„Die setzt neue Maßstäbe“: Katholikinnen und Katholiken im Bistum Würzburg feiern Fronleichnam mit Gottesdiensten und Prozessionen Geburtstagsständchen

„Die setzt neue Maßstäbe“: Katholikinnen und Katholiken im Bistum Würzburg feiern Fronleichnam mit Gottesdiensten und Prozessionen Geburtstagsständchen
Bild © Kerstin Schmeiser-Weiß (POW)

WÜRZBURG – Unter einem bedeckten Himmel, aber bei angenehmen Temperaturen haben die Katholikinnen und Katholiken in Würzburg an Fronleichnam, Donnerstag, 4. Juni, das eucharistische Brot durch die Straßen begleitet. „Danke, dass Sie Zeugnis gegeben haben für Ihren Glauben. Es ist ein wunderbares Zeugnis an diesem Fronleichnamstag“, sagte Bischof Dr. Franz Jung.

Die Prozession durch die Würzburger Innenstadt im Anschluss an den Pontifikalgottesdienst im Kiliansdom stand unter dem Leitwort „Hab Mut, steh auf!“, unter dem auch schon der 104. Deutsche Katholikentag begangen wurde. Nach Schätzungen der Polizei nahmen rund 850 Menschen teil. Im Anschluss waren alle anlässlich des 60. Geburtstags von Bischof Jung zu einer Begegnung auf der Terrasse des Burkardushauses eingeladen. Der Gottesdienst wurde auf TV Mainfranken (Kabel), Bibel TV online sowie dem YouTube-Kanal des Bistums Würzburg übertragen.

In seiner Predigt betrachtete Bischof Jung die „eucharistische Spiritualität“, von der Papst Leo XIV. in seiner ersten Enzyklika „Magnifica Humanitas“ spricht. Erlösung komme nicht durch technische Selbstoptimierung, sondern dadurch, dass „Gott unsere Schwachheit annimmt und sie so in neues Leben verwandelt, wie wir es in der Eucharistie feiern“. Gegen alle Versuche, den Menschen durch Technik immer besser zu machen, sage der Papst: Wir sind und wir bleiben endliche Menschen. Der Mensch sei keine Maschine, deren Funktionsfähigkeit permanent verbessert werden müsse. Gott dagegen steige in die Geschichte der Menschen hinab und werde Mensch, um die Menschennatur von innen her zu verwandeln. In der Eucharistie werde Christus in Leib und Blut gegenwärtig, „mitten unter uns, um uns Anteil zu geben an seinem göttlichen Leben“.

Der Wert einer Zivilisation messe sich an der Fürsorge, die sie zu leisten vermöge, fuhr Bischof Jung fort. Kein noch so ausgeklügeltes Computersystem „erschafft ein Herz, das sich hingibt, oder ein Gewissen, das das Gute erkennt“, schreibe Papst Leo. „Technik ist und bleibt herzlos, was aber die Welt rettet ist ein mitfühlendes, empfindsames Herz, das Herz Jesu“, sagte der Bischof. Das Wachstum einer wahrhaft zivilisierten Gesellschaft zeige sich im Wachstum gegenseitiger Fürsorge. Wahre Erfüllung entstehe nicht aus der Beseitigung von Schwäche, sondern wenn Fortschritt an der Würde jedes Einzelnen und am Wohlergehen aller Völker gemessen werde.

Der Papst rufe dazu auf, konkrete Beziehungen zueinander zu pflegen, sagte Bischof Jung weiter. In der digitalen Welt sei man weltweit unendlich vernetzt, doch paradoxerweise wachse die Vereinsamung der Menschen von Jahr zu Jahr. Papst Leo lade dazu ein, „an Orten und Zeiten festzuhalten, wo die physische Anwesenheit zählt: am gemeinsamen Tisch, an der christlichen Gemeinschaft, die sich versammelt, am Besuch bei einsamen Menschen und am Dienst an den Armen“. Darum gehe es auch an Fronleichnam, dem „großen Fest der Begegnung – mit dem Herrn, untereinander, in der Prozession mit allen Menschen in dieser Stadt“. Der Bischof ermutigte dazu, sich physisch an konkreten Orten und zu konkreten Zeiten zu begegnen, „nicht nur durch Skype und Videokonferenzen“.

Der Papst betone, dass „das eine Brot der Eucharistie uns alle zu einem Leib macht. Eucharistische Frömmigkeit ist immer sozial und niemals nur die Frömmigkeitsübung des Einzelnen.“ Alle seien aufgerufen, einen anderen Maßstab in dieser Welt sichtbar zu machen, der die Bindungen bewahre, den unsichtbaren Armen ein Gesicht und eine Stimme gebe und die Entwicklung der Würde aller Menschen fördere. „Die Eucharistie setzt neue Maßstäbe. Was für eine Aufforderung gerade heute an Fronleichnam, durch unser Handeln als Kirche diese neuen Maßstäbe der Fürsorge und Achtung zu leben und sichtbar zu machen in der Gesellschaft dieser Stadt.“

Papst Leo warne vor einem naiven Idealismus, der nur die Vorteile der Technik sehe, ebenso wie vor einem Fatalismus, der vor der Übermacht der Technik resigniere. „Es braucht einen neuen Realismus – den Realismus der Eucharistie. Der Glaube daran, dass diese Welt zum Guten wandelbar ist und dass Gott sie schon längst gewandelt hat.“ Der Papst fordere dazu auf, zum „Baumeister einer neuen Zivilisation der Liebe“ zu werden, aus dem Glauben heraus, dass jede und jeder Einzelne in der Lage sei, diese Welt zu verwandeln. „Habt Mut, steht auf! Werdet Baumeister dieser Zivilisation der Liebe. Denn Christus hat diese Welt gewandelt und will sie durch Euch in Liebe verwandeln“, schloss der Bischof.

Begleitet von den Gläubigen aus den Würzburger Innenstadtpfarreien trug Bischof Jung im Anschluss an den Pontifikalgottesdienst die Monstranz mit dem Allerheiligsten durch die Straßen. Weihbischof Paul Reder und Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran assistierten dem Bischof unter dem Tragehimmel. Vom Residenzplatz bis zum Neumünster trug Weihbischof Reder die Monstranz, assistiert von Generalvikar Vorndran und Dompfarrer Domkapitular Stefan Gessner. Mitglieder des Domkapitels, Ordensleute, Mitglieder der Ritterorden sowie Verbände, Vereine, Studentenverbindungen und Innungen gingen dem Allerheiligsten voran. Hinter dem Tragehimmel liefen Vertreter des öffentlichen Lebens, Ordensfrauen sowie Gläubige, vor allem aus den Innenstadtpfarreien Dom, Neumünster, Sankt Peter und Paul, Sankt Gertraud und Stift Haug. Erstmals nahmen auch die Pfarreien Sankt Adalbero und Sankt Andreas (Sanderau) sowie Sankt Burkard, Sankt Elisabeth und Heiligkreuz (Zellerau) teil. Einige Häuser entlang des Prozessionswegs waren mit Blumen und Fahnen geschmückt. Die Texte der Prozession hatte das Referat Verkündigung und Liturgie vorbereitet. Der Weg führte vom Dom über die Schönbornstraße, Juliuspromenade und Theaterstraße zum Stationenaltar im Ehrenhof der Residenz. Dort wurde Statio gehalten, ehe der Zug über die Balthasar-Neumann-Promenade, Neubaustraße, Schönthal- und Plattnerstraße zum Neumünster führte. Auf der Treppenanlage der Grabeskirche der Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan erteilte Bischof Jung, wie bereits an der Residenz, den eucharistischen Segen mit der Monstranz. Mit dem Lied „Großer Gott, wir loben dich“ klang die knapp dreistündige Feier aus. Bischof Jung dankte allen, die zum reibungslosen Ablauf der Prozession beigetragen hatten, vor allem auch den Rettungskräften und der Polizei für ihren Einsatz seit dem 104. Deutschen Katholikentag.

Das Pontifikalamt sowie die Feier vor dem Stationsaltar an der Residenz gestalteten der Würzburger Domchor unter der Leitung von Domkapellmeister Alexander Rüth sowie das Symphonische Blasorchester Kürnach unter der Leitung von Stefan Wunderlich unter anderem mit der „Missa Aeterna Christi munera“ von Giovanni P. da Palestrina, „O magnum mysterium“ von Tomas Luis de Victoria, „Beati quorum via“ von Charles V. Stanford und „Exsultate Deo“ von Alessandro Scarlatti. Domorganist Professor Stefan Schmidt spielte die Klais-Orgel, Kantorin war Juliane Zeuch.

Im Anschluss an die Prozession nutzten viele Menschen die Begegnung vor dem Burkardushaus bei Bratwürsten und Getränken, um Bischof Jung persönlich zum Geburtstag zu gratulieren. Der Domchor intonierte „Viel Glück und viel Segen“, das Blasorchester Kürnach spielte „Happy Birthday“.

sti (POW)

Auf dem Bild © Kerstin Schmeiser-Weiß (POW) | Bischof Dr. Franz Jung feiert an Fronleichnam am Donnerstag, 4. Juni 2026, einen Pontifikalgottesdienst im Kiliansdom. Die anschließende Prozession durch die Innenstadt steht unter dem Leitwort „Hab Mut, steh auf!“.

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