SCHWEINFURT – Der Initiator des erneuten Bürgerbegehrens „Zurück zum alten Stadtbussystem“ Hartmut Bach korrigiert die beschönigende Darstellung der derzeitigen Situation seitens der Stadt und fordert eine sachliche, faktenbasierte Diskussion über Fahrplan, Effizienz und die Umsetzung des ÖPNV-Kompromisses.
„Die Aussage, die Kompromissvereinbarung mit den Initiatoren des Bürgerbegehrens sei „noch nicht vollständig umgesetzt“, ist eine bewusste Verfälschung der tatsächlichen Lage“, so Hartmut Bach. „Die Stadt und ihre Stadtwerke haben uns hingehalten und versuchen, in der Öffentlichkeit den Anschein zu erwecken, als hätte sich viel getan. Die Wahrheit ist, dass etwa 95% der in der Vereinbarung stehenden Punkte nicht umgesetzt wurden“, so Bach.
Großteil des Kompromisses nicht umgesetzt
Eine entsprechende Auswertung hat er den Medien zwischenzeitlich zur Verfügung gestellt. Er sieht sich zu Unrecht dem latenten Vorwurf ausgesetzt, er habe die Gespräche ohne Grund abgebrochen und damit einen Kompromiss verhindert. Wahr sei vielmehr, dass die Stadt und die Stadtwerke überhaupt nicht mehr vorhatten, weitere Änderungen vorzunehmen. Diesmal mit dem Hinweis auf die Neuvergabe des Bussystems in 2029 – in Bachs Augen der Höhepunkt der Hinhalte-Taktik.
System nach wie vor ineffizient
Während das alte System selbst vom ehemaligen Betriebsleiter Hrnjak als maximal effizient gelobt wurde, zeigt ein Blick auf folgende Zahlen, wie ineffizient das neue System ist: Fünf Busfahrer mehr werden gebraucht, um bis zu 38 % Fahrten weniger (beispielsweise auf der Bergl Linie am Werktag) anzubieten. „Ist das betriebswirtschaftlich sinnvoll?“, so die kritische Frage von Stadtrat und Unternehmer Axel Kröner.
Und auch die 25 Stunden pro Tag Wartezeiten (über 10 Minuten) an den Endhaltestellen sind alles andere als ökonomisch sinnvoll, handelt es sich doch um bezahlte Arbeitszeit. Rein rechnerisch seien damit vier Busfahrer angestellt, „um während der werktäglichen Wartezeiten am Handy zu spielen, spazieren zu gehen oder zu lesen“, so Bach. „Ein Unding, da auf der anderen Seite zu Stoßzeiten zahlreiche Fahrten auf wichtigen Linien gestrichen wurden“.
Nach Auffassung der Initiatoren ist es widersinnig, auf der einen Seite sinnvolle Fahrten zu streichen und auf der anderen Seite erhebliche bezahlte Standzeiten an Endhaltestellen in Kauf zu nehmen. An den Abenden könnten Kombi-Linien gefahren werden, was die Effizienz des Stadtbusnetzes deutlich verbessern würde, bei gleichzeitiger Kostenersparnis. „Wir reden hier nicht über Luxus. Wir reden über die Frage, ob das vorhandene Geld möglichst vielen Fahrgästen zugutekommt“, so Bach.
Linienführung grenzt Menschen mit eingeschränkter Mobilität aus
Überhaupt sei die neue Linienführung an vielen Stellen eine regelrechte Ausgrenzung von betagten oder eingeschränkt mobilen Menschen, so Anette Klotzek. Als krasseste Beispiele nennt sie die Linien Niederwerrn und Schonungen, wo ganze Ortsteile nicht mehr angefahren werden. Der Weg sei an vielen Stellen zu weit. Das sei auch am Marktplatz der Fall, wo die fahrgaststarken Linien Deutschhof und Mainberg/Schonungen nach wie vor keinen Halt mehr machten.
Schaden für die Innenstadt und Schweinfurt als Oberzentrum
Allein die Tatsache, dass sich so gut wie alle angefragten Schweinfurter Geschäfte erneut an der Auslegung der Unterschriftenlisten beteiligen, zeige, dass die Attraktivität eines Stadtbussystems auch unmittelbar Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort habe, so Stadträtin Ulrike Schneider, die Sorge um Schweinfurt als Oberzentrum hat. „Der Handel in Schweinfurt registriert eine verringerte Frequenz in der Innenstadt. Wenn unsere Stadt das Zentrum der Region bleiben will, müssen wir die Wege ebnen und nicht erschweren!“
Keine Abstimmung mit DB und Landkreis
Auch die im Nahverkehrsplan vorgeschlagene Abstimmung der Stadtbusse mit den Zügen und Bussen aus dem Landkreis habe bis heute nicht stattgefunden, so Bach. Insbesondere am Abend sei kein zügiger Weitertransport der mit den Regionalexpressen ankommenden Fahrgäste gewährleistet.
Mai-Änderungen: Keine grundlegende Verbesserung des Systems
Die von der Stadt hervorgehobenen Anpassungen im Mai 2026 überzeugen die Initiatoren nicht. Sie seien eigentlich nicht der Rede wert, so Bach. Als Beispiel nennt er die Stabilisierung des Bergl-Astes. Nachdem im November 2025 ein Bus aus dem Umlauf genommen worden sei und sich dadurch die Verspätungssituation erheblich verschlechtert habe, sei im Mai 2026 zumindest am Nachmittag wieder ein dritter Bus eingesetzt worden. „Das ist keine zusätzliche Leistung für die Fahrgäste. Man hat eine Verschlechterung teilweise zurückgenommen, die man selbst wenige Monate zuvor verursacht hatte. Daraus nun eine besondere Verbesserung des Systems abzuleiten, halte ich für abwegig und letztlich peinlich.“
Unseriöse Nebelkerzen der Stadt
Als falsch bezeichnet Bach die Darstellung der Stadt, er habe die Streichung der Linie Oberndorf vorgeschlagen. „Ich habe nicht vorgeschlagen, Oberndorf vom ÖPNV abzuhängen. Im Gegenteil.“ Eine seiner Ideen im Zuge einer größeren Neuordnung sei gewesen, die Oberndorf-Linie mit einer Maintal-Linie zusammenzulegen. Die gedachte Fahrtroute hätte über Roßmarkt, Hauptbahnhof, Oberndorf und die Hahnenhügelbrücke bis ins Maintal geführt. Zusammen mit der Grafenrheinfeld-Linie hätte sich bei entsprechender zeitlicher Verschiebung ein Viertelstundentakt im Bereich Oberndorf ergeben können.
Gleichzeitig wäre eine direkte Verbindung von Oberndorf und Bergl in Richtung Maintal möglich gewesen. Die Abfahrtszeiten hätten zudem auf die Regionalzüge abgestimmt werden können, um gute Verbindungen zu den Schweinfurter Großbetrieben zu schaffen. „Ob dieser Vorschlag am Ende die beste Lösung gewesen wäre, darüber kann man selbstverständlich diskutieren. Ihn jedoch aus dem Zusammenhang zu reißen und daraus zu machen, ich wolle die Oberndorf-Linie streichen, ist schlicht die Unwahrheit.“
Keine weiteren Verhandlungen: Jetzt sollen die Bürger entscheiden
Bach sieht nach den vergangenen Monaten keine Grundlage mehr für weitere Verhandlungen mit den derzeit Verantwortlichen. „Ich habe lange und geduldig mit Stadt und Stadtwerken gesprochen. Der Kompromiss war bereits ein großes Entgegenkommen. Wenn anschließend erklärt wird, dass wesentliche Teile dieser Vereinbarung wegen der bevorstehenden Neuordnung 2029 ohnehin nicht umgesetzt werden können, dann fehlt die Grundlage für weitere Gespräche.“
Umstellung ohne jede Not
„Never change a running system“ – dieser Empfehlung hätte man auch beim ÖPNV System folgen sollen, da sind sich die Initiatoren einig. Denn insgesamt stellt der Nahverkehrsplan 2022 dem alten Stadtbussystem eine gute Qualität und eine über-durchschnittlich hohe Nutzungsintensität in Bezug zur Bevölkerungszahl aus. Wortwörtlich heißt es dort: „Ein Handlungsbedarf ist aus diesen Kennwerten somit nicht unmittelbar ableitbar.“ „Warum also dieses ganz Chaos zum Nachteil der Fahrgäste und letztlich zum Nachteil des gesamten ÖPNV?“, fragt auch Stadträtin Ulrike Schneider, die das Bürgerbegehren eng begleitet. Um das bewährte System vom Grundsatz her wieder herzustellen, braucht es das Votum der Bürgerinnen und Bürger: Unterschriftenlisten gibt es bei der Buchhandlung Collibri sowie zahlreichen weiteren Einzelhändlern.

