BAD KÖNIGSHOFEN – Als durchsickerte unter den 550 Zuschauenden, dass er da ist, wusste jeder, wer gemeint ist und dachte jeder, „dann gewinnen wir.“ Die zentrale Hoffnungsfigur Xue Fei des Tischtennis-Bundesliga-Abstieg-gefährdeten TSV Bad Königshofen war rechtzeitig eingeflogen worden.
Und so aufgestellt, dass er zwei Einzel gewinnen möge, das erste gegen den Franzosen Romain Ruiz. Es war aber ein Trugschluss. In die Rechnung war auch schon die Nachricht mit einbezogen, dass vor dem ersten Ballwechsel in dieser Partie in Saarbrücken der Tabellenletzte Grünwettersbach 1:3 verloren hatte.
Die Rechnung platzte gleich beim ersten Zwischenergebnis. Nach Xue Feis 0:3-Schlappe hieß es 0:1. Am Ende stand die in Tischtenniskreisen so genannte „white wash“: eine 0:3-Niederlage mit 0:9 Sätzen. Die hatte es für den TSV Bad Königshofen in den neun Jahren 1. Bundesliga erst ein Mal gegeben, in einem Heimspiel vor vier Jahren gegen Werder Bremen.
Und es war zugleich eine Ergebnis-mäßig lupenreine Revanche des TTC Schwalbe Bergneustadt für dessen 0:3-(1:9 Sätze)-Heimniederlage in der Vorrunde – ohne Xue Fei beim TSV, dafür mit Filip Zeljko (diesmal beim Militär in Kroatien) und ohne Daniel Habesohn (auf der Ersatzbank). Die Stimmung in der Shakehands-Arena war bis zum Shakehands der beiden Teams vor dem ersten Satz nahezu euphorisch. Es hatte eigentlich alles gepasst: Jener klare Hinspiel-Sieg und die Aussicht, einen vorentscheidenden Schritt Richtung Klassenerhalt zu tun. Man hatte halt die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Dafür mit viel Polit-Prominenz im VIP-Bereich, von kommunaler über regionale bis Landtags-Ebene. Nach der Wahl ist vor der Stichwahl!
Aber dann machten die Gastgeber keinen Stich. Sportlich war jeder Bergneustädter in fast jedem Ballwechsel eine Nuance stärker als sein Königshöfer Gegner, gewann dadurch die meisten Bälle (insgesamt 71:104), jeden Satz (0:9) und das Spiel (0:3). Klarer geht nicht.
Der Spielfilm begann gleich, desaströs empfunden, mit der ersten Abfuhr des Abstieg-Verhinderers Xue Fei gegen den Franzosen Romain Ruiz. Der wie aufgedreht spielte und motiviert war bis in die Haarspitzen wie das gesamte Team aus dem Oberbergischen. Jene Überraschungsmannschaft der Saison, Tabellenvierter und heißer Playoff-Kandidat, der letztendlich den Königshöfern eine Abfuhr erteilte, einer Demontage gleich vom ersten bis zum letzten Ballwechsel. Eigentlich sollte man ja gewarnt gewesen sein vor Ruiz` Qualität, der auch schon den Olympiasieger und Weltmeister von Saarbrücken Fan Zhendong geschlagen hatte.
Ruiz demaskierte auch Xue Fei mit seiner von seinen Drumherum-Gehabe begleiteten, höchst selbstbewussten und top aggressiven Spielweise: Ärmel des Schlagarms hoch gekrempelt über die Schulter, den Ball vor eigenem Aufschlag hoch werfend und zwischen den Lippen aufsaugend: ein Showmaker auf der Tischtennis-Bühne, aber ein durchaus fairer und eben unerschrockener und taktisch bestens eingestellter Chinesen-Bezwinger. Der sich auch durch drei verschlagene eigene Aufschläge im zweiten Satz nicht irritieren ließ. Ruiz entzauberte den vermeintlichen Zauberer, legte damit auch emotional und mental den Grundstein für den Auswärtssieg.
Dass Andre Bertelsmeier (20) diesen Lapsus ausgleichen, die Umkehr-Sensation gegen Benedikt Duda (31), bester Deutscher als Nr. 11 der Weltrangliste, schaffen würde, war weniger erwartet worden. Schon im ersten Satz (5:11) wurden TSV-Positiv-Vordenker eines Besseren belehrt. Der Unterschied von 48 Weltranglisten-Plätzen und elf Lebensjahren an Erfahrung war erkennbar. Nur im zweiten Satz war eine Wende kurz in Sicht, vergab Andre aber drei Satzbälle beim 13:15. Duda ist noch eine Nummer zu groß für seinen Nationalmannschaftskollegen.
Dann begann eine Neu-Kalkulation: Wenn Bastian Steger den Belgier Leo de Nodrest schlagen würde, dann sich Xue Fei gegen Duda revanchierte und das Doppel Steger/Habesohn gewänne… Zu viele Konjunktive, kein einziger ging auf. Steger spielte in Normalform, die beiden begeisterten das Publikum mit Ballwechseln, bei denen man die Luft anhalten musste. Aber am Ende dieser Rallye genannten Schlagabtausche machte de Nodrest meistens den Punkt. Er spielte einfach in der Form seines Lebens – mit Ballwechseln, die man nicht für möglich gehalten hätte. So wie vorher dieses Endergebnis.
Tischtennis Bundesliga Männer: TSV Bad Königshofen – TTC Schwalbe Bergneustadt 0:3
Xue Fei – Romain Ruiz 0:3 (7:11/8:11/9:11)
Andre Bertelsmeier – Benedikt Duda 0:3 (5:11/13:15/7:11)
Bastian Steger – Leo de Nodrest 0:3 (7:11/(5:11/10:12)
Zuschauende: 550
Text und Fotos: Rudi Dümpert für www.mainfranken.news


