SCHWEINFURT / OBERSTREU – Momentan pendelt er noch zwischen Nürnberg und Oberstreu. Bald aber wird Johnnes Geis mit seiner Frau Irina und der drei Jahre alten Tochter Healey ein Mietshaus in Schweinfurt beziehen. Der heute 32-Jährige war im Sommer der Königstransfer der Schnüdel und der Hoffnungsträger.
Dieser Mittwoch, Sachs-Stadion. Zwischen zwei Trainingseinheiten und der Mittagspause nimmt sich Geis Zeit für ein Gespräch mit www.mainfranken.news. Um ein bisschen zu bilanzieren nach den ersten Monaten bei den Schnüdeln, um voraus zu schauen, aber auch um zu erzählen über das viele, was er bereits erlebt hat trotz seiner noch jungen Jahre.
Los ging´s mit dem Jugendfußball in Oberstreu und in Mittelstreu, ab 2004 folgten vier Jahre beim TSV Großbardorf mit Trainern wie Klaus Kirchner oder Hans-Jürgen Ragati. 2008 dann der Wechsel zum Fürther Kleeblatt, wo er sich anfangs ein Internats-Zimmer mit Marino Müller teilt, dem Bergrheinfelder, der auch mal einer der besseren Nachwuchsspieler Deutschlands war.
Johannes Geis schafft es als defensiver Mittelfeldmann in die Nationalmannschaft. Von der U16 bis zur U21 sind 52 Partien mit dem Adler auf der Brust für ihn notiert. Am 20. Mai 2009 sahen wegen einer Aktion für Schüler 25.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion ein 2:1 gegen Frankreich. „In dem Alter war das für mich natürlich beeindruckend“, sagt er heute. 15 Jahre alt war er da und einer seiner Gegenspieler hieß Paul Pogba, der neun Jahre danach Weltmeister wurde.
Später spielte Geis in den Auswahlen mit beispielsweise Bernd Leno, Maximilian Arnold, Serge Gnabry, Kevin Volland, Marc-Andre Ter-Stegen, Matthias Ginter, Antonio Rüdiger oder Niclas Füllkrug zusammen. Bei der U21-EM im Jahr 2015 agierte er als Sechser hinter den offensiven Mittelfeldspielern Emre Can und Joshua Kimmich. „Da haben wir uns für Olympia in Rio qualifiziert und haben Trainer Horst Hrubesch einen Traum erfüllt.“
2016 aber war Geis nicht dabei beim großen Ereignis. Max Meyer und Leon Goretzka besetzten seine Position. Er selbst war nach zwei Jahren beim FSV Mainz 05 in der Bundesliga gerade zum großen FC Schalke 04 gewechselt. Für zehn Millionen Ablöse. „Die Summe habe ja nicht ich festgelegt. Aber nach der schon schönen Zeit in Mainz war der Wechsel cool“, sagt er heute.
Geis galt als möglicher kommender A-Nationalspieler, musste aber erleben, dass irgendwann mit Domenico Tedesco der Trainer der Königsblauen vom Spieler nicht mehr so begeistert war wie der vom Verein. Als Schalke im August 2018 zum Pokalspiel nach Schweinfurt kam, war der Oberstreuer zwar dabei, stand aber nicht im Kader. Zumindest hatte er da aber schon ein ganz großes Erlebnis hinter sich.
Nämlich eine Saison als Leihspieler beim FC Sevilla. „Auf den letzten Drücker kam mein Berater auf mich zu.. Spanien war mal was ganz Neues. Ich habe meine Frau angerufen und ihr gesagt, ich brauche jetzt meinen Reisepass“, grinst er. Sevilla spielte wie Schalke in der Champions League, Geis lief im Old Trafford von Manchester United auf und gegen den FC Liverpool um Jürgen Klopp. Im Nachhinein hätte er womöglich prüfen sollen, ob es eine Zukunft in Spanien hätte geben können.
Doch Geis kehrte zurück und wurde 2019 nach Köln verkauft, stieg mit dem 1. FC in die Bundesliga auf. Trainer Markus Anfang wurde kurz zuvor entlassen, der neue Coach Achim Beierlorzer, der nur 131 Tage im Amt blieb, setzte aber nicht mehr auf ihn. Vor ein paar Wochen begrüßten sich beide beim Spiel der Schnüdel in Regensburg herzlich, auch weil sie einst in Fürth im Nachwuchsbereich miteinander zu tun hatten. Seit letzter Woche ist Beierlorzer beim Jahn als Sportchef Geschichte. Es ist eben ein Kommen und Gehen im Fußball. Was aber auffällt: Johannes Geis ist keiner Person böse, hat mit niemandem Probleme.
Nach Köln öffnete sich eine besondere Türe: Die vom 1. FC Nürnberg. „Das erste Jahr mit dem Fast-Abstieg aus der 2. Bundesliga war nicht einfach“, weiß er noch. „Aber der Club lebt von seinen Fans. Der FCN gehört zu den Top-Drei in Deutschland, was die Anhänger angeht.“
Fünf Jahre blieb er bei den Mittelfranken, „dann wurde ich nicht mehr gebraucht“. Unter Sportchef Olaf Rebbe, auch schon lange Vergangenheit, sollen „Altersstruktur und Gehaltsgefüge“ zur Trennung geführt haben. In dieser Zeit klopfte der FC 05 das erste Mal an. „Aber als Fußballer hofft man immer auf ein höherklassiges Angebot.“
Das kam von der Spvgg Unterhaching, immerhin 3. Liga. Und trotz des nicht verhinderten Abstiegs sagt Johannes Geis, dass er sich „auf keinen Fall“, dieses Gastspiel für nicht mal eine Saison besser erspart hätte. „Ich bin Manni und auch Markus Schwabl zu einem Riesendank verpflichtet. Dort habe ich auch unter Trainer Sven Bender den Spaß am Fußball wieder gefunden. In Nürnberg hat die Freunde im letzten Jahr abgenommen.“
Bei einem Klassenerhalt wäre sein Vertrag weiter gelaufen. So aber klappte es nun mit Schweinfurt und dem erstmaligen Auflaufen in seiner Geburtsstadt. Bei den Schnüdeln hat Geis Vertrag bis 2027, der kommende Saison freilich nur in der 3. Liga Gültigkeit hat. Und da sind wir auch schon beim sportlichen Problem…
„Es macht aber richtig Spaß. Noch ist keiner abgestiegen. Und wenn wir bis zum Winter den Anschluss schaffen, dann ist alles möglich!“ Woran es lag, dass bislang nur drei Punkte auf dem Konto stehen? „Auf der einen Seite fehlt uns natürlich das Glück. Bis auf die Partien in Ulm und gegen Aachen war immer etwas drin. Gegen Verl steht Jakob Tranziska noch zwei Mal alleine vor dem Tor und köpft Sebastian Müller an den Pfosten…“
Johannes Geis strahlt ansteckende Zuversicht aus. Gegen Verl musste er nach einem Schlag auf die Wade nach einer Stunde vom Feld. Danach fehlten seine Ruhe und Übersicht auf dem Feld, kippte spät die Partie. Der Test am Freitag gegen ausgerechnet den 1. FC Nürnberg (zweite Mannschaft, um 12 Uhr im Sachs-Stadion unter Ausschluss der Öffentlichkeit) ist das weniger wichtigere Spiel im Vergleich zum folgenden am Samstag danach gegen den VfB Stuttgart 2 in Großaspach.
Und wie lange will Geis noch spielen? „So lange es Spaß macht“, sagt er und könnte sich auch eine Fortsetzung der Karriere als Spielertrainer irgendwo unterklassig vorstellen. Dem Fußball will er auf alle Fälle beruflich erhalten bleiben, später dauerhaft ein Team zu coachen scheint denkbar.
In Schweinfurt wird´s ihn ewig wohl nicht halten. Die Familie baut gerade Haus in Hüttenbach im Nürnberger Land in der Region von Lauf an der Pegnitz. Das soll irgendwann der Lebensmittelpunkt werden. Bis mindestens Sommer 2026 wird es die Kugellagerstadt in Unterfranken sein. Und falls darüber hinaus – dann wäre der FC 05 wohl eine zweite Saison Drittligist. Träumen ist nach zehn von 38 Spielen durchaus noch erlaubt.
Fotos gleich. Vorher aber noch schnell das:
Die LVM-Versicherung präsentiert die gesamte Saison die Berichterstattung der Schnüdel aus der 3. Liga und drückt dem FC 05 stets die Daumen:








