EBERN IM LANDKREIS HASSBERGE – Wenn am Montag, den 27.10.25 um 14:00 Uhr die Frauengrundhalle in Ebern ihre Türen öffnet, wird dort der Kreistag Haßberge in öffentlicher Sitzung tagen. Normalerweise findet sich der Kreistag im Landratsamt Haßberge zusammen – nun aber in Ebern.
Denn das Krankenhaus in Ebern, eine Einrichtung der Haßberg-Kliniken, soll zum 31.12.25 vollständig geschlossen werden. Die Vollschließung war bereits Ende Juli 2025 vom Verwaltungsrat der Haßberg-Kliniken beschlossen worden – einstimmig, wie es hieß.
Mit der Verlegung der Kreistagssitzung nach Ebern will das Gremium nun vor Ort erklären,warum diese Entscheidung getroffen wurde und weshalb sie, nach Auffassung der Verantwortlichen, „unumgänglich“ gewesen sei. Die Sitzung steht also ganz im Zeichen der Krankenhausfrage – einer Frage, die viele Menschen im östlichen Landkreis Haßberge bewegt.
Die Haßberg-Kliniken sind ein Kommunalunternehmen des Landkreises, dessen Verwaltungsrat mit Kreisräten aus dem Kreistag besetzt ist. An der Spitze steht Landrat Wilhelm Schneider (CSU). Er hatte die Schließung des Krankenhauses Ebern in den vergangenen Tagen und Wochen mehrfach verteidigt.
Derzeit läuft immer noch eine Petition, die sich für den Erhalt des Krankenhauses Ebern einsetzt und zusätzlich die Wiedereröffnung der stationären Chirurgie fordert. Die Initiatoren sammeln weiterhin Unterschriften, um den politischen Druck zu erhöhen. Noch ist die Petition nicht abgeschlossen, und doch hatte Landrat Schneider bereits öffentlich erklärt, dass sie am Beschluss zur Schließung nichts ändern werde.
Diese Äußerung, die fiel, bevor die Petition überhaupt übergeben worden war, sorgte bei vielen Bürgerinnen und Bürgern für Empörung.
Zur Sitzung gehen oder nicht?
In den Tagen vor der Sitzung des Kreistags in Ebern wird in der Stadt viel diskutiert. Die zentrale Frage, die sich viele stellen, lautet: „Hingehen oder nicht?“ Soll man sich auf den Weg machen, um einer Sitzung beizuwohnen, in der man als Bürgerin oder Bürger kein Rederecht hat?
Einige sagen klar nein. Sie möchten sich, wie sie betonen, keine Belehrungen anhören, keine langen Erklärungen darüber, warum die Schließung angeblich unvermeidbar gewesen sei. Manche vermuten sogar, dass Kreisräte versuchen könnten, die alleinige Schuld an der Situation nach Berlin – an die Bundespolitik – weiterzureichen.
Andere wiederum sehen die Dinge anders. Für sie ist die öffentliche Sitzung eine Gelegenheit, sich aus erster Hand zu informieren und gleichzeitig Präsenz zu zeigen. Selbst wenn man während der Sitzung nicht sprechen darf, könne man doch durch bloße Anwesenheit deutlich machen, dass man mit der Entscheidung nicht einverstanden ist.
Einige hoffen auch, dass die sichtbare Beteiligung der Bevölkerung die politischen Vertreter zumindest zum Nachdenken bringe. In einer Demokratie, so betonen engagierte Bürgerinnen und Bürger, sei es wichtig, dass Menschen sich einbringen – gerade dann, wenn Entscheidungen getroffen werden, die ihr Lebensumfeld betreffen. Auch ohne Demonstration vor der Halle könne man ein Signal setzen: durch Aufmerksamkeit, durch Mimik, durch das stille, aber deutliche Zeichen der Anwesenheit.
Vor der Frauengrundhalle wurde keine Demonstration angemeldet, was sich vielleicht angeboten hätte. Dennoch wird erwartet, dass viele Interessierte zur Sitzung kommen werden. Manche wollen sich einfach ein Bild davon machen, wie eine Kreistagssitzung überhaupt abläuft. Andere möchten sich in den Pausen oder nach der Sitzung mit Gleichgesinnten austauschen, vielleicht Kontakte knüpfen oder gemeinsame Aktionen planen.
So mancher erhofft sich von der Zusammenkunft auch einen Moment der Transparenz – einen Blick hinter die Kulissen der Kreispolitik. Wer genau im Kreistag sitzt, wissen viele Bürgerinnen und Bürger nur am Rande. Die Sitzung in Ebern könnte daher auch einen Nebeneffekt haben: Sie bringt Politik und Bevölkerung für einen Nachmittag auf ungewohnt unmittelbare Weise zusammen.
Hintergründe zur Schließung
Schon länger war bekannt, dass die Haßberg-Kliniken wirtschaftlich unter Druck standen. Das Unternehmen, das auch den Standort Haßfurt betreibt, hätte sich gezwungen gesehen, strukturelle Veränderungen vorzunehmen. Allerdings wurde dabei der Rotstift
hauptsächlich in Ebern angesetzt.
In der Region stößt dieses Vorgehen auf wenig Verständnis. Viele Bürgerinnen und Bürgersehen den Verlust des Krankenhauses als schmerzhaften Einschnitt in die medizinische Versorgung vor Ort. Besonders ältere Menschen, Familien mit kleinen Kindern oder Menschen ohne Auto fürchten, im Notfall weite Wege nach Bamberg oder Scheßlitz zurücklegen zu müssen.
Politische Verantwortung und öffentlicher Druck
Die Tatsache, dass der Beschluss einstimmig fiel, wirft aus Sicht mancher Beobachter ein Schlaglicht auf die Geschlossenheit – aber auch auf die Distanz – der Kreispolitik gegenüber den Bürgern. Es sei, so wird in Ebern gemunkelt, zu wenig über Alternativen nachgedacht und gesprochen worden.
Wenn nun der Kreistag am 27.10.25 in Ebern tagt, werden die Augen vieler Menschen im Landkreis auf die Frauengrundhalle gerichtet sein. Es geht nicht nur um Zahlen, Bilanzen und Strukturen – sondern um Vertrauen, Verantwortung und den Umgang mit den Sorgen einer ganzen Region.

