SCHWEINFURT – Englische Woche in der 3.Liga. Und mit ein bisschen Wehmut dürfte die sich aus dem Profifußball bald wieder verabschiedenden Schnüdel auf die Namen der drei Gegner blicken, da da binnen sieben Tagen auf sie zukommen: Saarbrücken, Aachen und Ulm.
Nach den zuletzt zwei Spielen gegen Ingolstadt und in Duisburg sind es nochmals in Folge drei ehemalige Erstligisten, auf die man trifft. Nach einer kompletten Woche der Vorbereitung unter Neu-Trainer Jermaine Jones bestritt der am Freitagfrüh seine erste reguläre Spieltags-Pressekonferenz vor dem Gastspiel des 1. FC Saarbrücken am Sonntag ab 19.30 Uhr in der Riedel Bau-Arena.
Und nein: Das Thema „Fußball-Wunder“ war keines mehr. Auch wenn es 13 Spieltage vor Saisonende sich schon noch mal lohnen könnte zu rechnen. Wenn, ja wenn der FC 05 volle neun Punkte holen sollte. Alle drei komnmenden Rivalen sind Kellerkinder, Ulm sogar Drittletzter. Aachen hat als 14. die katastrophale Heimbilanz von 3-1-8, holte daheim genauso wenige Punkte wie die Ulmer auswärts. Und Saarbrücken belegt den ersten Nichtabstiegsplatz mit 18 Zählern mehr als die Schweinfurter, die – theoretisch natürlich nur – den Abstand auf neun verringern knnten in der ersten März-Woche. Das würde dann Frühlingsgefühle verursachen. Realistisch ist es keineswegs.
Was daran liegt, dass der Auftritt zuletzt in Duisburg keinerlei Fortschritte erkennen ließ nach dem Trainerbeben. Im Gegenteil. Und auch der Test tags danach gegen Bayreuth (1:1) bot maximal biedere Regionalliga-Kost, die dann ja ab dem Sommer wieder auf dem Gelände des Sachs-Stadions serviert wird. Deshalb gilt: Die kommenden Wochen genießen, derart große Namen wird man in Schweinfurt so schnell nicht mehr auflaufen sehen.
Für Saarbrücken ist es eine fast schon sensationell schlechte Saison bisher. Der Relegant der Vorsaison, der gegen Eintracht Braunschweig am Aufstieg in die 2. Bundesliga scheiterte, wollte diesmal eigentlich direkt hoch, startete auch gut, unter anderem mit einem knappen 2:1 gegen die Schnüdel, gewann aber ausgerechnet danach nur noch eine der folgenden 18 (!) Partien und hängt nun im Keller fest. Coach Alois Schwartz musste gehen, seinen Nachfolger Jürgen Luginger ersetzt inzwischen der Ex-Löwe Argirios Giannikis.
Bei den letzten beiden Profi-Gastspielen 1990/91 und 2001/02 traf der FC 05 ebenfalls auf die Saarländer. In den 90ern verlor man 2:5 auswärts, es trafen Carsten Weiß und Goran Jerkovic, beim Gegner unter anderem der heutige Duisburg-Geschäftsführer Michael Preetz. Im Rückspiel gelang den Schweinfurtern einer von nur zwei Saisonsiegen mit Toren von Joachim „Rhönbomber“ Reuß und Matthias Baranowski.
2:1 hieß es auch 2001, als Günther Heberle und Dirk Dorbath einnetzten. Nach der Winterpause war das Wiedersehen von enormer Bedeutung vor nur 6.500 Zuschauern im alten und riesigen Ludwigspark. Veselin Popovic brachte die Schnüdel früh in Führung, die dann durch zwei postwendende Treffer von Karsten Hutwelker aber doch noch verloren und genauso sang- und klanglos abstiegen wie 1991. Und wie wohl auch heuer. Es sei denn, die Englische Woche sorgt nun doch noch für Frühlingsgefühle…
Und schnell noch was für Fußball-Romantiker: 1975/76, als der FC 05 ebenfalls aus der 2. Bundesliga abstieg, gelang gegen den späteren Meister aus Saarbrücken ebenfalls ein Heimsieg. Beim 3:2 trafen Lothar Emmerich, Harald Aumeier und Werner Seubert. Und bei den Gästen unter anderem ein damals noch unbekannter, junger Mittelfeldspieler namens Felix Magath, der aktuell die Aschaffenburger Viktoria als Sportboss retten will und auch schon wieder als Feuerwehrmann beim VfL Wolfsburg genannt wird…
Zur Aktualität: „Alles ist noch möglich. Ein Sieg gegen Saarbrücken, das natürlich mit dem Gedanken an drei Punkten kommt, kann Euphorie entfachen. Wir wollen herausfinden, wie es sich anfühlt zu gewinnen. Wir versuchen, zuhause ein anderes Gesicht zu zeigen“, sagt Jermaine Jones.
Ein anderes Gesicht als in Duisburg, zumindest in den ersten 70 Minuten dort. „Der MSV war eine Hausnummer zu groß. Saarbrücken ist ein Gegner, an dem wir uns messen können. Fußballerisch muss nicht immer alles klappen, aber wir müssen Leidenschaft von Anfang an entfachen! Und mit Aggressivität, aber auch Spaß spielen.“ Neue Ideen hat der neue Trainer auch schon wieder: Das letzten Samstag versuchte 4-3-3 gehört wieder der Vergangenheit an, auch wenn der recht schnelle 0:3-Rückstand eher weniger am System lag, sondern mehr an individuellen Fehlern. „Wir müssen herausfinden, wo sich die Spieler am wohlsten fühlen.“
So wird Johannes Geis wieder ins Zentrum der Abwehrkette rücken, wo er mehr Bälle bekommt als im Mittelfeld. Ausdrücklich gelobt vom Coach wurden Lauris Bausenwein und – sieh´ an – Erik Shuranov. „wie er die Bälle behauptet und Tore schießt!“ Kleiner Zusatz: „Im Training!“ Bei dem ist seit einer Woche Fitnesscoach Michael Gehret kein Thema mehr. Er meldete sich nach dem Wechsel von Victor Kleinhenz auf Jermaine Jones krank, nun wurde der Vertrag aufgelöst. Passend dazu die Aussage des neuen Trainers: „Die Laufleistung der Mannschaft ist gut, was die Kilometer betrifft, nicht aber bei den intensiven Läufen!“ Ein Nachfolger für Gehret wird gerade gesucht…
Auf 3000 Zuschauer hofft der FC 05 am späten Sonntagabend. An Fans aus Saarbrücken wurden bereits 800 Tickets verkauft. Es droht also ein halbes Heimspiel für die Gäste. „Gas geben und nicht nur schön Fußball spielen“, will Jones, der vor dem schnellen Umschaltspiel der Saarbrückener warnt: „Wir müssen die Räume eng halten und in der Box Mann gegen Mann verteidigen!“ Vom alten Trainerteam, das noch da ist, hat er erfahren, dass der ein oder andere Spieler seit dem Wechsel komplett anders auftreten würde. Ekin Celebi (Reha in München) und Luca Trslic fallen Sonntag aus, der zuletzt gesperrte Pius Krätschmer kehrt zurück. Kapitän Thomas Meißner fehlte am Freitag beim Training aus privaten Gründen.
Jermaine Jones gibt zu, dass bei ihm auch jetzt noch „Hände und Füße kribbeln“, wenn eine Partie ansteht. Nervosität und Anspannung hätten sich seit seiner eigenen Karriere aufrecht erhalten bei ihm. Sine Vorfreude ist groß auf die Englische Woche. Statistisch gesehen dürfte zumindest am Sonntag Saarbrücken kaum eine Chance haben…
Die LVM-Versicherung präsentiert die gesamte Saison die Berichterstattung der Schnüdel aus der 3. Liga und drückt dem FC 05 stets die Daumen:


