NÜRNBERG / SCHWEINFURT – Hörsaal gegen Praxis tauschen: Studierende der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) des Kurses Energiemanagement sowie aus der VDE-Hochschulgruppe (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik) haben sich auf Exkursion begeben.
Gemeinsam mit Prof. Dr. Anatoli Wellhöfer, Institut für Energie- und Hochspannungstechnik (I E H T), nahmen sie am SiEmergy-Training der Siemens Power Academy in Nürnberg teil. Der THWS-Kurs Energiemanagement wird im Bachelorstudiengang Elektro- und Informationstechnik der Fakultät Elektrotechnik sowie im Bachelorstudiengang Nachhaltige Energiesysteme der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen angeboten.
„Vielen Dank an die Siemens Power Academy für die Einladung: Hier untermauern wir Vorlesungsinhalte mit echter Praxis“, sagte Prof. Dr. Anatoli Wellhöfer. „Gerade im Stresstest in der Rolle des Netzführers habe ich bei den Studierenden eine steile Lernkurve gesehen.“ Schon zu Beginn stellte sich heraus, warum Netzführung mehr ist als Technik, denn in der Einführung zu Grundlagen der Netzführung ging es nicht nur um Systeme und Regeln, sondern auch um den Faktor Mensch: Ein großer Teil der Störungen in Elektroenergiesystemen entstehe nicht durch Hardware-Defekte, sondern durch menschliche Fehlentscheidungen – besonders unter Stress. Genau deshalb setzen Netzbetreiber und Industrie zunehmend auf strukturiertes Training, um Fehlerquellen zu reduzieren, Entscheidungen zu verbessern und am Ende die Wiederversorgungszeit nach Störungen so gering wie möglich zu halten.
Richtige Entscheidungen in belastenden Situationen treffen können
Im Praxisblock mit Anwendungen aus den unterschiedlichen Ebenen der Stationsleittechnik wurden Schalthandlungen entlang realistischer Abläufe greifbar gemacht: Welche Informationen müssen vorliegen? Welche Schritte sind sicherheitskritisch? Und wie verhindert man, dass unter Zeitdruck aus einer Routinehandlung ein folgenschwerer Fehler wird?
Der Höhepunkt der Exkursion lag im Störfall-Training am realen Netzleitsystem „Gridscale X Spectrum Power“ der Siemens AG. Unter bewusst gesetzten Störfaktoren wie Zeitdruck, Managementvorgaben, Koordination mit Service-Teams und dem Druck der schnellen Wiederversorgung kritischer Infrastruktur mussten die Teams Störungen nicht nur lösen, sondern taktisch beherrschen. Hierfür hatten sie die Lage einzuschätzen, zu priorisieren, klar zu kommunizieren und konsequent umzusetzen. „Das fühlte sich weniger nach Übung als nach kontrolliertem Ernstfall an“, betonte Prof. Dr.-Ing. Wellhöfer. „Das didaktische Ziel lag darin, unter Belastung die richtigen Entscheidungen zu treffen.“
Aus dieser Exkursion sei dadurch ein intensiver Praxistag geworden, der ein zentrales Lernziel moderner Netzführung greifbar machte: Resilienz entstehe nicht nur durch Technik, sondern durch Menschen, die trainiert sind, auch unter Stress systematisch und korrekt zu handeln, „damit das Licht wieder schneller angeht“, so Prof. Dr. Wellhöfer.
Über die THWS
Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung. Mit rund 9.200 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als 60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Die THWS ist nicht nur regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch stark international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen und Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.
Auf den Fotos: THWS-Studierende des Kurses Energiemanagement während des SiEmergy-Trainings der Siemens AG, das sie gemeinsam mit Mitgliedern des VDE und Prof. Dr.-Ing. Anatoli Wellhöfer (2 v. re.) besuchten (Foto: THWS/Anatoli Wellhöfer)
Die THWS-Studierenden führen Schaltprozesse in der Prozess-, Feld- und Stationsleitebene sowie in der zentralen Leitstelle eines Energieversorgers durch (Foto: THWS/Anatoli Wellhöfer)


