Anhaltende wirtschaftliche Flaute gefährdet immer mehr Arbeitsplätze: Junge Menschen und Ältere besonders von der Krise betroffen

Anhaltende wirtschaftliche Flaute gefährdet immer mehr Arbeitsplätze: Junge Menschen und Ältere besonders von der Krise betroffen

UNTERFRANKEN – Die wirtschaftliche Stagnation hinterlässt immer tiefere Spuren auf dem unterfränkischen Arbeitsmarkt.

Wie aus dem aktuellen Arbeitsmarktreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Unterfranken für den Monat Juni 2026 hervorgeht, verharrt die Gesamtarbeitslosenquote im Regierungsbezirk zwar stabil bei 4,0 Prozent, doch unter der Oberfläche wächst der Druck massiv.

Besonders besorgniserregend: Die anhaltende Flaute trifft junge Berufseinsteiger sowie ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer überproportional hart. Gleichzeitig bricht die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften spürbar ein.

Lokale Entwicklungen im Überblick:

Agenturbezirk Aschaffenburg (Quote: 5,2 % | Vormonat: 5,2 %): Arbeitsmarkt am Untermain massiv unter Druck. Hier bleibt die Lage am angespanntesten. Besonders dramatisch stellt sich die Situation für ältere Beschäftigte dar: Bei den 50- bis 64-Jährigen stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 8,8 %, in der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen sogar um gravierende 11,8 %. Innerhalb eines Jahres gingen 2.390 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verloren (-1,6 %), wobei das verarbeitende Gewerbe mit einem Minus von 4,8 % den Hauptschlag verkraften muss. (Detailquoten: Stadt Aschaffenburg 7,6 %, LK Aschaffenburg 4,5 %, LK Miltenberg 4,6 %).

Björn Wortmann, DGB-Sekretär in Aschaffenburg, warnt: „Der Arbeitsmarkt am Untermain ist weiter unter Druck: Ohne Investitionen, Tarifbindung und industriepolitische Gegenmaßnahmen droht die Region weiter an Beschäftigung zu verlieren.“

Agenturbezirk Schweinfurt (Quote: 3,8 % | Vormonat: 3,9 %): Scheinbare Stabilität durch Demografie Obwohl die Quote leicht sank, liegt die Zahl der Arbeitslosen um 240 Personen höher als im Vorjahr. Der leichte Rückgang zum Vormonat ist strukturell bedingt, nicht konjunkturell. Zudem schrumpft die Zukunftsvorsorge der Betriebe drastisch: Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze brach um 15 Prozent ein (von 3.944 im Vorjahr auf aktuell nur noch 3.359). (Detailquoten: Stadt Schweinfurt 7,3 %, LK Schweinfurt 2,9 %, Bad Kissingen 3,5 %, Rhön-Grabfeld 3,7 %, Haßberge 3,4 %).

Frank Firsching, DGB-Regionsgeschäftsführer, erklärt hierzu: „Das die Arbeitslosigkeit trotz massivem Personalabbau in der Industrie nur langsam steigt ist damit zu erklären, dass viele Beschäftigte die Betriebe durch Rentenbezug verlassen und deswegen von der

Arbeitsagentur statistisch nicht erfasst werden. Wichtig ist jetzt auch weiterhin in Ausbildung zu investieren, um zukunftsfähig zu sein.“

Agenturbezirk Würzburg (Quote: 3,4 % | Vormonat: 3,4 %): Jugend und Stellenmarkt im Sinkflug Würzburg verzeichnet zwar die niedrigste Quote, liegt jedoch über dem Vorjahreswert. Hier bereitet vor allem die Jugendarbeitslosigkeit (unter 25-Jährige) Sorgen, die deutlich über dem Vorjahresniveau liegt. Ein klares Alarmsignal für die kommenden Monate ist der Einbruch bei den offenen Stellen: Die Zahl der gemeldeten Arbeitsplätze ist im Vergleich zum Vorjahr um 9 Prozent gesunken. (Detailquoten: Stadt Würzburg 4,9 %, LK Würzburg 2,9 %, Kitzingen 3,0 %, Main-Spessart 2,7 %).

Jonas Schneider, DGB-Sekretär in Würzburg, betont: „Die Arbeitslosigkeit liegt über dem Vorjahreswert, besonders junge Menschen und über 50-Jährige sind betroffen. Unternehmen müssen in Ausbildung junger Menschen und Weiterqualifizierung der Älteren investieren.“

Kernforderungen des DGB Unterfranken:

Investitionsoffensive und Industriepolitik: Der DGB fordert gezielte Zukunftsinvestitionen zur Stabilisierung des verarbeitenden Gewerbes (insb. am Untermain) sowie die Koppelung von Fördermitteln an eine strikte Tarifbindung.
Zukunftssicherung durch Ausbildung: Der dramatische Rückgang der gemeldeten Ausbildungsplätze (wie in Schweinfurt um -15 %) muss gestoppt werden. Die Krise darf nicht auf dem Rücken der kommenden Generation ausgetragen werden.
Qualifizierung statt Entlassung: Angesichts des massiven Anstiegs der Arbeitslosigkeit bei älteren Beschäftigten müssen Unternehmen in Weiterbildung investieren, anstatt wertvolles Know-how abzubauen.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert