MAINFRANKEN / WÜRZBURG – Der Ausbau der Stromnetze als Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende war das zentrale Thema des Energiekongresses Mainfranken 2026.
Unter dem Titel „Stromnetze – Nadelöhr der Energiewende?” diskutierten rund 80 Vertreter aus Wirtschaft, Energiewirtschaft, Politik und Wissenschaft über aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze im Hinblick auf Netzkapazitäten, Anschlussprozesse und regulatorische Rahmenbedingungen.
„Wer heute über Energie spricht, der spricht über den Wohlstand von morgen, über unsere Wettbewerbsfähigkeit – und über die Frage, ob dieser Wirtschaftsstandort auch in zehn Jahren noch tragfähig ist“, erklärte IHK-Präsidentin Caroline Trips zu Beginn der Veranstaltung. Deutschland sei gut darin, Ziele zu formulieren, scheitere jedoch oft daran, sie zeitnah umzusetzen. „Wir diskutieren Strategien, verabschieden Programme und formulieren ambitionierte Vorgaben. Was die Unternehmen in der Praxis erleben, ist jedoch häufig das Gegenteil: Verfahren dauern zu lange, Zuständigkeiten sind unklar und Entscheidungen werden nicht umgesetzt“, so Trips. Während Betriebe auf schnelle und verlässliche Netzanschlüsse sowie die Integration eigener Erzeugungsanlagen angewiesen sind, sehen sich Netzbetreiber mit steigenden Anschlussanfragen, begrenzten Kapazitäten und komplexen regulatorischen Anforderungen konfrontiert. Das Fazit der IHK-Präsidentin: „Wir brauchen den politischen Willen, Infrastruktur als das zu behandeln, was sie ist: eine absolute Priorität.“
Trifft eine Krise auf die nächste?
In seinem Impulsvortrag griff Dr. Niclas Wenz von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) in Berlin zentrale Anforderungen an zukunftssichere und bezahlbare Netzinfrastruktur auf und kam zu dem Schluss: „Wir kommen von einer Krise der Energiepreise hin zu einer Krise der Netzentgelte.“ Dr. Johannes Hilpert von der Stiftung Umweltenergierecht beleuchtete aktuelle Entwicklungen auf europäischer und nationaler Ebene und ordnete insbesondere das von der Bundesregierung vorgestellte Netzpaket ein. Thomas Spang von der Bayernwerk Netz GmbH warf einen Blick auf die strategischen Perspektiven der Energiewende. Vor allem verdeutlichte er die Rolle der Netzinfrastruktur für eine erfolgreiche Transformation des Energiesystems.
Im weiteren Verlauf standen die praktischen Herausforderungen des Netzausbaus im Mittelpunkt. Jürgen Kriegbaum (ÜZ Mainfranken eG) und Thomas Kästner (Stadtwerke Schweinfurt GmbH) schilderten die Situation aus Sicht der Verteilnetzbetreiber und machten deutlich, wie stark insbesondere der Ausbau dezentraler Erzeugung und neuer Verbrauchsstrukturen die Netzinfrastruktur belastet. „Infrastrukturausbau muss integriert betrachtet werden: Intelligente Netze brauchen den Glasfaserausbau genauso wie Wärme und Mobilität stabile Stromnetze“, brachte Thomas Kästner einen weiteren wichtigen Punkt in die Diskussion ein.
Ein Marathon, kein Sprint
Aus der Unternehmensperspektive berichteten Helge Rauthe (ACO-Gruppe) und Marcus Wieser (Geis-Gruppe) über Herausforderungen bei Netzanschlüssen, Investitionsentscheidungen und der Integration klimafreundlicher Technologien in ihren Betrieben. „Eine Flotte von 800 LKW zu elektrifizieren, gleicht einem Marathon“, verdeutlichte Marcus Wieser. „Unternehmen und Netzbetreiber leben in unterschiedlichen Zeiträumen. Während Unternehmen oft auch kurz- oder mittelfristig auf weltpolitische Herausforderungen reagieren müssen, sehen sich Netzbetreiber mit jahrelangen Planungs- und Genehmigungsverfahren konfrontiert“, unterstrich IHK-Energiereferentin Jacqueline Escher. In der anschließenden Diskussionsrunde wurde deutlich, dass neben technischen Innovationen vor allem eine enge Abstimmung zwischen Wirtschaft, Netzbetreibern und Politik erforderlich ist, um Engpässe zu überwinden und Planungssicherheit zu schaffen. Im Fazit waren sich alle Teilnehmer einig: „Wir brauchen stabile Rahmenbedingungen und müssen einfach machen.“
Auf dem Bild: IHK-Präsidentin Caroline Trips (5.v.l.) begrüßte zahlreiche Referenten zum Energiekongress Mainfranken. Unter dem Titel „Stromnetze – Nadelöhr der Energiewende?” diskutierten rund 80 Vertreter aus Wirtschaft, Energiewirtschaft, Politik und Wissenschaft über aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze im Hinblick auf Netzkapazitäten, Anschlussprozesse und regulatorische Rahmenbedingungen. Foto: Marcel Gränz

