Ohne Poker-Möglichkeit zum Titel-Favoriten: Der TSV Bad Königshofen muss in Düsseldorf wahrscheinlich auf Xue Fei verzichten

Ohne Poker-Möglichkeit zum Titel-Favoriten: Der TSV Bad Königshofen muss in Düsseldorf wahrscheinlich auf Xue Fei verzichten

DÜSSELDORF / BAD KÖNIGSHOFEN – Die Fans des TSV Bad Königshofen sind grundsätzlich verzeihende und verlassen oft selbst nach einer Heimniederlage gut gelaunt die Shakehands-Arena, weil sie großen Sport und prickelnde Spannung in der Tischtennis-Bundesliga erlebt haben.

Und weil man bisher wirklich nie richtig Angst um den Klassenerhalt haben musste. Man sah stets aufgrund der gebotenen Leistungen der eigenen Spieler Luft nach oben. Von der tollen Atmosphäre in der Halle profitieren meistens auch die Gäste, sind höchst motiviert, weil sie solches nicht gewöhnt sind.

Wen wundert´s, dass deshalb die Auswärtsbilanz der Königshöfer besser ist als jene daheim. Die jüngste 0:3-Heimniederlage gegen Bergneustadt hallte aber lange negativ nach. So sehr war das Team noch nie gedemütigt worden. Und das von einem Gegner, den man auswärts mit demselben Ergebnis geschlagen hatte.

Aber das Wie hinterließ Eindruck und eine ganz andere Stimmung. Aber nie die Forderung, dass das Desaster nur wettzumachen wäre mit einem Sieg gegen den Größten des deutschen Tischtennis: Diesen Mittwoch (18.30 Uhr) bei Rekordmeister Düsseldorf (34x), Rekord-Pokalsieger (28x) und 16 Titeln auf europäischer Ebene.

Wirklich daran glauben mag eigentlich niemand. Selbst wenn es nicht das erste Mal wäre, dass die Grabfelder in der ARAG-Arena den amtierenden und/oder späteren Meister schlagen. Am vermeintlichen Abstieg-Verhinderer Xue Fei wäre ein solcher Coup freilich nicht festzumachen. Er wird nämlich aller Voraussicht nach nicht dabei sein, wie die Verhandlungen vor gut einer Woche ergaben.

In denen sich zeigte, dass Verträge mit Sportlern aus einem autokratischen Land wie China Schall und Rauch sind. Verdächtig war schon lange, dass Xue Fei, erst dreimal überhaupt, nie für länger als ein Spiel da bleiben durfte, vom Verband an der kurzen Leine wie ein unreifer Jugendlicher gehalten wurde.

Vertraglich zugesagte „maximal sechs Spiele“ bedeutete vernünftig eingeteilt zwei Blöcke mit je drei Einsätzen. Aus TSV-Sicht, nicht aus chinesischer. Nun sieht es danach aus, dass er überhaupt nicht mehr zu den verbleibenden vier Spielen eingeflogen wird. „Wir wissen es einfach nicht, ob er raus darf. Das liegt nicht in unserer Macht, selbst wenn wir eine Million geben würden“, gibt Geschäftsführer Matthias Braun zu bedenken.

Der Grund: Xue Fei werde als Trainingspartner mit Penholder-Griff für die allerbesten Chinesen gegen die europäischen Topspieler Felix Lebrun und Dang Qiu benötigt. Da ist ein Verein in Kleinstformat wie der TSV Bad Königshofen eben doch kein ebenbürtiger Vertragspartner. „Wir haben das null in der Hand.“ Seriös sieht anders aus. Im Vergleich zu Xue Fei, zehntbester Chinese auf der Weltrangliste, ist Saarbrückens Olympiasieger und Weltmeister Fan Zhendong ganz anders emanzipiert. Von ihm wird berichtet, dass er die nächste Saison für wen bestreitet? Richtig: Für Borussia Düsseldorf.

Dass über den Abstieg der einen Mannschaft aus der TTBL nicht rein sportlich entschieden wird, war schon bisher zu beobachten. Düsseldorfs Manager Preuß nennt sie „Hausmeister-Mannschaften“, wenn mal wieder ein Spiel, aus welchen Gründen auch immer, abgeschenkt wird. Auf Dauer gesehen wird sich das mit Sicherheit für die Sportart insgesamt bzw. die Tischtennis-Bundesliga rächen.

Was kann Bad Königshofen dagegen tun? Braun nennt es, „das Sieger-Gen zurück bekommen.“ Pokern bei der Aufstellung könne der TSV ohne Xue Fei eh nicht: „Wir werden mit vier Spielern rauf fahren“, also mit Bastian Steger, Daniel Habesohn, Andre Bertelsmeier und Filip Zeljko. Unter Druck sieht er sie dort nicht. Aber mit dem Selbstverständnis, „alle anderen Mannschaften müssen wir auch ohne Xue Fei schlagen, wenn wir Erstliga-tauglich sein wollen.“

Text und Foto: Rudi Dümpert für www.mainfranken.news

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