Ein besonderer Kraftort: Pontifikalgottesdienst mit Bischof Dr. Franz Jung zu 100 Jahren Exerzitienhaus Himmelspforten

Ein besonderer Kraftort: Pontifikalgottesdienst mit Bischof Dr. Franz Jung zu 100 Jahren Exerzitienhaus Himmelspforten

WÜRZBURG – Fast auf den Tag genau 100 Jahre nach seiner Gründung hat das Würzburger Exerzitienhaus Himmelspforten seinen runden Geburtstag mit einem Festakt, einer Ausstellungseröffnung und einem Pontifikalgottesdienst gefeiert.

Bischof Dr. Franz Jung erinnerte in seiner Predigt beim Festgottesdienst in der Hauskapelle am Sonntag, 25. Januar, an die lange geistliche Tradition des Ortes. Mit Worten des Patriarchen Jakob – „Wie ehrfurchtgebietend ist doch dieser Ort! Er ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor des Himmels“ – beschrieb er Himmelspforten als einen Ort, an dem sich „über uns der Himmel öffnet“. Der Bischof zeichnete die Geschichte nach: von der Ansiedlung der Zisterzienserinnen im Jahr 1251 über die Auflösung des Klosters in der Säkularisation bis zur Wiederbelebung durch engagierte Laien. Besonders würdigte er den Glaubensmut jener, die den Ort vor weltlicher Nutzung bewahrten. Das Exerzitienhaus, am 26. Januar 1926 von Bischof Dr. Matthias Ehrenfried eingeweiht, stehe in dieser geistlichen Linie und erinnere daran, dass die Weitergabe des Glaubens immer wieder auch aus persönlicher Initiative erwachse.

Maria, „die Porta Caeli“, stellte der Bischof in den Mittelpunkt seiner geistlichen Deutung. Durch sie sei Christus in die Welt gekommen, und wie Maria sollten auch Gläubige selbst zu „Himmelspforten“ werden, die den Weg zu Gott öffnen. Himmelspforten sei ein Ort, an dem das Gebet, die Stille und das Gemeinschaftsleben an das Wesentliche erinnerten. Bischof Jung würdigte die benachbarten Karmelitinnen. Deren stille Präsenz erinnere daran, „in der Gegenwart des Herrn zu verweilen“, und mahne zugleich, solche Momente der Sammlung auch im Arbeitsalltag der kirchlichen Dienstgemeinschaft bewusst zu pflegen.

Abschließend betonte der Bischof, dass der Name Himmelspforten zugleich Auftrag sei, „den Himmel offenzuhalten“. Exerzitien, Bildung und kirchliches Handeln müssten dazu beitragen, Hoffnung und Glauben in einer säkularisierten Welt lebendig zu halten. Die Kirche dürfe „die Tür zum Himmel nicht zufallen lassen“, sondern müsse Christus im Mittelpunkt behalten. Dank sprach der Bischof dem Team des Exerzitienhauses sowie den Ritaschwestern, „die durch ihren Dienst dem Haus ein geistliches Gepräge gegeben haben“, aus. Dank schulde er seinen Vorgängern Bischof Ehrenfried für das Errichten des Hauses, Bischof Josef Stangl für das Wiederherstellen nach dem Krieg und Bischof Dr. Friedhelm Hofmann für die umfassende Erneuerung 2005.

Den Festvortrag am Samstagabend, 24. Januar, hielt Professor Dr. Wolfgang Weiß, langjähriger Professor für Fränkische Kirchengeschichte an der Universität Würzburg und Vorsitzender des Diözesangeschichtsvereins. Er beleuchtete die Entstehung des ersten Zisterzienserinnenklosters in der früheren „Schottenau“, den Zerfall und die Neu-Ansiedlung mit Karmelitinnen sowie die Gründung eines Exerzitienheimes durch Bischof Ehrenfried. Dieser habe sich mehr Innerlichkeit und Innigkeit für die Kirche gewünscht, um Widerständen trotzen zu können. Deshalb wollte er neben den damals weit verbreiteten Volksmissionen im Bistum Exerzitien etablieren. Seit den Anfangstagen habe sich das Angebot zu modernen Einkehr- und Besinnungstagen sowie Auszeiten gewandelt.

Grußworte sprachen Domvikar Paul Weismantel, geistlicher Leiter des Exerzitienhauses, und Ordinariatsrätin Dr. Christine Schrappe, Leiterin der Hauptabteilung Bildung und Kultur der Diözese Würzburg. Schrappe dankte allen, die heute einen Beitrag zur Erhaltung des Exerzitienhauses leisten. Blumen gab es für Schwester Rut Gerlach, Generalrätin der Oberzeller Franziskanerinnen, die bis ins Jahr 2001 das Exerzitienhaus mitbetreuten. Seit der Renovierung und Wiedereröffnung im Jahr 2005 begleiten die Ritaschwestern das Leben in Himmelspforten. Schrappe dankte den Schwestern Teresa Reulbach und Inge Grehn und bedauerte, dass sie Ende März die Einrichtung verlassen. „Der wichtigste Dienst hier war das Da-Sein“, blickte Reulbach auf ihre Arbeit zurück. Zum Abschied sagte die Ritaschwester: „Wir waren gerne hier, aber jetzt ist unsere Zeit zu gehen.“

Zum Abschluss des Festaktes wurde die Ausstellung „Licht des Glaubens“ von Ludger Hinse eröffnet. Seine „kinetischen Lichtobjekte“ fügen sich ins Foyer und den Kreuzgang des ehemaligen Klosters ein. Statt eines Vortrags sprach Hinse zur Eröffnung ein Gebet. „Beten kann man nicht genug in diesen Zeiten.“ Einer seiner Wünsche lautete passend zu seinen Licht-Objekten aus Glas und Acryl: „Lass uns alle dein Licht sehen, damit wir selbst Licht werden.“ Musikalisch untermalt wurde der Festakt von Carolina Ehret (Violine) und Tyron Kretzschmar (Piano).

mh (POW)/raru (Würzburger katholisches Sonntagsblatt)

Auf dem Bild © Markus Hauck (POW) | Bischof Dr. Franz Jung feierte am Sonntag, 25. Januar, aus Anlass des 100. Jubiläums der Eröffnung des Würzburger Exerzitienhauses Himmelspforten einen Gottesdienst in der Hauskapelle.

Auf dem Bild © Markus Hauck (POW) | Bischof Dr. Franz Jung feierte am Sonntag, 25. Januar, aus Anlass des 100. Jubiläums der Eröffnung des Würzburger Exerzitienhauses Himmelspforten einen Gottesdienst in der Hauskapelle.

Auf dem Bild © Ralf Ruppert (Würzburger katholisches Sonntagsblatt) | Von links: Die Ritaschwestern Inge Grehn und Teresa Reulbach sowie die Oberzeller Franziskanerin Schwester Rut Gerlach.

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