Die „Schwärz“ wird zu Rot: Was die Übernahme des Schweinfurter Rathauses durch die SPD für die Bürger und die CSU bedeutet

Die „Schwärz“ wird zu Rot: Was die Übernahme des Schweinfurter Rathauses durch die SPD für die Bürger und die CSU bedeutet
Foto: ChatGPT / künstliche Intelligenz

SCHWEINFURT – 32 lange Jahre herrschte „die Schwärz“ im Schweinfurter Rathaus. Während die 16 Jahre unter Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser noch als Zeit des Aufschwungs registriert wurden, werden die 16 folgenden unter ihrem CSU-Nachfolger Sebastian Remelé eher eingehen als Ära der sich anbahnenden Krise.

Deshalb darf man nun gespannt sein, wie Ralf Hofmann das jetzt wieder rote statt schwarze Rathaus führen wird.

Erschreckend: Nur 15.155 der 37.955 wahlberechtigten Schweinfurter machten diesen Sonntag mit. Eine Beteiligung von unter 40 Prozent zeigt, dass der Mehrheit der Kugellagerstädter es entweder völlig egal ist, wer Oberbürgermeister wird – oder die Überzahl der Schweinfurter traut das Amt eben beiden Kandidaten nicht zu.

3.191 Stimmen gingen am 8. März an AfD-Mann Dr. Thomas Felsner. Die Alternative für Deutschland und deren nun gestärkter Stadtverbund ließen es sich natürlich nicht nehmen, den Wahlausgang von Sonntag in den sozielen Medien zu kommentieren. mit dem schwarz-weißen Bild des Schweinfurter Rathauses mitten in einem Gewitter.

„Angesichts der Probleme in der Stadt kann man ihm nur eine glückliche Hand wünschen“, gratulierte die AfD zunächst mal dem neuen starken Mann Ralf Hofmann. Um dann zwei bemerkenswerte Dinge zu erwähnen. Zum einen die Wahlbeteiligung: 73 Prozent der Schweinfurter hätten dem neuen Oberbürgermeister nicht ihre Stimme gegeben. Zum anderen den Verlierer: CSU-Mann Oliver Schulte steigerte sich von 4.609 Stimmen im ersten Durchgang auf gerade mal magere 4.860. „Er konnte so gut wie nichts dazugewinnen. Es sieht ganz so aus, als ob sich die Wähler der AfD an die Brandmauer der CSU gehalten haben. So was kommt von so was…“, kommentiert die AfD.

Für die CSU ist bitter, dass die bisherige Mehrheit im Stadtrat zusammen mit den Grünen weg ist. Susanne Brand rückt als 12. SPD-Stadträtin auf der gemeinsamen Liste mit Volt nach. 4.610 Stimmen bekam sie am 8. März. Und somit – auch wenn das Wahlsystem natürlich nicht vergleichbar ist – nur knapp weniger als Oliver Schulte 14 Tage danach.

Bedeutet: Die SPD hat 12 Stadträte plus die Stimme des neuen OB. Sie haben nun die auf drei Personen halbierten Grünen auf ihrer Seite, die Schulte ihre Unterstützung versagten. Zudem signalisierten die neue Fraktion der „Freien“ (fünf Städträte) und die zwei Linken ihr Wohlwollen, natürlich nur mit gemeinsamer Sache dann, wenn es um das Wohl der Stadt Schweinfurt geht und nicht um Parteipolitik. Dann würden da wohl auch die zwei VertreterInnen der Initiative Zukunft/ÖPD mitstimmen.

Während seit 2020 17 Sitze der CSU plus OB Remele und sechs Grüne automatisch immer eine Mehrheit bedeuteten, sind es nun 23 oder gar 25 Stadträtinnen und Stadträte plus OB, die SPD-Themen oder eben Sinnvolles, Hilfreiches oder Soziales für die Stadt zusammen beschließen können. Gegen 20 Personen von CSU und AfD im Stadtrat, die aber ohnehin nicht gemeinsam arbeiten wollen. Die „Schwärz“ ist weg aus dem Rathaus, das „Mia san Mia“-Denken kann verschwinden. Vorbei ist auch die Zeit, als ein CSU-Stadtrat Werner Christoffel, jetzt abgewählt, unliebsame Diskussionen gegen die CSU einfach beenden konnte, indem er den Antrag dazu stellte. Mit mehr ist er die letzten Jahre bei den Sitzungen nicht aufgefallen. Auch sowas strafen die Wähler anscheinend ab.

Stellt sich die Frage, wer die Verantwortung für das doppelte Debakel der CSU übernimmt, die mit Gabriele Jakob schon eine Landratskandidatin ins Rennen schickte, die überhaupt nicht ankam beim Wähler, die krachend gegen SPD-Landrat Florian Töpper scheiterte, obwohl der gesamte Landkreis Schweinfurt nach wie vor pechschwarz ist.

Unvermeidbar fällt der Name Stefan Funk. Der ist seit ein paar Jahren ein gut beschäftigter Bezirkstagspräsident, landete mit Listenplatz drei nur auf Platz acht im internen CSU-Stadtrats-Ranking, ist seit unzählbaren Jahren Stadtrat und seit 2008 Fraktionsvorsitzender.

Vor knapp drei Jahren gab´s große Kritik, weil die schwarz-grüne Mehrheit im Stadtrat Funks Lebensgefährtin Sabine Schröder als neue Personalamtsleiterin durchwinkte. Das gefiel der Opposition nicht – und bestimmt auch fanden es Schweinfurter, die sich mit der Kommnalpolitik beschäftigen, nicht unbedingt richtig gut.

Das Resultat ergab sich nun an den Wahlurnen. Auch wenn die Mehrheit der Bürger anscheinend nicht wirklich am Wohle Schweinfurts interessiert ist. Es liegt nun an Ralf Hofmann, der SPD und ihren Unterstützern, Schweinfurt mit ehrlicher Politik wieder voran zu bringen und die Verdrossenheit zu verdrängen. Ab 1. Mai haben sie rund sechs Jahre dafür Zeit.

Aktuell freilich müssen die bisherigen Stadträte erstmals für die klammen Kassen einen Haushalt aufstellen. Mit dem dann die neuen Stadträte zu arbeiten haben… Und künftig sitzt Ralf Hofmann an vorderster Front und neben ihm die Riege der vier Referenten, die alle wie auch ein Großteil der verantwortlichen Rathaus-Mitarbeitern dem Lager der CSU zuzuordnen sind. Spannend, wie das die nächsten sechs Jahre gut gehen soll.

Foto: ChatGPT / künstliche Intelligenz

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