SCHWEINFURT – Fünf Spiele sind´s noch, dann endet die furchtbar schief gegangene Saison für die Schnüdel in der 3. Liga. Übler hätte sie nicht verlaufen können, auch wenn die 250 beinharten Fans, die bei jeder der Partien dabei sind, auch auswärts, noch immer ihren Spaß haben und auch in Mannheim und Hannover 90 Minuten singen werden.
Hansa Rostock, 1860 München, Erzgebirge Aue – die drei Heimspiele sollten die Schweinfurter noch genießen, auch wenn die große Brisanz aus zwei Duellen gewichen ist, nachdem die Löwen nichts mehr mit dem Aufstieg zu tun haben, Aue so gut wie abgestiegen ist. Nach dem 5:1 gegen Ulm ist wenigens Rostock noch voll im Aufstiegsrennen dabei. Kommenden Samstag droht eine Invasion von der Ostsee.
Bei aller Liebe der Ultra-Fans zum FC 05 ist damit nur noch die Liebe zu den Spielern gemeint. Nicht mehr die zum mächtigen Markus Wolf, der als Geschäftsführer, Vorsitzender, sportlicher Leiter und vor allem Hauptsponsor alle Fäden in der Hand hielt und bei dem sich nun alle Kritik bündelte. Gar nicht mal wegen des zusammen gestellten Kaders. Verpflichtungen wie die von Johannes Geis, Erik Shuranov, Manuel Wintzheimer oder Tim Latteier machten absolut Sinn. Alleine: Sie brachten den Aufstiegskader nicht wirklich auf ein höheres Niveau.
Angekreidet wurde dem bald 58 Jahre alten Wolf viel mehr, dass er sich keine Profis in die Vereinsführung holte, diverse Posten zwar mit Externen bestückte (während er beim Kader auf Regionalität und Eigengewächse setzen wollte), dafür Interne vergraulte und beispielsweise für Andreas Brendler keine Tätigkeit fand, der zusammen mit Victor Kleinhenz das „Wunder Aufstieg“ bewirkte. Auch Kleinhenz ist längst Vergangenheit, gilt letztlich als „gescheitert“, so hart das auch klingen mag.
Unter Trainer-Nachfolger Jermaine Jones wurde es etwas besser, was die Resultate betrifft, aber auch unter dem Hessen zeigten sich die Schwächen im Kader, der in der jetzigen Zusammenstellung und mit dem Coach garantiert eine heiße Nummer wäre in der Regionalliga Bayern. Scheinbar aber wollte Wolf noch nicht mal Führungsspieler Geis halten, der sich öffentlich beschwerte, das selbst jetzt im April niemand mit ihm rede, wie es für ihn ab Sommer weiter gehen könnte. Nach wie vor fehlt ein sportlicher Leiter im Verein, der die Fäden in die Hand nehmen könnte.
Wie schon 1990/91 und 2001/02 vergab der FC 05 eine Riesenchance, sich im Profifußball wenigstens für einige Zeit zu etablieren. Vor 35 Jahren war es der fehlende Mut von Vorstand Peter Galm, überhaupt neue Spieler zur bestehenden Garde um Bernd Häcker, Mambo Mauder, Carsten Weiß oder Elmar Drenkard zu verpflichten. Vor 24 Jahren übertrieb es Präsident Gerhard Hertlein, der nach einer guten Hinrunde in ebenfalls der 2. Bundesliga vom Durchmarsch träumte und seinem Coach Djuradj Vasic Wünsche erfüllte wie David Bergner, Igor Budisa, Guido Gorges, Sven Günther oder Dejan Vukadinovic, der damit ein bestehendes Gerüst um Dieter Wirsching, Dirk Dorbath, Steffen Rögele, Matthias Gerhardt oder Steffen Stcokmann zerstörte und alte Leistungsträger verbannte.
Und 2025/26? Konkrete Fehler sind schwer aufzeigbar, außer dass es eben nicht reichte mit diesem Personal und das vielleicht ein externer Fachmann eher erkannt hätte als zuletzt bereits Kleinhenz oder recht schnell Jones. Es riecht nach einem ziemlichen Neuaufbau nächste Saison in einer nicht wirklich sonderlich attraktiven vierten Spielklasse, in der die Schnüdel das aufgebaute Interesse nur dann aufrecht erhalten werden können, wenn sie von Spieltag eins ganz oben mitkicken. Mit einem Kader, den anscheinend der Vorsitzende, Geschäftsführer und Hauptsponsor zusammen stellen wollte.
„Schlimmer als jeder Abstieg ist unsere Vereinsführung“, stand diesmal auf einem Banner. Gegen Essen war da zu lesen:“Liga 3: Krachend gescheitert – Liga 4: Machen wir so weiter?“ Das „M“ und das „W“ waren dabei rot gefärbt, ebenso das Fragezeichen. Böse Kritik an Markus Wolf, der seit Samstag Vergangenheit ist beim FC 05. Nach fast zwei Jahrzehnten.
Der Rücktritt mit sofortiger Wirkung klingt wie das Verhalten eines angepissten Leberkäs´, um mal die sprichwörtliche beleidigte Leberwurst zu vermeiden. „Stimmungen und Ausdrucksformen“ im Stadion würden eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr ermöglichen. Daher wolle Wolf „Raum für einen Neuanfang schaffen“. Von längerer Hand geplant oder eine Schnellschuss-Reaktion? Wohl eher Letzteres nach dem Plakat in Hoffenheim.
Kurios, dass es also gerade die bereits beschriebenen beinharten 250 Allesfahrer sind, die für Wohl und Wehe des FC 05 stehen. Einerseits hochgelobt für Präsenz bei jeder Partie und Stimmung von Minute 1 bis 90. Andererseits für Pyroshows, die dem Verein bislang bereits fast 40.000 Euro an Strafen in dieser Saison kosteten. Und zwei Brisanzspiele sowie das Abschluss-Feuerwerk folgen erst noch. Gegen Rostock steht der Böller-Gipfel an.
Dazu nun die Protestaktionen mit den deutlichen Botschaften. Was Markus Wolf sich freilich ankreiden lassen muss und was selbst verschuldet ist. Zu sehr wirkte er genauso beratungsresistent und wie ein Alleinherrscher, erinnerte an die Ära Gerhard Hertlein. Der führte den Verein erst von der Bayernliga in die 2. Bundesliga und dann in die Insolvenz.
Wie es ohne die Wolf Möbel-Sponsorengelder weiter gehen wird, bleibt abzuwarten. Angeblich gab es bereits ein Treffen der Gönner und Werbepartner, mit Wolf natürlich, nach außen drang nichts. Es darf durchaus im Raum stehen, dass dabei keine zufriedenstellenden Signale in Richtung des Hauptsponsors kamen, der ja mit aller Macht den direkten Wiederaufstieg anpeilen wollte. Denn wäre das der Fall und nöglich gewesen, hätte er nun nicht hingeworfen.
Wie geht´s weiter? Wenn man ehrlich ist, war der FC 05 in dieser Saison nichts anderes als ein Amateurverein. Was am Pressetag vor der Runde anfing, als Ratlosigkeit herrschte, wie man das Mannschaftsfoto machen solle bei strömenden Regen, obwohl der lange vorher im Wetterbericht angekündigt war. Als man Einzelfotos schießen wollte mit dem braunen Hintergrund des Hauptplatzes, auf dem gerade die Rasenheizung verlegt wurde. Als die Medien den Termin dann selbst in die Hand nahmen, der über zwei Stunden dauerte für Bilder, die auch in 30 Minuten machbar gewesen wären.
So wie die Runde startete, klingt sie nun aus. Mit wenig Erbaulichem, mit kaum Hoffnung auf eine gute Zukunft. In den acht Monaten dazwischen: Eine sportliche Talfahrt mit Höhepunkten, die nur deshalb welche waren, weil die Gegner reizvolles Neuland boten. Schon bald werden die drei Zusatztribünen in der Riedel Bau-Arena abgebaut und kann man den ersten Stock im V.I.P.-Zelt wohl dauerhaft extern vermieten. Die teure Rasenheizung bleibt und wird wohl so schnell nicht mehr benötigt werden…
Foto: Screenshot Magenta Sport
Die LVM-Versicherung präsentiert die gesamte Saison die Berichterstattung der Schnüdel aus der 3. Liga und drückt dem FC 05 stets die Daumen:


