SCHWEINFURT – Das Buch „Rico und die Klautörtchen“ von Andreas Steinhöfel ist zur Vorlage für die diesjährige Theateraufführung der Klasse M4 der zur Lebenshilfe Schweinfurt gehörenden Franziskus-Schule geworden.
Die Schüler im Alter von 12 und 14 Jahren führten bereits das zweite Jahr in Folge ein Theaterstück für andere Schulen, Kindergärten und ihre Eltern auf. Insgesamt begeisterten sie mit ihrer inklusiven Idee und der Aufführung in diesem Jahr etwa 680 Zuschauer.
Im Unterricht wurde das Buch gemeinsam gelesen und die Kinder durften danach selbstständig ihre Rollen auswählen. Mit viel Freude und Ehrgeiz übten die Schüler bereits Monate im Voraus ihre Rollen ein. Da bei einem Brand an der Franziskus-Schule im letzten Jahr viele Requisiten zerstört worden waren, gestalteten die Schüler diese im Werkunterricht neu. Die Kosten für benötigte Materialien wurden hierbei von den Lehrkräften selbst gesponsert und auch die Hausmeister der Schule halfen tatkräftig mit.
Die Handlung des Buches: Rico zieht mit seiner Mama in ein Mehrfamilienhaus in Berlin. Für Rico ist es eine enorme Umstellung, da er sich selbst als „tiefbegabt“ beschreibt. Damit meint er, dass er langsamer denkt als andere Kinder und für manche Dinge mehr Zeit braucht, bis er sie versteht. Um die Nachbarn kennenzulernen, backen er und seine Mama Törtchen und verteilen sie im Haus. Doch plötzlich verschwinden die Törtchen. Gemeinsam mit der freundlichen Nachbarin, Frau Dahling, versucht Rico herauszufinden, wer der Törtchendieb ist. Dabei lernt er die neuen Nachbarn besser kennen und erlebt eine Menge Spaß. Steinhöfel möchte mit seinen Geschichten um Rico aufzeigen, dass jeder Mensch unterschiedliche Stärken und Schwächen hat und dass man Menschen nicht vorschnell beurteilen sollte.
Bei der Aufführung war nichts davon zu merken, dass es sich bei den Schauspielern um Schüler mit unterschiedlichen geistigen Beeinträchtigungen wie zum Beispiel Autismus handelte. Selbstbewusst und mit viel Freude spielten die Schüler ihre Rollen, sprachen teilweise lange Dialoge und einige davon sogar mit dem typischen Berliner Akzent. Die Zuschauer waren begeistert und spendeten nach der Aufführung reichlich Applaus.
„Wir sind stolz auf die Leistung und die Freude beim Umsetzen des Theaterstücks“, sagte der Klassenlehrer Stefan Gutwerk nach der Aufführung. Die pädagogische Zweitkraft, Patrizia Polt, fügte hinzu: „Das persönliche Wachstum unserer Schüler ist verrückt, die Kinder sind alle über sich hinausgewachsen.“ Der besondere Dank des Theaterteams geht an den Autor, der die Erlaubnis gegeben hatte, seine Geschichte unentgeltlich als Theaterstück aufzuführen. Sowie Christian Köhler, Mitglied der Gartenstädter Laienbühne, der die Schauspieler technisch und beratend unterstützte. Und die Kirchenverwaltung, die unentgeltlich den Gemeindesaal Maria Hilf zur Verfügung stellte.
Auf dem Bild: Die Klasse M4 der zur Lebenshilfe Schweinfurt gehörenden Franziskus-Schule nach einer gelungenen Theateraufführung im Gemeindesaal Maria Hilf (v. l.): Schulbegleiterin Nicole Mauer, Christian Köhler, Mitglied der Kirchenverwaltung, die Schauspieler der Klasse M4 in ihren Rollen, Klassenlehrer Stefan Gutwerk, die heilpädagogische Unterrichtshilfe Lilia Reinhardt und die pädagogische Zweitkraft Patrizia Polt.
Foto: Jessica Teuschler

