Vier Tage vor dem Ende der Spiele darf man bereits ein Fazit zu Olympia in Mailand und Cortina ziehen. Es fällt a.) ernüchtern und b.) sensationell begeisternd aus für die Delegation Deutschlands.
Wobei die Wettkämpfe geteilt werden müssen: Die im Cortina Sliding Centre, sprich – Auf der Bob- und Rodelbahn – und die restlichen. Hier ist Deutschland top. oberste Weltklasse – da sind wir auf Augenhöhe mit Nationen wie dem schnee- und eislosen Brasilien oder dem berglosen Niederlanden.
Der Mittwoch hat´s mal wieder gezeigt: Im Slalom ist schon am ersten Tor Schluss, im Eishockey schießt uns eine Nation mit knapp 5 Millionen Einwohnern ab. Im Eisschnellauf müssen wir froh sein, wenn unsere Athleten nicht stürzen. Bei Ski Freestyle, Snowboard, Shorttrack oder Curling finden wir eigentlich gar nicht statt. Auch nicht mehr beim Biathlon, wo es anscheinend genauso wie beim Skispringen an Nachwuchs mangelt.
Kurzum zusammen gefasst: Deutschland funktioniert sportlich im Winter nur noch dann, wenn man sich oben auf etwas mit Kufen setzt und dank der Schwerkraft ohne Einsatz von Kraft, Taktik, Spielintelligenz, Ausdauer, Körpergeschick, Zielsicherheit oder Fluggefühl nach unten kommt.
„Rasende Weißwurst“ wurde Rodel-Olympiasieger Georg Hackl mal genannt. Überspitzt gesagt: Ein bisschen Körpermasse mehr hilft bei diesen Sportarten, um schneller an´s Ziel zu kommen. Dazu der beste Bob oder Schlitten. So richtig mit Sport hat das nur am Rande etwas zu tun. Im Medailenspiegel geht´s seit Jahren genauso schnell bergab wie im Olympischen Eiskanal. Das eine ist schlecht, das andere gut.
Michael Horling
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Foto: ChatGPT / künstliche Intelligenz

