Erster Platz des Welthungerhilfe-Innovationswettbewerbs: Innovative Idee für „One Planet – Zero Hunger“

Erster Platz des Welthungerhilfe-Innovationswettbewerbs: Innovative Idee für „One Planet – Zero Hunger“

WÜRZBURG / SCHWEINFURT – Tierschonend Wildtiere vergrämen und landwirtschaftliche Ernten schützen: Dies ist die Aufgabe eines auf künstliche Intelligenz (KI) gestützten Systems, welches das Startup-Lab Werk:Raum der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) gemeinsam mit der Welthungerhilfe (WHH) im Rahmen des Projekts Nilbye entwickelt hat.

Innovative und nachhaltige Lösungen sind gefragter denn je, denn nach Jahren des Rückgangs steigt die Zahl der weltweit hungernden Menschen wieder an. Klimawandel, Umweltzerstörung, soziale Ungleichheiten und Konflikte verschärfen die Situation und bedrohen die Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen.

Die Herausforderung: Ernteverluste durch Wildtiere

In vielen ländlichen Regionen Indiens und anderer Länder zerstören Wildtiere innerhalb kürzester Zeit ganze Felder. Für Kleinbäuerinnen und -bauern, die direkt von ihren Erträgen leben, bedeutet dies massive Einkommensverluste, Ernährungsunsicherheit und dauerhaften Stress. Derzeit schützen viele Familien ihre Felder durch nächtliche Wachdienste und aktive Vertreibung der Tiere. Diese zeitintensive Aufgabe wird häufig von Frauen übernommen und schränkt deren Zugang zu Bildung, sozialer Teilhabe und anderen Erwerbsmöglichkeiten erheblich ein. Hier setzt Nilbye, ein automatisiertes, solares Vergrämungssystem, an: Ziel ist es, landwirtschaftliche Gemeinschaften zu entlasten, Ernteerträge zu sichern und zugleich Tiere nicht zu schädigen. „Nilbye wird als netzunabhängiges, solarbetriebene Gerät entwickelt, das insbesondere in strukturschwachen Regionen mit begrenzter Infrastruktur eingesetzt werden kann“, beschreibt Ilija Vrdoljak, technischer Laborleiter des Werk:Raum. Das System soll:

Wildtiere in Feldnähe mittels kamerabasierter Sensorik und KI erkennen
durch akustische Signale einen Abschreckungsmechanismen auslösen
an lokale Tierarten und Gegebenheiten angepasst werden können
die manuelle Feldbewachung deutlich reduzieren
kostengünstig, wartungsarm und skalierbar einsetzbar sein

Technologie für nachhaltige Wirkung

Mit Nilbye verfolgen die Projektpartnerinnen und -partner das gemeinsame Ziel, innovative technische Lösungen nutzbar zu machen, um strukturelle Herausforderungen in ländlichen Regionen wirksam anzugehen. Das Projekt steht exemplarisch für den Anspruch, technologische Innovation mit sozialer Verantwortung zu verbinden – und dem globalen Ziel „One Planet – Zero Hunger“ einen Schritt näherzukommen. Langfristig soll so ein Beitrag zu mehreren Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen geleistet werden, insbesondere zur Bekämpfung von Armut und Hunger sowie zur Verringerung geschlechterspezifischer und sozialer Ungleichheiten.

Innovation-Lab-Wettbewerb: Technologie für „One Planet – Zero Hunger“

Entstanden ist das Projekt Nilbye im Rahmen des #InnoLab2023, dem internationalen Innovationswettbewerb der Welthungerhilfe. Unter dem Leitgedanken „One Planet – Zero Hunger“ fördert das #InnoLab kreative Ideen aus den weltweiten Projektregionen der gemeinnützigen Organisation. Mitarbeitende entwickelten dort gemeinsam mit der Innovationsabteilung und externen Technologiepartnern, sogenannten Tech-Partnern, konkrete und praxisnahe Lösungen. Eine Fachjury aus internen und externen Expertinnen und Experten kürte schließlich die überzeugendste Idee. Der Wettbewerb 2023 stand ganz im Zeichen neuer Technologien wie KI, Robotik, Virtual Reality und digitaler Anwendungen. Fünf Finalistenteams aus Bangladesch, Indien, Madagaskar, Niger und Uganda präsentierten ihre Konzepte in einem „Shark Tank“-Finale in Bonn.

Als Tech-Partner überzeugte die THWS gemeinsam mit dem WHH-Länderteam aus Indien: Nilbye gewann dort den ersten Platz. „Mit Nilbye zeigen wir, wie technologische Innovationskraft und gesellschaftliche Verantwortung zusammenwirken können. Solche Kooperationen sind für uns als Hochschule von großer Bedeutung, weil sie Forschung, Lehre und gesellschaftliches Engagement miteinander verbinden und unseren Studierenden ermöglichen, an realen Herausforderungen mitzuwirken“, betont Prof. Dr. Volker Bräutigam, Gründungsprofessor an der THWS und Teil der Leitung des Werk:Raum.

Von der Idee zum Prototyp

Nach mehrwöchiger virtueller Zusammenarbeit reiste das indische Team zur THWS nach Schweinfurt, um im Werk:Raum gemeinsam mit dem Team des Werk:Raum und Studierenden intensiv am Konzept und einem ersten Prototyp zu arbeiten. In der Werkstatt des Startup-Labs wurde das System Schritt für Schritt weiterentwickelt und kontinuierlich optimiert. THWS-Studierende unterstützten bei der Entwicklung des Prototyps durch das indische Team. Die beteiligten Studierenden hatten so die Möglichkeit, an einer konkreten globalen Herausforderung direkt mitzuwirken und technische Lösungen im Sinne des „Learning by Doing“-Ansatzes zu erproben. Auf diese Weise konnten sie einen Lern- und Experimentierraum nutzen und durch „Trial and Error“, dt. Versuch und Irrtum, lernen, so Katharina Fernandez, Innovationsmanagerin im Werk:Raum.

Heute befindet sich Nilbye am Ende der ersten Entwicklungsphase und wird innerhalb der nächsten Wochen nach Indien versendet werden, um dort mit der WHH und kooperierenden Landwirten den ersten Feldtest durchzuführen. „Unser Ziel ist es, ein robustes und praxistaugliches System zu schaffen, das auch unter realen Bedingungen zuverlässig funktioniert“, lautet der Leitsatz von Horcio Serrano Leon, technischer Mitarbeiter im Werk:Raum und Mitentwickler von Nilbye.

Über das Projekt genes!s

Seit 1. März 2026 ist das Startup-Lab Werk:Raum Teil des genes!s Projekts. Mit genes!s startet die THWS ein Projekt, dass Gründungskultur im Hochschulkontext erfahrbar machen soll. Ein zentrales Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer neuen Transferarchitektur für eine gründungsorientierte Lehre an der THWS. Dabei steht die systematische Verankerung eines Gründungs-Mindsets im Hochschulkontext an erster Stelle, um Gründung als ein weiteres zentrales Strukturelement in der Lehre und Forschung zu etablieren und deutlich verstärkt als Vermittlungsauftrag zu begreifen. Gründung wird somit als zentraler Bestandteil der Bildungsaufgabe und des Profils der THWS in die Hochschulkultur integriert.

Auf den Fotos:

V. li.: Das Nilbye-Entwicklungsteam Leonard Eck, Horacio Serrano Leon, Katharina Fernandez und Ilija Vrdoljak mit dem Nilbye-Prototypen (Foto: Leonard Eck)

Die Gewinnerinnen und Gewinner des Innolab-Events „Shark-Tank“ in Bonn mit dem THWS- und Welthungerhilfe-Team (Foto: Welthungerhilfe)

Vertreterinnen und Vertreter der Welthungerhilfe mit den Teams aus Indien und Uganda zu Besuch im Startup-Lab Werk:Raum in der THWS (Foto: THWS/Katharina/Fernandez)

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