Ob der Aufstiegs-Verzicht der Mighty Dogs sich bremsend auswirkt auf die Eishockey-Euphorie?

Ob der Aufstiegs-Verzicht der Mighty Dogs sich bremsend auswirkt auf die Eishockey-Euphorie?

SCHWEINFURT – Noch ist nicht klar, auf wen die Mighty Dogs ab Freitagabend im Viertelfinale der Play-offs der Eishockey-Bayernliga treffen. Miesbach könnte es sein, genauso könnte die Serie über sieben Partien gehen. Konjunktiv!

Wie auch ein eventuelles Halbfinale, wenn sich die Schweinfurter in der Runde der letzten Acht durchsetzen. Kempten käme da beispielsweise als Gegner in Frage. Ebenso hier: Vier Siege sind notwendig, in einem entscheidenden siebten Spiel hätten die Schweinfurter Heimrecht. Und wenn sie ins Finale einziehen sollten: Nur gegen Hauptrunden-Meister Königbrunn wäre dieser Heimvorteil auf Seiten der Pinguine.

Kurzum: Zu den bisherigen 30 Punktspielen könnten weitere 21 kommen, eine Saison bis Ende März ist möglich und zu den 15 bisherigen Heimspielen ein Dutzend weitere. Alles Theorie. Genauo, dass der nun wieder für fast 3000 Fans zugelassene Icedome in diesen 12 Partien im Schnitt mit 2000 Fans gefüllt sein könnte, die wiederum im Schnitt 10 Euro Eintritt zahlen. Macht mögliche fast 250.000 Euro an zusätzlichen Einnahmen. Was ein Traum wäre für den ERV.

Und jetzt zu dem, was (wohl) Fakt ist: Die Mighty Dogs werden bis Mitte Februar beim Verband ihre Aufstiegs-Ambitionen NICHT hinterlegen. Bedeutet: Wenn sie Meister werden und ins Finale der Play-Offs einziehen, werden sie trotzdem nicht in die Oberliga gehen, das sportliche Recht (als Erster – oder als Zweiter, wenn der Meister nicht will) also nicht wahrnehmen.

Einerseits ist das verständlich: In der Saison 2023/24 kamen im Schnitt gerade mal 430 Zuschauer. Eishockey in Schweinfurt lag am Boden. Über 646 Fans im Schnitt letzte Saison steigerte sich der Zuspruch nun enorm. Das Pflänzlein ist zwar längst schon wieder eine Pflanze, die Macher aber trauen dem Braten noch nicht und befürchten, dass eine Etage höher bei Abstiegskampf die Euphorie vielleicht schnell wieder weg wäre.

Das kann sein. Denn schaut man auf die offiziellen Zahlen, die das Portal www.icehockeypage.de zeigt, so stiegen die Mighty Dogs 2011/12 als überragender Meister der Bayernliga mit einem Schnitt von ohnehin nur 883 Anhängern auf, um dann in der Oberliga erst 691 und im zweiten Jahr gar lediglich 575 Zuschauer anzulocken. Trotz Klassenerhalt 2014 lautete der Entschluss: Freiwilliger Abstieg in die Landesliga, wo sich der Schnitt die folgenden vier Jahre wieder bei 800 einpendelte, ehe nach der Rückkehr in die Bayernliga danach 623 und dann sogar nur 522 kamen.

Zahlen, die beweisen, was man bei den Mighty Dogs seit Jahren schon weiß: Es gibt einen treuen Stamm, aber eine annährend genauso große Zahl an Erfolgsfans, die nur dann kommen, wenn es Siege zu feiern gibt. Oder anders ausgedrückt: Viel zu vielen Eishockey-Anhängern ist ein 9:1 zuhause lieber als ein spannendes 4:5. Und in der Oberliga würde zahlreiche Male ein 4:5 drohen, wenn die Gegner vielleicht Kaufbeuren, ziemlich sicher Bad Tolz, Rießersee, Passau, Lindau oder Peiting heißen. Oder Selb, Bayreuth, Höchstadt, um am Ende die attraktivsten Rivalen zu nennen.

Oberliga bedeutet: Eine Doppelrunde mit (in dieser Saison bei 14 Mannschaften) 26 Heimspielen vor den Play-Offs oder Play-Downs, also elf mehr als jetzt. Aber auch elf Auswärtspartien mehr mit teil langen Reisen fast bis nach Österreich. Zusätzliche Kosten also, die fix sind, während die Einnahmen schwanken. Stichwort Zuschauerzuspruch.

Ebenfalls gegen einen Aufstieg jetzt spricht: In der Oberliga müsste man wohl wieder die Zahl der Kontingentspieler beschränken, was diese Saison zwingend nicht vorgeschrieben ist. Zahlreiche „Ausländer“ hätten also keine Zukunnft in Schweinfurt, müssten ersetzt werden durch Eishockey-Deutsche. Doch die zu bekommen ist nicht immer einfach.

Was für einen Aufstieg sprechen würde: Jeweils zwei Reisen nach Selb, Bayreuth und Höchstadt (und vielleicht Weiden als noch denkbaren Absteiger aus der DEL 2) sprechen für organisierte Fanfahrten, viel Euphorie – und die Heimspiele dazu für jeweils eine volle Hütte. Aber halt auch nur dann, wenn es sportlich läuft. Daher wollen sich die Mighty Dogs Zeit lassen, um in die Oberliga zurück zu kehren, wo sie anfangs des Jahrtausends zwei Saisons an der Tür der zweiten Bundesliga klopften – und so manche Male den Icedome ausverkauft hatten.

Fazit: Die Umstellung auf Profieishockey, und nichts anderes bedeutet die Oberliga mehr oder weniger, wird wohl noch ein bisschen auf sich warten lassen in Schweinfurt. Wenn das überhaupt wieder mal ein Thema werden kann. Dennoch sollte eine Meisterschaft ab Freitag ein Ziel sein, dass die ERV-Crew anstreben sollte. Mit möglichst jeweils vollen Rängen hoffentlich bis Ende des nächsten Monats. Und was dann den Sommer über passiert, weiß man ja nie…

Michael Horling
redaktion@mainfranken.news

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