KITZINGEN – Die Zukunft stand im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs der Stadt Kitzingen am 9. Januar in der Rathaushalle. „Unsere Kinder sind die Erwachsenen von morgen“, erinnerte OB Stefan Güntner vor rund 80 geladenen Gästen in seiner Begrüßungsrede.
Schon deshalb sei es sinnvoll, in die junge Generation zu investieren. Durch konkrete bauliche Maßnahmen etwa, aber auch durch Projekte wie die Zertifizierung zur Kinderfreundlichen Kommune (KfK).
Die Sanierung der Siedlungsschule, der Neubau von Kindergartenplätzen, die Digitalisierung der Schulen: Nur drei von etlichen städtischen Investitionen der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart in die Bildung.
„Unsere Kinder und Jugendlichen sollen sich, genauso wie Erwachsene und Senioren, in unserem Kitzingen gut aufgehoben fühlen“, beschrieb Güntner die Zielstellung.
Ein Blick von außen könne dabei helfen, das eigene Handeln besser einzuschätzen. Mit der KfK-Zertifizierung haben sich bereits vor vier Jahren professionelle Blicke auf die Stadt und ihre Handlungen und Pläne in Bezug auf die Jugend gerichtet. Blicke wie die von Michael Lehmann und Petra Hartung.
Lehmann ist Sachverständiger für die KfK, Hartung Landschaftsarchitektin. Beide haben den Prozess der Stadt Regensburg zur Kinderfreundlichen Kommune aktiv begleitet. Beide lobten die bisherigen Schritte der Stadt Kitzingen, insbesondere den Bau des Hauses für Jugend und Familie als zentralen Anlaufpunkt und als Leuchtturmprojekt. Etwas Vergleichbares habe er bislang weder in Regensburg noch in anderen bayerischen Kommunen gesehen, gestand Michael Lehmann beeindruckt.
13 Maßnahmen sind im ambitionierten Kitzinger Aktionsplan festgelegt worden. Maßnahmen mit ganz unterschiedlichen Stoßrichtungen: „Manche betreffen interne Abläufe in der Stadtverwaltung, andere die Stadtplanung und wieder andere die Beteiligung der Jugendlichen“, erklärte Güntner.
Die sogenannte Spielleitplanung ist so ein Instrument. Eine lebendige Planung, wie Petra Hartung betonte. Eine Maßnahme, in der die Kinder und Jugendlichen der Stadt ganz bewusst und aktiv eingebunden werden. Die grundlegende Frage lautet, welche Bedürfnisse und Interessen die Jugendlichen haben, was sie brauchen und sich wünschen. „Und das fragen wir ganz direkt ab“, so Hartung.
Bei ihren Streifzügen durch die Stadt sollen die Kinder begleitet und befragt werden: Wo sind eure bevorzugten Spielorte und Treffpunkte, wo die vermeintlich gefährlichsten Orte, wo fühlt ihr euch als Radfahrer oder Fußgänger sicher und wo nicht? Mit Fragebögen werden diese ersten Erfahrungswerte vertieft, um dann eine Prioritätenliste an möglichen Maßnahmen zu erarbeiten.
Ganz wichtig sei es dabei, ehrlich mit den Kindern und Jugendlichen zu kommunizieren. „Sie können als Stadt nicht alle Wünsche umsetzen“, erinnerte Hartung. „Aber Sie können etwas dafür tun, dass sich die Kinder ernstgenommen fühlen.“
Über Schulen und Horte soll der Kontakt in den kommenden Wochen und Monaten zu Kindern und Jugendlichen hergestellt werden, außerdem ist die Errichtung eines Kinderrechte-Pfades vorgesehen und das Haus für Jugend und Familie soll nach der offiziellen Eröffnung im Herbst letzten Jahres weiter intensiv bespielt werden. „Bisher ist es super angelaufen“, betonte Jungstil-Leiter Jochen Kulczynski.
Die Jugendlichen würden nicht nur die wechselnden Angebote annehmen, sondern auch zunehmend Verantwortung für das Haus übernehmen. Eine erfreuliche Entwicklung, auch im Hinblick auf die Zukunft der Stadt.
Viel Applaus gab es beim Neujahrsempfang nicht nur für die Gäste der Talkrunde, sondern auch für das Celloensemble der Städtischen Musikschule unter der Leitung von Monika Klüpfel.
Auf dem Bild: Angeregte Diskussion über Kitzingen als Kinderfreundliche Kommune: Jochen Kulczynski, Michael Lehmann, Petra Hartung und OB Stefan Güntner beim Neujahrsempfang in der Rathaushalle. Foto: Ralf Dieter

