Kreistagswahl 2026 im Kreis Haßberge: Neue Kräfteverhältnisse nach Klinik-Schließung in Ebern

Kreistagswahl 2026 im Kreis Haßberge: Neue Kräfteverhältnisse nach Klinik-Schließung in Ebern
Foto: Ebern Magazin

EBERN – Das Ergebnis der Kreistagswahl im Landkreis Haßberge kam in einer politisch spannungsgeladenen Situation zustande. Nur wenige Wochen zuvor war zum 31. Dezember 2025 das Krankenhaus in Ebern geschlossen worden – ein Beschluss des Verwaltungsrats der Haßberg-Kliniken, dem neben dem Haßberge-Landrat auch Mitgliederdes Kreistags Haßberge angehören.

Die Entscheidung hatte viele Bürger/innen bewegt. Entsprechend aufmerksam wurde beobachtet, wie sich die Stimmung bei der Wahl am 8. März 2026 niederschlagen würde.

Im Kreistag waren 60 Sitze zu vergeben. Das Gremium entscheidet über zentrale Fragen der Landkreispolitik – von Infrastruktur und Finanzen bis zur Gesundheitsversorgung. Die Wahl brachte einige Verschiebungen: Erstmals zieht eine weitere politische Gruppierung indas Parlament ein. Damit sind künftig neun Parteien beziehungsweise Wählergruppen im Kreistag vertreten.

CSU bleibt mit leichten Verlusten stärkste Kraft

Trotz leichter Verluste bleibt die CSU mit Abstand stärkste politische Kraft im Landkreis. Sie erreichte 33,9 Prozent der Stimmen (minus 1,44 Punkte) und stellt nun nur noch 20 Kreisräte. Auf Platz zwei folgen die Freien Wähler beziehungsweise Wählergemeinschaften mit 15,5 Prozent und künftig neun Sitzen. Auch sie verloren leicht.

Die SPD kommt auf 11,9 Prozent und stellt sieben Kreisräte. Die Grünen erreichen 8,2 Prozent und erhalten fünf Sitze. Ebenfalls fünf Mandate gehen an die Junge Liste (7,7 Prozent).

Kleinere Gruppierungen bilden die FDP / Freie Bürger sowie die ÖDP mit jeweils zwei Sitzen. Die Linke legte leicht zu und ist künftig ebenfalls mit zwei Kreisräten vertreten.

Neu im Kreistag ist die AfD, die auf Anhieb acht Mandate gewann und damit das Kräfteverhältnis im Gremium spürbar verändert. Ihr Einzug führte zu Sitzverlusten bei mehreren Parteien. Besonders betroffen waren SPD sowie FDP / Freie Bürger, die jeweils zwei Mandate einbüßten. Auch Freie Wähler, CSU, Grüne, Junge Liste und ÖDP verloren jeweils einen Sitz.

Hohe Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung lag im Landkreis bei gut 72 Prozent und damit höher als bei der Kreistagswahl sechs Jahre zuvor. Zwischen den Gemeinden gab es jedoch deutliche Unterschiede. In Ebern beteiligten sich 74,8 Prozent der Wahlberechtigten. In Zeil am Main lag die Quotebei 64,3 Prozent, in Haßfurt lediglich bei 61,9 Prozent.

Landratswahl: Michael Ziegler gewinnt

Michael Ziegler (CSU) setzte sich bei der Landratswahl klar durch. Der bisherige Bürgermeister von Eltmann erreichte landkreisweit 64,9 Prozent der Stimmen und tritt damit die Nachfolge von Wilhelm Schneider (CSU) an, der seit 2014 Landrat war und 2026nicht mehr kandidierte.

Im Vergleich zur Landratswahl 2020, bei der Schneider 68,2 Prozent erreicht hatte, entspricht dies einem Rückgang von 3,3 Prozentpunkten. In Ebern fiel das Ergebnis für Ziegler deutlich schwächer aus: Dort kam er auf 61,7 Prozent – rund 16,7 Punkte weniger als Schneider 2020.

Schneider zieht trotz Listenplatz 60 in den Kreistag ein

Der frühere Landrat Wilhelm Schneider kandidierte 2026 noch einmal für den Kreistag – allerdings auf dem letzten Listenplatz der CSU (Platz 60). Ein solcher Platz gilt normalerweise als aussichtslos. Dennoch gelang ihm der Einzug ins Gremium. Mit 19.178 Stimmen sicherte er sich ein Mandat. Beobachter führen das Ergebnis auch auf seine starke Präsenz in regionalen Medien in den Monaten vor der Wahl zurück.

In Ebern erhielt Schneider 1.844 Stimmen und belegte dort auf der CSU-internen Liste Rang zwölf – ein Ergebnis, das einige Beobachter überraschte, da er während seiner Amtszeit an der Entscheidung zur Schließung des Eberner Krankenhauses maßgeblich beteiligt gewesen war. Dabei ist zu beachten, dass die Wähler/innen für einen Bewerber bis zu drei Stimmen vergeben konnten.

Krankenhausdebatte prägte den Wahlkampf mit Online-Petition

Die Zukunft des Krankenhauses Ebern hatte den politischen Diskurs im Landkreis zuvor stark geprägt. Im Sommer 2025 sammelte eine Online-Petition zum Erhalt der Klinik zahlreiche Unterstützerunterschriften. Der neue Landrat wird nun die Unterschriften entgegennehmen dürfen. Über die Plattform OpenPetition wurden damals auch alle Kreisräte um eine Stellungnahme gebeten – geantwortet hatten allerdings nur fünf von ihnen.

Zu ihnen gehörte die Eberner Kreisrätin und Bürgermeisterkandidatin Isabell Zimmer (CSU), die erklärte, sie würde einen Antrag zum Thema Krankenhaus unterstützen, sofern sich im Kreistag ausreichend Mitstreiter fänden (sie fanden sich nicht). Zudem sprach sie sich für eine öffentliche Anhörung im Kreistag aus. Bei der Kreistagswahl erhielt sie in der Stadt Ebern 5.669 Stimmen.

Andere Kreisräte hatten sich klar gegen einen Fortbestand des Eberner Krankenhauses ausgesprochen – etwa Heinrich Goschenhofer (FDP / Freie Bürger), der wirtschaftliche Gründe anführte. Er kandidierte 2026 jedoch nicht mehr.

Auch Vertreter von ÖDP, Grünen, FDP / FB sowie Freien Wählern / WG und SPD hatten sich zuvor skeptisch oder sogar offen ablehnend geäußert. Einige von ihnen traten erneut zur Kreistagswahl an, andere verpassten den Wiedereinzug wie der Haßfurter Noch-Bürgermeister Günther Werner.

Kreistag bleibt männlich geprägt

Auffällig bleibt die Geschlechterverteilung im neuen Kreistag. Von den 60 Mitgliedern sind nur 16 Frauen. Ein ausgeglichenes Verhältnis erreicht lediglich eine Fraktion: Bei den Freien Wählern verteilen sich die Sitze auf jeweils vier Frauen und vier Männer. In der CSU-Fraktion sind neun der 20 Gewählten Frauen.

Viele bekannte Namen bleiben im Amt

Trotz einzelner Verschiebungen bleibt der Kreistag personell weitgehend vertraut. Viele bekannte Namen wurden erneut gewählt, eine deutliche Verjüngung des Gremiums blieb aus.

Zu den Wiedergewählten in den Kreistag gehört auch der SPD-Politiker Jürgen Hennemann. Sein Erfolg sorgte für Verwunderung, weil er parallel die Bürgermeisterwahl in Ebern deutlich verloren hatte. Für seine Kreistagskandidatur erhielt Hennemann insgesamt 11.453 Stimmen. Besonders stark war er in seiner Heimatregion, dem Altlandkreis Ebern: Allein aus der Stadt Ebern kamen 3.393 Stimmen. Auch in Maroldsweisach, Untermerzbach und Pfarrweisach erzielte er vergleichsweise hohe Werte.

Deutlich schwächer fiel die Unterstützung in weiter entfernten Teilen des Landkreises aus – etwa in den Gebieten der Altlandkreise Hofheim i.Ufr. und Haßfurt.

Während sich der neue Kreistag nun konstituiert, bleibt abzuwarten, wie sich die neuen politischen Kräfteverhältnisse in der Praxis auswirken werden. Sicher ist bereits jetzt: Vielebekannte Gesichter werden weiterhin die politischen Entscheidungen im Landkreis Haßberge prägen.

Link zur Online-Petition:
https://www.openpetition.de/petition/stellungnahme/erhalt-der-hassberg-klinik-ebern-und-wiedereroeffnung-der-stationaeren-chirurgie

Foto: Ebern Magazin

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