KARLSTADT – Die Zeiten, in denen Decken das Einzige waren, das in der Kirche Wärme spendet, sind in der Pfarrkirche „Zur Heiligen Familie“ in Karlstadt (Landkreis Main-Spessart) vorbei. Eine neue Sitzheizung spendet den Gottesdienstbesuchern jetzt behagliche Wärme – und schont zudem den Geldbeutel der Kirchenstiftung.
Möglich wurde das nicht zuletzt durch einen 20-Prozent-Zuschuss des Klimafonds der Diözese. Dieser Zuschusstopf für Kirchenstiftungen wurde im vergangenen Jahr eingerichtet. Mit der Schlussabrechnung der Karlstadter Sitzkissenheizung ist nur die erste daraus geförderte Maßnahme komplett abgeschlossen. Für rund 47.500 Euro Gesamtkosten wurden damit jetzt etwa zwei Drittel der Sitzplätze ausgestattet, rund 30 Prozent der Kosten muss die Kirchenstiftung allein tragen. 10.000 Euro sind bislang schon an Spenden eingegangen, sagt Kirchenpflegerin Maritta Sommer-Fröhlich.
Das Problem, das das Gebäude in der kalten Jahreszeit hatte, ist typisch für viele Gotteshäuser: Die 1967 eingeweihte Kirche hat etwa 500 Sitzplätze und jede Menge Volumen. „Es war im Winter so, dass die Heizung mindestens drei Stunden lang laufen musste, um die Raumtemperatur um ein Grad zu erhöhen. Was da an Heizöl verbraucht wurde, kann man sich leicht vorstellen“, erzählt Dekan Simon Mayer. Die Warmluft-Ölheizung hatte zudem eine besondere Konstruktion: Die Warmluft wurde im Haupt- und den beiden Querschiffen jeweils an den höchsten Stellen ausgeblasen und durch Schächte unterhalb der Treppe zur Altarinsel wieder abgesaugt. „Die Ölheizung war derart unwirtschaftlich und uneffektiv, dass ich schon vor Jahren die Devise ‚Decken statt Heizung‘ ausgegeben habe“, sagt Mayer.
In enger Absprache mit der Abteilung Liegenschaften, der Abteilung Bau und dem Umweltbeauftragten sei dann die moderne Sitzheizung geplant worden. Bei einem Ortstermin überzeugten sich Ende März die Verantwortlichen vor Ort von der Funktion der neuen Heizung. Die Anlage hat mehrere Vorteile: Zum einen hat sie nur 30 Minuten Vorlaufzeit. Ein Temperaturfühler ermittelt die Raumtemperatur und passt dann die Leistung an. Außerdem schaltet sich die Anlage nach maximal drei Stunden Betrieb automatisch aus. „Keiner muss dann Angst haben, dass die Kirche überhitzt und der Stromzähler rotiert, nur weil vielleicht mal jemand das Ausschalten vergisst“, betont Mayer.
Die Installation sei relativ schnell und unkompliziert vonstattengegangen. Der Hausmeister und ein Assistent hätten die notwendigen Vorarbeiten wie Bohrungen in den Luftschächten für die elektrischen Leitungen erledigt, eine örtliche Elektrofirma dann an den Kirchenbänken die Transformatoren installiert und die beheizbaren Sitzkissen angeschlossen. „Die alten Sitzauflagen waren so gut mit den Bänken verklebt, dass wir sie am Platz belassen mussten“, erzählt der Dekan.
Mit dem Abschied vom Raumheizungssystem hin zu einer Personenheizung muss auf Feuchtigkeit und Lüftung etwas mehr Augenmerk gelegt werden. Um hier keine Folgeprobleme zu schaffen, wird parallel ein Raumklimamonitoring durch die Diözese angeboten. Sensoren nehmen Daten in der Kirche, eine Software wertet diese aus und gibt Lüftungsempfehlungen oder sendet gegebenenfalls Warnhinweise, damit rechtzeitig reagiert werden kann und Gebäude, Orgel oder weitere Ausstattung keinen Schaden nehmen.
Strom für etwa zwei Euro benötige die Heizung pro Gottesdienst. Einen Nachteil hat die neue Sitzheizung aber definitiv: „Beim jüngsten Kirchenkonzert gab es Beschwerden“, berichtet Mayer. Weil bei derartigen Veranstaltungen – anders als bei Gottesdiensten, bei denen auch mal zwischendurch gestanden oder gekniet wird – die Menschen lange Zeit auf dem Hintern saßen, sei es einigen zu warm geworden.
mh (POW)
Auf dem Bild © Markus Hauck (POW) | Freuen sich über die neue Sitzheizung (von links): Maximilian Braun, Klimaschutzmanager beim Bistum Würzburg, Dekan Simon Mayer, Kirchenpflegerin Maritta Sommer-Fröhlich, Architekt Burkhard Falkenberg von der Abteilung Bau des Bistums Würzburg und Bernd Wolfrum von der Abteilung Liegenschaften des Bistums.

