönlichen Glaubensleben der Menschen. Das Käppele, das von 1747 bis 1750 nach den Plänen von Balthasar Neumann an die ältere Gnadenkapelle angebaut wurde, sei seit Jahrhunderten ein fester Anlaufpunkt für Menschen in Not, Trauer und Hoffnung.

Ein solcher Gnadenort lebe nicht allein von schöner Architektur und Schmuck, betonte der Weihbischof. Es gehe vielmehr darum, dass Menschen dort mit ihrer gesamten Lebenswirklichkeit vor Gott treten dürften – „nicht mit einer geschönten Version ihrer selbst, nicht nur mit der Schokoladenseite, sondern echt, in ungeschminkter Wahrheit“. In der Darstellung der Schmerzensmutter, die ihren toten Sohn auf dem Schoß liegen habe, spiegelten sich seit jeher die menschlichen Erfahrungen von Leid, Verlust und Ohnmacht wider.

Die anstehenden Restaurierungsarbeiten, bei denen Schmutz und Verunreinigungen entfernt werden, um die ursprüngliche Schönheit des Kirchenraums wiederherzustellen, nahm der Weihbischof zum Anlass für einen spirituellen Impuls: Auch im menschlichen Leben lagerten sich mit der Zeit Schichten an, die das überlagerten, was Gott ursprünglich gedacht habe. Eine „geistliche Innenrenovierung“ bedeute nicht, sich selbst neu zu erfinden, sondern das freizulegen, was das eigene Leben eigentlich trage. Es gehe darum, das Herz wieder fähig für Beziehungen zu machen und zu fragen: „Was möchte Gott in mir wieder sichtbar machen?“ Das können nach den Worten von Weihbischof Reder Geduld, Vertrauen, Vergebung oder die Fähigkeit, zu beten sein.

„Wenn dann der Tag kommt, dass die Gerüste im Käppele wieder abgebaut sind und die Farben, der Stuck und die Bilder wieder heller und klarer hervortreten, wird hoffentlich wieder vieles an ursprünglicher Schönheit sichtbar werden von dem, was die Restauratoren freigelegt und bewahrt haben.“ Gleiches gelte für das Leben jedes Einzelnen. Gott wolle das Gute, das er in jedem Menschen angelegt hat, wieder zum Leuchten bringen. „Nutzen auch wir die Zeit, aus unserem Inneren wieder einen Ort zu machen, an dem seine Liebe wohnen und sichtbar werden kann“, ermunterte Weihbischof Reder.

Vor dem Schlusssegen ergriff der emeritierte Weihbischof Ulrich Boom das Wort. Seine persönliche Berufungsgeschichte sei aufs Engste mit dem Käppele verbunden, erklärte er. Er habe ab August 1979 für zwei Jahre als Gast im damaligen Kapuzinerkloster gelebt. Bei vielen Begegnungen in der Wallfahrtskirche habe er erlebt: „Bei der Gottesmutter ist ein Platz für die Menschen ─ auch und gerade für diejenigen, die in den Gemeinden vor Ort keinen haben.“ Wichtig sei auch, dass eine Ordensgemeinschaft präsent sei, durch die Gottes Menschenfreundlichkeit spürbar werde.

Für die Dauer der Arbeiten bleibt das Käppele unzugänglich. Der Gnadenort verschwinde jedoch nicht, da Gottes Gnade nicht an ein Bauwerk gebunden sei, sagte Weihbischof Reder. Das Gnadenbild der Gottesmutter findet während der Renovierungsphase eine vorübergehende Heimat in der Würzburger Pfarrkirche Sankt Burkard.

Stichwort: Wallfahrtstag „Maria Schmerz“

Der Wallfahrtstag „Maria Schmerz“ (auch Fest der Schmerzen Mariens oder Stabat Mater) ist ein Gedenktag der römisch-katholischen Kirche, der am 15. September begangen wird. Er steht in direktem Zusammenhang mit dem am Vortag (14. September) gefeierten Hochfest der Kreuzerhöhung und erinnert an die sieben Schmerzen Marias, insbesondere an das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz. Im liturgischen Kalender ist er als Gedenktag angelegt und wird in der Praxis oft als großer Wallfahrtstag begangen. Ein bekanntes Beispiel ist die Wallfahrtsstätte „Maria im Grünen Tal“ in Retzbach, wo am Wochenende um den 15. September herum Pilgergruppen und Einzelpilger zu einer Lichterprozession und einer Eucharistiefeier kommen. Auch andere Orte, in denen die Kirche entsprechendes Patrozinium hat, wie etwa Bergrheinfeld (Mater Dolorosa) oder das Würzburger Käppele (Mariä Heimsuchung und Schmerzhafte Muttergottes), feiern an diesem Tag besondere Gottesdienste.

mh (POW)

Auf dem Bild © Markus Hauck (POW) | Viele Gläubige feierten den letzten Gottesdienst im Käppele mit. Das Gottesdienst schließt wegen einer Innenrenovierung voraussichtlich bis Ende 2028.

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