SAARBRÜCKEN / BAD KÖNIGSHOFEN – Die 1:3-Niederlage des TSV Bad Königshofen beim Titelfavoriten 1. FC Saarbrücken in der Tischtennis-Bundesliga wäre an sich kein Beinbruch, musste eigentlich einkalkuliert sein. Aber sie war dennoch ein Unfall auf dem Weg zum Klassenerhalt, den man zuvor durch drei Siege in vier Spielen eingeschlagen hatte.
Unnötig zudem wie ein Kropf, weil beide Teams durch Abwesenheit von Stammspielern geschwächt waren, die Saarländer aber viel heftiger. Ihnen fehlten die vier besten Pferde im Stall: Franziska, Jorgic, Muramatsu beim WTT-Turnier im Oman, Fan Zhendong bekam eine Schonung nach und vor anstrengenderen Spielen gewährt.
Das musste doch wie eine Einladung zu einem überraschenden Punktgewinn der Gäste wirken. Doch die Grabfelder, weit weniger komfortabel breit besetzt, mussten auf Daniel Habesohn und Andre Bertelsmeier, ebenfalls im Oman, verzichten und dafür Hermann Mühlbach (auf dem Bild) vom TSV II aus der 4. Liga hoch ziehen – sein erstes Bundesligaspiel! Und dennoch wäre ein Sieg wahrscheinlicher gewesen, hätte man den zuletzt mit neun Siegen in Serie erfolgreichen Bastian Steger nicht als Dreier versteckt, sondern als Einser statt einem zwei Einzel gewinnen lassen.
Diese Umstellung verwunderte allseits, u.a. die nimmermüde, gemischte Fangruppe aus dem Grabfeld und dem Rheinland, die jedenfalls in Bestform war. Von Mühlbach war gegen Ionescu ja am wenigsten ein Sieg erwartet worden. Dennoch fehlten ihm nach 2:0-Satzführung und 9:9 im dritten nur zwei Bälle, die aber an der Netz- und Tischkante landeten, anstatt der Türöffner für eine Überraschung zu sein. Danach ging einfach nichts mehr. Fünf Sätze Kampf für nichts.
Auch der als Einser nominierte Filip Zeljko, zuletzt 2:9-Bilanz, konnte gegen die Nr. 6 der FCS-Rangliste Cedrik Meissner nicht über seinen Schatten springen. Er führte 2:1 und ging im fünften Durchgang nach 0:3 und Timeout mit 0:11 unter wie noch nie in einem Satz in den neuneinhalb Jahren bei den Königshöfern. Der Risikospieler lebte zu sehr von seinen Aufschlägen, wenn sie auch noch so stark von der Qualität und Variabilität her waren. Meissner indes lernte in vier Sätzen, sie zu entlarven. Zeljko war zumindest im Entscheidungssatz kein wahrer TTBL-Einser mehr. Zwei Spiele, zehn Sätze, kein Punktgewinn!
Was durchaus möglich gewesen wäre, musste Bastian Steger untätig mit ansehen und dann selber erst mal wenigstens sein Einzel gewinnen, um dann auf Zeljko und eventuell das Schlussdoppel zu hoffen. Mit dem Zweitliga-Chinesen Wang Lichen, aus Köln nach Saarbrücken gewechselt, der schon mal Felix Lebrun geschlagen hat, bekam er den besten FC´ler vorgesetzt. Es wurde das beste Spiel des Tages, eines Spitzen-Einzels würdig. Natürlich wieder über fünf Sätze.
Von Motivationsloch nach diesem 0:2-Rückstand war beim Konzentrationsmonster Bastian Steger mit Vollprofi-Einstellung nichts zu sehen. Dieser Wang hätte in zehn anderen Bundesligaclubs vermutlich einen Stammplatz, ist schnell auf den Beinen, kann beidseitig feuern und die unmöglichsten Bälle zurückbringen. Aber Basti war letztlich doch der Bessere, stellte den 1:2-Anschluss her – und hoffte vergeblich, weil Filip Zeljko gegen Edi Ionescu die Chance nicht nutzen konnte, sich wieder mal besonders wertvoll zu machen.
Wenn Saarbrücken am 19. April auf zwei ganz wichtige Punkte für den Einzug in die Playoffs verweisen kann, dann sind es bestimmt diese. Und wenn Bad Königshofen womöglich zwei für den Klassenerhalt fehlen, dann wird man gewiss von diesen zwei reden.
1.FC Saarbrücken TT – TSV Bad Königshofen 3:1
Ionescu – Mühlbach 3:2 (6:11/12:14/11:9/11:4/11:7)
Meissner – Zeljko 3:2 (6:11/14:12/6:11/11:8/11:0)
Wang – Steger 2:3 (10:12/11:7/13:11/8:11/7:11)
Ionescu – Zeljko 3:1 (11:6/6:11/11:9/11:7)
Zuschauende: 540
Rudi Dümpert für www.mainfranken.news
Kommenden Samstag, 31.01., 17.30 Uhr, hat Bad Königshofen im „Derby“ gegen Fulda (mit Dimitrij Ovtcharov und Ruwen Filus) zuhause die nächste Chance auf Punkte.

