SCHWEINFURT – Günter Hack hat in den letzten 60 Jahren über hundert Schweinfurter Schlachtschüsseln für seine Freunde und Bekannten organisiert, letzte Woche seine letzte in der Hafengaststätte Holzer seine 25. in diesem Lokal.
Diesmal waren die über 100 Gäste alle aus Deutschland, die weitesten kamen aus Berlin. Früher waren die Teilnehmer oft international, da Günter Hack als Chef von EVG, später Semco-Glas meist Geschäftspartner einlud und die waren über ganz Europa verteilt. Da er mit seiner Frau Renate inzwischen im Augustinum wohnt. lud er diesemal auch einige Mitbewohner/innen ein.
Früher dauerten die Schlachtschüssel über 12 Stunden, diesmal waren es „nur“ halb so viele Stunden.
Bereits 1840 hat der Schweinfurter Metzger und Wirt Georg Josua Schwanhäusser im Gasthof „Goldener Stern“ in der Oberen Gasse seine Gäste mit einer Schlachtschüssel erfreut.
1963 organisierte Günter Hack, damals 23 Jahre alt, seine erste Schweinfurter Schlachtschüssel und zwar im Gasthaus Gehling in Hausen. Die Teilnehmer wanderten auf drei unterschiedlichen Routen, die zwischen zwei und drei Stunden in Anspruch nahmen, nach Hausen, wo man gegen 12 Uhr eintraf. Danach folgte grundsätzlich die Platzzuweisung, die Vorinformation für Neulinge und Zugereiste und das Verteilen von Brot, Sauerkraut und Salz-Pfeffer-Gemisch.
Hack, schon damals bei der EVG-Glas tätig, aus der später Semco-Glas hervorging, lud Mitarbeiter, Geschäftspartner und andere Bekannte ein. Im Laufe der Zeit wurden Hacks Schlachtschüsselteilnehmer international. Sie kamen aus England, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Ungarn, Österreich und allen Teilen Deutschlands.
Als 1987 der Wirt und Freund Georg Gehling verstarb, wanderte Hack mit seiner Schlachtschüssel ins Gasthaus Lindwurm der Familie Müller in die Krumme Gasse in Schweinfurt, dann 1994 in die Gochsheimer Höhe in Sennfeld und schließlich im Jahr 2000 in die Hafengaststätte der Familie Holzer in Schweinfurt. Dort beging man vor wenigen Tagen die 25.Holzer-Schlachtschüssel.
In all diesen Jahren war Günter Hack die treibende Kraft, unterstützt von seiner Gattin Renate und treuen Helfern wie Marianne und Roland Reß aus Bad Königshofen, Irmgard Schreck aus Dingolshausen, Herbert Eichelmann, Christine Kirschner, Renate und Andreas Krieger sowie Jochen Hartwig.
Nicht nur bei der letzten von Hack organisierten Schlachtschüssel überstieg die Teilnehmerzahl die Hundertergrenze. Vier Jahrzehnte lang dauerte die Schlachtschüssel oft mehr als 12 Stunden, begann in den frühen Morgenstunden und endete gegen Mitternacht. Auswärtige nächtigten dann in Hotels. Sorgten in den ersten Jahrzehnten meist Musiker wie die Kapelle Fritz Beck für die musikalische Bereicherung, so verzichtete man mehrere Jahre auf die Musik, um sich besser unterhalten zu können.
Wanderungen und Ausflüge waren ein fester Bestandteil der Treffen. So war man auch mehrfach Gast beim früheren Bürgermeister Herbert Müller im Schweinfurter Rathaus, eine interessante Bereicherung besonders für die auswärtigen Gäste.
Günter Hack kündigte mehrmals an, die Organisation der Schlachtschüsseln in andere Hände übergeben zu wollen, so 1998, als er „in Rente geschickt wurde“, aber das Bitten der Teilnehmenden, die teilweise seit den Anfangsjahren dabei sind, bewegte ihn jedesmal wieder weiter zu machen. Aus den Schlachtschüsseltreffen erwuchsen auch Ausflugsfahrten, etwa nach Paris, Kopenhagen, Budapest, Dresden, Lausitz, Rügen oder Görlitz.
Nun hat Günter Hack das 86.Lebensjahr erreicht, muss aus gesundheitlichen Gründen von seiner Umtriebigkeit Abstand nehmen (z.B. beim Gochsheimer Brotbackteam, dem er viele Jahre vorstand) und hofft, dass jemand aus der Teilnehmergruppe die Organistion übernimmt. Sein Dank galt den Wirtsleuten Holzer und allen „Schweinefleischvernichtern“ des Planungs- und Organisationsteams.
Auf den Fotos:
- Nur hin und wieder hatten Günter und Renate Hack Muse, die von ihnen organisierte Schlachtschüssel mal ungestört zu genießen.
- Neben dem wunderschön gestalteten Schweinekuchen gab es für alle über einhundert Gäste Kaffee und normalen Kuchen, Streusel- und Käseplootz.
- Weggefährte Herbert Eichelmann dankte Günter Hack für die mehr als 60 Jahre währende Organisation der mehr als hundert Schweinfurter Schlachtschüsseln, die damit verbundene Freundschaft und gab einige Anekdoten zum Besten.
- Herbert Eichelmann begleitete mit seinem Akkordeon die Sängerinnen und Sänger, die zum Schluss Loblieder auf die Schweinfurter Schlachtschüssel anstimmten.
Beitrag: Ruth und Peter Volz




