Spitze Zungen: Der bei großer Hitze bellende Hund zum Feierabendbier

Spitze Zungen: Der bei großer Hitze bellende Hund zum Feierabendbier

Erst am Tag zuvor kam die Meldung der Polizei, die mal wieder warnen musste, weil ein in Schorndorf im Auto vergessenes Kind an einem Hitzeschlag starb. Wenn´s draußen heiß ist, so wie jetzt, sollte niemand in einem stehenden Auto sitzen.

Dieser Freitagabend, ein Brauereigasthof in den Haßbergen, der Freibereich lag größtenteils im Schatten, trotz über 30 Grad ließ es sich gegen 18 Uhr dort gut aushalten. Fast alle Tische waren besetzt – auch der schräg gegenüber des Autors dieser Zeilen, an dem drei schon leicht in die Jahre gekommene Männer saßen und ihr Bier tranken.

Einer von ihnen hatte direkt vor dem Biergarten sein Auto abgestellt. Keine fünf Meter entfernt. Teils noch in der Sonne. Im Wagen saß ein kleiner Hund. Ach was: Er saß nicht, er tobte im Inneren, lief hin und her, bellte rund um die Uhr, versuchte, seine Schnauze aus dem einen Spalt geöffneten Fenster zu stecken. Minutenlang ging das so, und im Freibereich machte es die Runde, der Besitzer wäre nur mal schnell in die Kneipe gegangen, um sich ein Bier zum Mitnehmen zu holen.

Als immer mehr Zeit verging und der Hund in einer Tour bellte, stellte sich heraus, dass der Besitzer eben mit den beiden anderen Männern schräg gegenüber saß und sein Getränk vor Ort genoss, während sein Hund – von der Lärmbelästigung wollen wir an dieser Stelle gar nicht mal reden – unentwegt bellte.

Nachdem sich scheinbar niemand der rund 100 anderen Gäste daran störte, fasste sich die Partnerin des Verfassers dieses Textes ein Herz, ging zum Mann und wies ihn mit recht deutlichen Worten, aber noch immer freundlich, auf die Umstände hin. Nämlich dass inzwischen bestimmt schon eine halbe Stunde vergangen war und die Situation für das Tier im Auto nun wirklich längst bedrohlich sein dürfte. Und sie fragte, warum er den Hund nicht einfach mit in den Biergarten nahm.

Was dann passierte, ist ein dicker Klops für die Menschheit und ein Beispiel für das, was man wohl Altersstarrsinn nennt. Das Tier könne nicht mit zu ihm, weil im Freibereich schon andere Hunde wären (und sich seiner anscheinend nicht mit ihnen verträgt). Er habe schon immer Hunde gehabt, wir hätten – weil wir keine haben, nur Katzen – keine Ahnung.

Und die Tischnachbarn verteidigten den Mann, der aus dem Landkreis Hildburghausen kam, auch noch mit den Worten, er wüsste als Jäger schon, was er da mache und könne sich aufgrund körperlicher Probleme schwer noch so bewegen, wie er wolle. Also: Der ältere Mann, der seinen Hund im Auto bei weit über 30 Grad Außentemperatur einsperrte…

Nun ging er aber mal die wenigen Meter zum Wagen, brachte seinem Hund in einer Schüssel Wasser und machte den Kofferraum auf, öffnete das Beifahrerfenster noch einen Spalt mehr. Immerhin zwar, aber bei stehender, heißer Luft verbessert das die Lage – es wehte draußen kein Lufthauch – nur wenig, zumal er sich nun wieder zum Tisch begab und alles so weiterging wie zuvor: Drei Männer tranken Bier und ratschten, ein Hund lief zwischen Fahrer- und Beifahrersitz auf und ab und bellte ohne Pause.

Der Schreiber dieses Beitrags nahm nun das Smartphone und fotografierte den Hund wie auch den Wagen von vorne, lief zum Tisch gegenüber und kündigte dem älteren Mann an, dass er Anzeige bei der Polizei erstatten werde, wenn nicht binnen fünf Minuten der Hund aus dem Wagen darf. Nun kam Bewegung in die Sache, mischte sich wenigstens auch der Nachbartisch mit ein, ergriff Partei, während rund 90 weitere Gäste, die alle etwas von der Situation mitbekamen, weiterhin nichts taten und auf Bier und Essen glotzten.

Es dauerte zwar länger als fünf Minuten, doch der Mann zahlte nun, lief mit ein paar deutlich-frechen Worten – natürlich ist nicht er der Unmensch, sondern alle anderen sind die Bösen – am Tisch der Tierfreunde vorbei, stieg in sein Auto und fuhr davon. Mit geöffnetem Kofferraum, was der ganzen Geschichte irgendwie die Krone aufsetzt. Entweder hat ihn also die Situation doch belastet oder er ist schon derart verwirrt, dass er kaum noch zurechnungsfähig scheint.

Die Moral von der ganzen Sache: Die drei Affen, die sich Augen, Ohren und Mund zuhalten, sind noch immer die beliebtesten Tiere unserer Gesellschaft. Ein Nichteingreifen gilt als Gentlemen-Verhalten, wer sich rührt und Missstände aufdeckt, ist ein unbeliebter Zeitgenosse.

Und in Sachen Gefahr durch Hitze im Auto im Sommer – zu dieser Zeit waren es wirklich in der prallen Sonne noch über 40 Grad – ist die Menschheit anscheinend noch immer nicht genügend aufgeklärt. Schlimm, wenn Tiere darunter leiden müssen. Beim nächsten Mal sperren wir diesen alten Mann in sein Auto. Mal sehen, ob er nach 20 Minuten noch die Kraft hat zum Hilfe-Rufen…

Und so warnte die Polizei: „Schon nach wenigen Minuten kann es im Auto lebensbedrohlich heiß werden. Grund dafür ist der sogenannte Treibhauseffekt. Wenn Sonnenlicht ins Auto eindringt, bleibt die Wärme eingeschlossen. Fehlende Lüftung verstärkt diese Hitze zusätzlich – selbst wenn Fenster einen Spalt geöffnet sind. Im Innenraum des Autos kann so die Temperatur bis auf über 70 Grad ansteigen. Bei einer Außentemperatur von 28 Grad wird es im Auto bereits nach einer halben Stunde 44 Grad warm.“

Michael Horling
redaktion@mainfranken.news

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert