Südlink: TransnetBW hebelt Planfeststellung aus, Aktionsbündnis Trassengegner fordert Bundesnetzagentur dazu auf, die Bauarbeiten sofort zu stoppen

Südlink: TransnetBW hebelt Planfeststellung aus, Aktionsbündnis Trassengegner fordert Bundesnetzagentur dazu auf, die Bauarbeiten sofort zu stoppen

MAINFRANKEN – Am Südlink zeichnet sich ein handfester Umweltskandal ab: Grundstückseigentümer, die vom Bau des Südlinks betroffen sind, sollen nachträglich massiven Änderungen am Projekt zustimmen.

Diese Vorgänge spielen sich weitgehend im Verborgenen ab. Die Öffentlichkeit wird bewusst ausgeschlossen, während Betroffene unter erheblichem Zeitdruck zur Stellungnahme aufgefordert werden. Schweigen gilt dabei als Zustimmung.

Die Bürgerinitiativen im Aktionsbündnis Trassengegner fordern die für das Verfahren verantwortliche Bundesnetzagentur deshalb dazu auf, dieses Vorgehen zu unterbinden. “Wer tiefgreifende Änderungen beantragt, kann sich nicht gleichzeitig auf die Bestandskraft des ursprünglichen Planfeststellungsbeschlusses berufen. Genau das versucht TransnetBW – rechtswidrig und zulasten der Umwelt”, so Sprecherin Dörte Hamann.

Brisant ist: Die nachträglichen Änderungen stellen gravierende Eingriffe dar und führen dazu, dass deutlich mehr Boden zerstört wird, als im Planfeststellungsverfahren genehmigt wurde. Anstatt diese wesentlichen Abweichungen öffentlich zu machen und erneut prüfen zu lassen, umgehen die Planer gezielt eine öffentliche Debatte sowie die Kontrolle durch Umweltverbände. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) stellt augenscheinlich erst jetzt in der Ausführung fest, dass die Planungen zum Südlink unzureichend waren.

Dies ist bereits der zweite Planänderungsantrag zum Südlink-Projekt der Firma TransnetBW. Damit werden zentrale Grundsätze des Planfeststellungsrechts unterlaufen. Die beantragten Änderungen sind keineswegs marginal: Über 15 Kilometer veränderter Kabellagen, deutlich breitere Trassen, tiefere Verlegung, massiv ausgeweitete HDD-Bohrungen. Das erhöht die Risiken von Bodenkontamination, Grundwassergefährdung und Flächenschäden erheblich. Die betroffenen Flächen verdoppeln sich teils mindestens – mit gravierenden Folgen für Landwirtschaft, Eigentum und Umwelt. Trotzdem will TransnetBW weiterbauen, als handele es sich um eine bloße technische Feinjustierung.

„Wir werten diese nachträglichen Änderungen als Eingeständnis der Übertragungsnetzbetreiber, dass viele Baumaßnahmen im Genehmigungsverfahren nicht ausreichend geprüft worden sind. Jetzt muss die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde nachsteuern”, kritisiert Hildegard Beyfuß von der Bürgerinitiative A7 Stromtrasse NEIN e.V. “Die Bundesnetzagentur steht in der Pflicht, Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, dass der Umweltschutz nicht länger den profitorientierten Interessen eines Großkonzerns geopfert wird. Letztlich wird mit der vorliegenden massiven Änderung der Pläne der Planfeststellungsbeschluss für den Südlink zurückgenommen. Die Bauarbeiten am Südlink müssen unverzüglich eingestellt werden.”

Trinkwasser und Umwelt durch Südlink-Bohrungen gefährdet – Strafanzeige gegen TransnetBW

Dass die Bauarbeiten entlang des Südlink zu gravierenden Umweltschäden führen, hat das Aktionsbündnis Trassengegner bereits Ende vergangenen Jahres scharf kritisiert und bei der Pressekonferenz zur Klage gegen den Südlink am 26.11.2025 mit Bildern zu den Vorfällen belegt.

Zudem hat Rechtsanwalt Wolfgang Baumann von der überparteilichen Wählergemeinschaft „Zukunft für Würzburg“ (ZfW) im Dezember Strafanzeige gegen Verantwortliche der TransnetBW GmbH erstattet. Anlass sind mehrere massive Umweltvorfälle bei HDD-Bohrarbeiten für die Stromtrasse Südlink in Altertheim (Landkreis Würzburg). Das Vorgehen von TransnetBW erfüllt den Straftatbestand der Boden- und Gewässerverunreinigung gemäß § 324a StGB.

Bei den Bohrungen kam es zu mehreren sogenannten Ausbläsern, bei denen erhebliche Mengen Bentonit-Bohrflüssigkeit mit chemischen Additiven unkontrolliert an die Oberfläche gedrückt wurden. Die Bohrflüssigkeit versickerte im Bereich des künftigen Trinkwassereinzugsgebiets „Zeller Quellen“, also unmittelbar an der sensiblen Grenze der Würzburger Trinkwasserversorgung. Neben dem von TransnetBW bestätigten Vorfall wurden weitere, zunächst völlig ungesicherte Ausbläser festgestellt.

„TransnetBW hat hier sehenden Auges ein hohes Umweltrisiko in Kauf genommen“, erklärt Wolfgang Baumann. „Trotz zahlreicher bekannter Ausbläser entlang der Südlink-Trasse wird weiterhin ein offensichtlich ungeeignetes Bohrkonzept angewendet – sogar im Umfeld eines Trinkwasserschutzgebiets. Das ist verantwortungslos.“ Die eingesetzte Bohrspülung ist keineswegs harmlos. Die Mischung aus Bentonit und Polymeren bildet im Ruhezustand eine gelartige Masse, die Kleintiere, Fische und Amphibien ersticken kann. Fachlich ist es zweifelsfrei so, dass solche Bohrspülungen nach Ausbläsern als entsorgungspflichtiger Abfall gelten. Dennoch plant der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW offenbar lediglich eine oberflächliche Beseitigung, statt die kontaminierten Böden vollständig auszukoffern und fachgerecht zu entsorgen.
Besonders schwer wiegt, dass die Vorfälle nicht überraschend kommen. In Bayern und Baden-Württemberg ist es bei Südlink-Baumaßnahmen bereits an zahlreichen Stellen zu vergleichbaren Ausbläsern und Gewässerverunreinigungen gekommen, ohne dass TransnetBW daraus Konsequenzen gezogen hätte. „Wer trotz dieser Vorgeschichte weiterbohrt, ohne sein Sicherheitskonzept grundlegend zu ändern, nimmt Umweltschäden billigend in Kauf“, so Baumann. „Das ist kein Betriebsunfall, sondern das Ergebnis einer systematischen Missachtung von Umwelt- und Gewässerschutz.” Der Rechtsanwalt sieht darin mindestens grobe Fahrlässigkeit, möglicherweise sogar bedingten Vorsatz.

Das Aktionsbündnis Trassengegner fordert deshalb eine lückenlose strafrechtliche Aufklärung, die sofortige Sanierung der betroffenen Flächen sowie ein Moratorium für weitere HDD-Bohrungen, da kein nachweislich sicheres Bohrkonzept vorliegt.

„Wir erwarten zudem von den zuständigen Behörden, ihrer Aufsichtspflicht nachzukommen und weiteren Umweltstraftaten durch einen Baustopp am Südlink präventiv entgegenzuwirken.“

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