KITZINGEN – Vor 15 Jahren fand in Kitzingen die „Kleine Gartenschau“ statt. Bis heute profitiert davon die ganze Stadt. Jetzt findet ein Gartenschaufestival statt
15 Jahre können eine lange Zeit sein. Am ehemaligen Landesgartenschaugelände am Etwashäuser Mainufer ist die Zeit scheinbar spurlos vorbeigezogen. 2011 fand hier eine überaus erfolgreiche und beliebte Kleine Landesgartenschau statt. Bei der Geburtstagsfeier am 13. September soll die Vergangenheit noch einmal aufleben und gleichzeitig Lust auf die Zukunft geweckt werden.
2002 streckte die Stadt zum ersten Mal die Fühler aus. Aus einer kurzen Bewerbung wurde im Lauf der Jahre ein ausgefeiltes Konzept, das die Akzeptanz des Freistaates fand. Der Zuschlag, die Kleine Gartenschau im Jahr 2011 ausrichten zu dürfen, sorgte aber zunächst nicht nur für eitel Sonnenschein in Kitzingen. Skeptiker warnten vor der Hochwassergefahr für das Gelände direkt am Main, Protest regte sich gegen die Fällung der Pappeln am Mainufer. Viele Kitzinger hatten dort große Teile ihrer Jugend verbracht.
Viele Erinnerungen waren mit dem Gelände verbunden. Hilmar Hein war damals einer der beiden Geschäftsführer der Kleinen Gartenschau. Als Tiefbauingenieur war er bei der Stadt Kitzingen beschäftigt und hatte sich mit Feuereifer in die neue Aufgabe gestürzt. „Das war etwas gänzlich Neues und eine große Chance für die Stadt“, erinnert sich der Willanzheimer, der seit drei Jahren sein Leben als Rentner genießt.
Die Planung war aufwändig und nicht frei von Überraschungen. Nicht jeder Grundstücksbesitzer wollte seine Fläche für die Schau verpachten, nicht jedes Projekt konnte tatsächlich verwirklicht werden. „Aber der Erfolg hat uns recht gegeben“, sagt Hein. Mit rund 250 000 Besuchern in drei Monaten hatten die Stadt und die extra gegründete „Natur in Kitzingen 2011 GmbH“ gerechnet. Am Ende waren es etwa 315 000.
„Das war schon ein ganz besonderer Sommer“, erinnerte sich Rolf Wenkheimer. Zusammen mit anderen Enthusiasten gründete er ein Jahr später den Förderverein Gartenschaugelände e.V. Der Glanz des Jahres 2011 sollte nicht einfach in Vergessenheit geraten, das Gelände auch in den Folgejahren bespielt und gepflegt werden. So lautete das Ziel. 15 Jahre später lässt sich konstatieren: Ziel erreicht.
Am Sonntag, 13. September, lädt der Förderverein in Zusammenarbeit mit der Stadt Kitzingen zu einem Gartenschaufestival ein. Ideengeber und Initiator war Hugo Weiglein. Der Rechtsanwalt und ehemalige Stadtrat hatte einen großen Anteil daran, dass die Gartenschau einstmals nach Kitzingen kam. Sein Antrag auf eine entsprechende Bewerbung wurde vom damaligen Stadtrat einstimmig angenommen. Die Nachnutzung des Geländes war schon vor und während der Schau ein Thema. Heute kann Hugo Weiglein mit Stolz konstatieren: „Bayernweit gibt es kaum einen anderen Ort, an dem die Nachnutzung des Gartenschaugeländes so gut gelungen ist, wie bei uns.“
Rolf Wenkheimer sieht das genauso. Seit der Vereinsgründung im Juli 2012 ist er dessen Vorsitzender. „Am Anfang hat es viele Ideen gegeben, wie das Gelände weiterbelebt werden könnte“, erinnert er sich. Durchgesetzt haben sich vor allem die Konzerte. Dutzende, mitunter hunderte Zuschauer verfolgen die Frühschoppen mit Live-Musik oder die nächtlichen Auftritte von Bands oder Orchestern.
Ganz unterschiedliche Genres sind zu hören. Von Blasmusik über Jazz, Rock bis hin zu klassischen Stücken. Die Kooperation mit der städtischen Musikschule ist Rolf Wenkheimer und seinem Team ganz wichtig. Mittlerweile haben sie ein großes Netzwerk aufgebaut. Nachhaltig genutzt wird auch die Fläche hinter dem Winterhafendamm. Hans Hummel kann sich noch gut erinnern, wie die Etwashäuser Gärtner dort während der Gartenschau Gemüse anbauten und für erstaunte Blicke bei den Besuchern sorgten.
„Wir hatten damals kaum Vorschriften, sondern durften unsere Vorstellungen frei umsetzen“, erinnert sich der Gärtnermeister und denkt gerne an das gute Miteinander in der Kitzinger Gesellschaft zurück. „Viele Gruppierungen und Vereine wollten zum Erfolg der Gartenschau ihren Teil beitragen“, sagt er. Geblieben ist ein attraktives Gelände, dass der Gärtner auch heute noch gerne aufsucht. Genau wie Rosita Ellmauer. Die Schatzmeisterin des Vereins war während der Gartenschau 2011 jeden Tag auf dem Gelände.
Jetzt kommt sie gerne an den Nachmittagen, um den Blick über die Stadtsilhouette wandern zu lassen oder eine Runde Boule zu spielen. „Dieser Ort war und ist eine Bereicherung für Kitzingen“, sagt sie. Ein Ort, der vielfältig genutzt wird: Vom beliebten und ganzjährig gut frequentierten Wohnmobil-Stellplatz bis zu den internationalen Gärten reicht die Spannweite. Der Stadtschoppen am Stadtbalkon hat sich längst zu dem wöchentlichen Treffpunkt für Kitzinger und Gäste entwickelt.
Mindestens 15 Aussteller werden das Gelände am 13. September mit ihren Angeboten bereichern. Es gibt Eingemachtes, Zitrusfrüchte, Aronia-Produkte, Gehölze und vieles mehr. Angelika Benz freut sich über weitere Anmeldungen von Vereinen oder Betrieben. (E-Mail: Angelika.Benz@gmx.net oder Tel. 09321/36489). „Wir wollen den Besuchern einen spannenden und abwechslungsreichen Tag bieten“, sagt sie.
Bis Mitte August läuft die Anmeldephase. Außerdem sind neue Mitglieder jederzeit willkommen. Der Jahresbeitrag in Höhe von zwölf Euro ist mehr als übersichtlich. „Damit können wir unsere Konzerte und die anderen Veranstaltungen finanzieren“, berichtet Benz. Aktuell liegt die Mitgliederzahl bei 105. Gerade jüngere Vereinsmitglieder wären schön – damit das Gartenschaugelände am Main auch in 15 Jahren oder 30 Jahren noch ein attraktiver und gern besuchter Ort ist.
Gartenschaufestival – Das Programm
Wann? Sonntag, 13. September, ab 10 Uhr
11.00 Uhr Grußworte
ab 12.00 Uhr: Glücksrad mit tollen Gewinnen
12.00 bis 17 Uhr: Beginn der Schelchfahrten mit Bernie Ziegler – alle volle Stunde
14.30 Uhr: Charly Chester, der Zauberer, kommt
15.30 – 17.00 Uhr: Wir gestalten unser eigenes T-Shirt , verschiedene Bastelaktionen
15.30 – 17.30 Uhr: offenes Boule spielen unter Anleitung, für Anfänger und Fortgeschrittene, Kugeln können gestellt werden
Auf dem Bild: Sie kümmern sich seit 2012 um die Nachnutzung des Gartenschaugeländes: Der Vorstand des Fördervereins mit Helmut Fuchs, Rolf Wenkheimer, Astrid Glos, Hans Hummel, Angelika Benz, Rosita Ellmauer und Bernhard Ziegler. Es fehlt Karin Böhm. Foto: Ralf Dieter

