SCHWEINFURT – Tobias Burkert ist ein (junger) Mann der klaren Worte. Im Wahlkampf fiel er mit deutlichen Statements und Engagement auf, von Listenplatz elf aus reichte es für ihn aber nicht für einen Platz im Stadtrat. Er trat für die Freien Wähler an. Und ist nun…
… durchaus nicht einverstanden, dass FW-Spitzenkandidat Stefan Labus genauso wie die ebenfalls als Oberbürgermeister-Kandidaten beim Ziel Stichwahl gescheiterten Axel Schöll (FDP) und Holger Laschka (Grüne) zusammen mit den Linken ein Bündnis eingehen mit SPD-OB-Kandidat Ralf Hofmann, der damit mutmaßlich sicher am Sonntag zum neuen Stadtoberhaupt gewählt wird. Unten der Link zum Bericht über die Pressekonferenz am Montagmorgen.
„Ich sehe mich selbst als jemand, der anpackt und Dinge voranbringt. Das hat mir immer imponiert. Ich habe diesen Anspruch geschätzt und gerne dafür gekämpft. Für diese Erfahrung bin ich sehr dankbar“, schreibt Tobias Burkert nun in den sozialen Medien und greift damit die Wörter von FW-Spitzenkandidat Labus auf, der im Wahlkampf von „einfach machen“ gesprochen hatte, vom Anpacken, vom klaren Kurs oder eben vom Anspruch, ein Macher zu sein.
Und nun beginnt seine Kritik. Denn Burkert will sich „selbst treu bleiben“ und zeigt sich vom Bündnis der fünf Parteien überrascht. Denn: „Gerade gegen Teile dieser jetzigen Partner wurde im Wahlkampf noch klar und äußerst deutlich Stellung bezogen – dieser plötzliche Richtungswechsel passt für mich und meine Werte nicht zusammen.“
In den letzten Stunden hätten ihn viele Menschen kontaktiert – Wählerinnen und Wähler, Unterstützer, aber auch Kandidatinnen und Kandidaten der Freien Wähler mit starken persönlichen Ergebnissen. „Viele von ihnen sind enttäuscht“, schreibt Burkert – besonders diejenigen, „die uns persönlich ihr Vertrauen geschenkt haben“. Sie könnten diesen Kurs nicht nachvollziehen. „Nach der Wahl hätte man neutral bleiben sollen. Aber so ist die politische Welt wohl.“
Auch wenn Tobias Burkert in diese Entscheidungen nicht eingebunden war, möchte er sich „ausdrücklich bei allen entschuldigen, die mich gewählt haben und jetzt enttäuscht sind. Ich kann diesen Unmut sehr gut nachvollziehen. Das entspricht nicht dem Weg, für den ich angetreten bin und auf dem ihr mich unterstützt habt. Ich halte diese Konstellation/das Vorgehen moralisch für verwerflich – und kann sie nicht mittragen.“
Viele Bürgerinnen und Bürger hätten ihn gewählt, „weil sie genau diese Unabhängigkeit wollten. Dieses Vertrauen ist für mich keine Verhandlungsmasse. ´Einfach machen´ heißt für mich nicht, nach der Wahl politische Linien beliebig zu verändern. ´Einfach machen´ heißt für mich: Zu dem zu stehen, was man vorher vertreten hat“, schreibt Burkert.
Für ihn ist klar: „Ich respektiere die Entscheidung – aber ich gehe diesen Weg nicht mit. Denn am Ende geht es für mich um mehr als ´Politik´. Ich möchte auch morgen noch in den Spiegel schauen können.“ Er schließt sein Posting mit den besten Wünschen an Stefan Labus. Und rät: „Keine Show. Einfach machen. Aber ehrlich.“
Zustimmung erhält er spontan von Dr. Ulrike Schneider, die ebenfalls die Stichwahl verfehlte, die mit ihrer Initiative Zukunft/ÖDP aber bewusst keine Wahlempfehlung abgeben will. In erster Linie, weil sie keinen der beiden übrig gebliebenen Kandidaten für wirklich geeignet für das Oberbürgermeister-Amt hält.
„So treffend analysiert und kommentiert… ! Ich kann Ihre Enttäuschung verstehen“, richtet Dr. Schneider Worte an Tobias Burkert. „Wir haben diesen geraden Weg gewählt und unsere Türen stehen weit offen für all die, die Politik um der Sache, um der Werte Willen machen möchten. Das Schachern, das Taktieren, das Streben nach Pöstchen ist unsere Sache nicht. Es geht um viel mehr… um Vertrauen in die Politik… und die schwindet mehr und mehr“, schreibt die engagierte Stadträtin.
Foto: Künstliche Intelligenz / Facebookseite von Tobias Burkert

