BAD KÖNIGSHOFEN – Es war dies in der Shakehands-Arena wieder mal das alte Lied: Die Gäste aus Ochsenhausen hatten mit Shunsuke Togami den überragenden Spitzenspieler in ihrem Top-Aufgebot, der beide Einzel gewann. Ihr Trainer Bogdan Pugna musste, nicht wie ein paar Tage zuvor in Bremen, selber nicht mitspielen.
Und hinter dem vom Ex-Königshöfer Jin Ueda persönlich trainierten Weltklasse-Athleten Togami, Nr. 18 der Weltrangliste, würde eine der drei weiteren Optionen, den dritten Punkt zu holen, schon noch greifen. Sie griff: Der Rumäne Iulian Chirita war als Dreier gleich die erste Option erfolgreich.
So kam die elfte Niederlage im 17. Saisonspiel der Königshöfer zustande. Ochsenhausen beendete seine kurze Niederlagenserie, rückte auf Platz fünf vor. Während der TSV zunächst keinen weiteren Befreiungsschlag im Abstiegskampf setzen konnte. Doch nicht nur das lief schief in den frühen Sonntagabendstunden. Bei der wenig später begonnenen Partie in Mühlhausen gewann der Tabellenletzte TTC Grenzau nach 1:2-Rückstand noch überraschend mit 3:2 und zog mit dem TSV nach Pluspunkten gleich.
Bei den Grabfeldern hat man damit aufgehört zu hadern, dass man wieder mal auf Xue Fei und Andre Bertelsmeier aus diversen, vertraglich bedingten Gründen verzichten musste. So funktioniert TTBL-Tischtennis eben schon länger. Angekommen ist dies beim TSV erst in dieser Saison.
Das Machbare gemacht hat der exponierte Verantwortungsträger der Gastgeber Bastian Steger gleich zum Auftakt. Ein Sieg gegen den aus der Ukraine stammenden Andreas Levenko, die letzten drei Jahre österreichischer Meister, war Grundvoraussetzung, wenn es mit einer Revanche für die 1:3-Hinspielniederlage im Oberschwäbischen werden sollte. Doch was für einen gefährlichen Aufschlag und entschlossenen Rückschlag hatte der in seinem Repertoire! Mit nie mehr als einem Punkt Vorsprung geigten sie sich gleich im ersten Satz hoch bis zum 13:11 für Steger.
Doch dann ging es klarer als erwartet weiter. Symptomatisch dieses Bild: Nach einer endlos langen Rallye, wie meistens mit Punkt für Basti, lag Levenko mit ausgestreckten Armen und Beinen bäuchlings am Boden und schüttelte ungläubig den Kopf. Steger hatte wieder einen Sahnetag, spielte von da ab nahezu fehlerlos und gewährte Levenko nur noch zwei bzw. vier Punkte im zweiten und dritten Satz – 1:0 für den TSV. Demonstration eines Könners, der schon beim nächsten Spiel nicht mehr 44 ist.
Anschließend versuchte Daniel Habesohn, an die Topleistung bei seiner knappen 2:3-Niederlage gegen Togami im Hinspiel anzuknüpfen. Auch diesmal präsentierte sich der sympathische Wiener nicht nur kämpferisch, sondern auch spielerisch ganz nahe der Augenhöhe. Besonders spannend und wahrscheinlich spielentscheidend war der zweite Satz, in dem er vier Satzbälle abwehrte, 11:10 führte und zu 13 verlor. Den dritten Durchgang gewann er knapp, im vierten brach er ein – 1:1 zur Pause. Zwischenbilanz eines Stammzuschauers aus Volkach: „Eigentlich wollte ich heute gar nicht kommen. Ich habe es jetzt schon nicht bereut.“ Bemerkenswert überdies: Das allgemeine Zuschauer-Interesse (Schnitt über 600) ist in dieser so schwierigen Saison nahezu gleich hoch wie in den erfolgreichen Playoff-Jahren.
Das folgende war das Schlüsselspiel. „Wer das gewinnt, gewinnt das ganze Spiel“ (O-Ton Franz Monz, ehemaliger TSV-Spieler). Publikumsliebling Filip Zeljko hatte die große Chance, sich wieder mal besonders wertvoll zu machen. Dass er´s doch kann, zeigte er speziell im ersten (12:10) und dritten (11:5) Satz. Es war dabei enorm viel Emotionalität am Tisch. Er und sein Gegner Iulian Chirita feierten jeden gewonnenen Ball wie den Olympiasieg. Doch nach einer respektablen Leistung musste der TSV-Kroate doch die Kröte schlucken, verlor mit viel Pech den fünften Satz – 1:2.
Also doch wieder höchste Verantwortungsstufe im Duell der Topspieler für Basti Steger, der den Ausgleich zusammenbasteln und Habesohn/Zeljko ins Schlussdoppel schicken sollte. Der Krimi gegen Togami war dann auch das zweite dramatisch verlaufende und tragisch endende Highlight des Abends. Besonders, als Steger Ende des vierten Satzes bei 3:7 ein „medical timeout“ nehmen musste, zehn Minuten lang von Peter Hofmann in der Kabine am Fuß behandelt werden musste. Der Legenden-Status wäre ihm bei einem Sieg sicher gewesen. Nach dem 9:11 ist er aber nicht mehr weit davon entfernt. Die Mission Klassenerhalt geht aber am 15. März gegen Bergneustadt in die nächste Runde.
TSV Bad Königshofen – TTF Liebherr Ochsenhausen 1:3
Bastian Steger – Andreas Levenko 3:0 (13:11/11:2/11:4)
Daniel Habesohn – Shunsuke Togami 1:3 (7:11/11:13/11:9/4:11)
Filip Zeljko – Iulian Chirita 2:3 (12:10/7:11/11:5/4:11/8:11)
Steger – Togami 1:3 (10:12/4:11/12:10/9:11)
Zuschauer: 560
Text und Fotos: Rudi Dümpert für www.mainfranken.news



