WÜRZBURG – Aus anderen Ländern zugewanderte und geflüchtete Menschen haben es immer schwer, sich in einer fremden Stadt in einem fremden Land alleine zurechtzufinden und dort richtig anzukommen. Es gibt viele Angebote und die Strukturen sind dicht gewebt, aber wie diese finden und verstehen?
Wie können den Menschen, die neu ankommen, möglichst schnell und übersichtlich alle für sie wichtigen Informationen einer Stadt in ihrer Landessprache zur Verfügung gestellt werden, damit sie sich schnell und sicher integrieren können? Diese Frage hat sich (nicht nur) das Sozialreferat der Stadt Würzburg gestellt.
Dank der glücklichen Fügung einer Erbschaft, die an den Zweck gebunden war, Geflüchtete in der Stadt Würzburg zu unterstützen, erweitert die Stadt Würzburg hier jetzt ihr Angebot: Ab Sommer 2026 soll die digitale Plattform und App „Integreat“ in Würzburg ausgerollt werden. „Integreat“ ist im Grunde eine ständig gepflegte Datenbank, in der sich regionale Informationen zu Behörden, Beratungsstellen, Sprach- und Bildungsangeboten, Wohnen, Arbeit, Gesundheit und mehr finden. Zur Verfügung gestellt werden die Informationen dank KI in den vor Ort relevanten Sprachen und sie ist, zusätzlich zur Onlineseite, als App von jedem Smartphone abrufbar, selbst ohne Internetverbindung.
Ein Baustein für Teilhabe und Integration
„Der Wunsch nach einer einfach zu bedienenden App, die Integration und Teilhabe von Migranten fördert, besteht hier schon lange“, erklärte Sozialreferentin Eva von Vietinghoff-Scheel bei der Einführungsveranstaltung. „Bislang waren aber die Rahmenbedingungen nicht gegeben. Durch die Finanzierung dank der Erbschaft wie auch die Weiterentwicklung der App können wir nun endlich diesen wichtigen Schritt gehen und bieten bald einen Baustein zu mehr Orientierung und Teilhabe an.“ Die App wird eine Hilfe für Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund für ihr tägliches Leben in Würzburg sein. Sie wird aber auch Mitarbeitende in Behörden, Beratungsstellen und weitere Anbieter von Unterstützungen entlasten. Papierausdrucke in den Beratungen werden redundant, Fragen können schnell, einfach und zielgerichtet beantwortet werden, ohne Missverständnisse, ohne Sprachbarrieren.
Die App muss natürlich mit den lokalen Angeboten gefüttert und regelmäßig aktualisiert werden, von Akteurinnen und Akteuren, die in der Integrationsarbeit tätig sind. Die Kick-off-Veranstaltung zur Vorstellung von „Integreat Würzburg“ diente daher auch dazu, alle Informationen, die relevant für geflüchtete und migrierte Menschen in der Stadt Würzburg sind, bei denen einzusammeln, die sich auskennen. Annähernd 50 Kooperationspartnerinnen und -partner von Regierung von Unterfranken über Diakonie, Caritas, AWO, Bahnhofsmission, Christophorus Gesellschaft hin zu Erlöserschwestern, Integrationslotsen und dem Fachbereich Integration der Stadt Würzburg waren gefragt, Angebote, Links, Ideen für die zu bespielenden Themenfelder Behörden/Beratungsstellen, Arbeiten, Familie, Gesundheit zusammenzutragen.
Ein paar Beispiele: Unter „Gesundheit“ sollen Informationen zum Apothekennotdienst sowie zum deutschen Gesundheitssystem, zur Facharztsuche und zur Nutzung von E-Rezepten abrufbar sein. Im Bereich „Arbeit“ zeigt die App Angebote ehrenamtlicher Jobcoaches, informiert zu Arbeitsrecht, Arbeitsschutz und zur Anerkennung von Berufsabschlüssen. Unter „Familie“ werden niedrigschwellige Hilfen von Schwangerschaftsberatung bis zu Betreuungsangeboten über das städtische Portal „Early Bird“ gebündelt. Bei „Behörden und Beratungsstellen“ finden sich übersichtliche Informationen zu Zuständigkeiten und Angeboten etwa von Jobcenter oder Ausländerbehörde.
„Ohne unser gutes und großes Netzwerk wird die App nicht funktionieren. Es war daher ein sehr wertvoller und ergebnisreicher Fachaustausch, bei dem alle Akteurinnen und Akteure mitwirkten und auch die künftige Pflege der App signalisiert haben“, freut sich Victoria Jung, die im Fachbereich Integration, Inklusion und Senioren hauptverantwortlich für die App ist. Modular kann die App erweitert werden, beispielsweise mit Nachrichten oder Veranstaltungen. Open data sorgt dafür, dass Vergleiche gezogen werden können, was andere Städte hier so anbieten. Was Jung bei der App fehlt, ist eine Community-Funktion, bei der interaktive Möglichkeiten gegeben sind. Hier kommt in Würzburg die „Smarte Region“ ins Spiel, die den „Heldenhelfer“ und den „Hilfekompass“ aufbaut. Im zweiten Quartal 2026 sollen diese beiden Plattformen an den Start gehen. Der „Heldenhelfer“ soll ehrenamtlichen Strukturen helfen, sich intern besser zu organisieren und zu vernetzen. Der „Hilfekompass“ bündelt regionale Hilfsangebote für Menschen in belastenden Lebenssituationen, so dass diese Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen der Smarten Region auch bei der App „Integreat Würzburg“ mit einfließen können. Ab Sommer 2026 soll die App in Würzburg über die Beratungsstellen, Willkommensklassen, Behörden und ehrenamtliche Hilfsnetzwerke verbreitet werden. Bislang nutzen mehr als 100 Städte deutschlandweit die App „Integreat“ als Alltagshelfer. Einen Einblick gibt die Seite https://integreat-app.de/ .
Auf dem Bild: Stoffsammlung: Welche Links brauchen Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund in Würzburg im Themenfeld „Gesundheit“? Rechts im Bild Victoria Jung, sie ist im Fachbereich Integration, Inklusion und Senioren hauptverantwortlich für die App, die im Sommer 2026 migrierten und geflüchteten Menschen in Würzburg zur Verfügung stehen soll.
Foto: Claudia Lother

