Forschung, Kartierung und Notumsiedlungen: Ameisenheger im Landkreis Würzburg blicken auf ein arbeitsreiches Jahr 2025 zurück

Forschung, Kartierung und Notumsiedlungen: Ameisenheger im Landkreis Würzburg blicken auf ein arbeitsreiches Jahr 2025 zurück

LANDKREIS WÜRZBURG – Sie arbeiten meist im Verborgenen und sind doch unverzichtbar für das ökologische Gleichgewicht: Sylvia Höhne aus Zell am Main und Burkard Helfrich aus Würzburg sind die offiziell bestellten Ameisenheger im Landkreis Würzburg.

Seit zwei Jahren kümmern sie sich ehrenamtlich um den Schutz bedrohter Ameisenarten. Jetzt liegt erstmals ein zusammenfassender Tätigkeitsbericht vor, der einen eindrucksvollen Einblick in ein spannendes Feld des Naturschutzes gibt.

Ob im Wald, auf gemeindlichen Flächen oder auf Privatgrund: Die beiden geprüften Ameisenheger werden immer dann gerufen, wenn ein Nest geschützt, bestimmt oder fachgerecht verlagert werden muss. Zu ihren Einsätzen gehörte unter anderem die Umsiedlung einer Kolonie der glänzend schwarzen Holzameise aus den Räumen des Imkervereins Rottendorf. Auch ein Waldkindergarten in Höchberg sowie ein Privatgrundstück in Waldbüttelbrunn baten um Unterstützung.

Im vergangenen Jahr wurden die ehrenamtlichen Ameisenheger zu 19 Einsätzen in Wald und Flur gerufen. Dabei dokumentierten sie drei Kolonien sowie 48 neue Einzelnester und investierten insgesamt 86 Arbeitsstunden in Kartierung, Beratung und praktische Schutzmaßnahmen.

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit sind Umsiedlungen – ein besonders sensibler Vorgang. Denn das Überleben eines Ameisenvolkes hängt entscheidend von der Königin ab. Sie darf bei der Verlagerung keinesfalls zu Schaden kommen. Entsprechend sorgfältig werden die Nester freigelegt, umgesetzt und an einem neuen Standort wieder ausgesetzt. Eine besondere Herausforderung bleibt dabei die Suche nach geeigneten neuen Standorten. Inzwischen liegt unter anderem eine Erlaubnis vor, umgesiedelte Völker im Wasserschutzgebiet der Gemeinde Zell am Main anzusiedeln.

Forschung, Fachwissen und Netzwerkarbeit

Die Ameisenheger sind nicht nur draußen im Gelände aktiv. Sie beteiligen sich auch an Fortbildungen, Fachtreffen und Informationsveranstaltungen. Ein besonderer Schritt war 2025 die Überführung wissenschaftlicher Arbeitsmaterialien der namhaften Ameisenforscher Berthold Hölldobler und des verstorbenen Gerhard Kneitz in das Bayerische Informationszentrum für Ameisenkunde in Nabburg. Dort stehen die Unterlagen nun für Forschung und Umweltbildung zur Verfügung.

Auch in der Öffentlichkeit wächst das Interesse: Die Nachfrage komme sowohl aus der Bevölkerung als auch von Fachstellen, Behörden und Gemeinden. Besonders erfreulich sei, dass das Bewusstsein für den sorgsamen Umgang mit Ameisenvölkern deutlich zugenommen habe. In den vergangenen zwei Jahren sei ein verlässliches Netzwerk zwischen den Ameisenhegern und den Behörden und Fachstellen der Region entstanden, berichtet Sylvia Höhne.

So steht auch der nächste Einsatz bereits fest: Bei Hettstadt an der Staatsstraße in Richtung Roßbrunn befinden sich fünf Nester, die zur Vorbereitung der geplanten Straßensanierung noch im Frühjahr 2026 – sobald es die Witterung zulässt – umgesiedelt werden müssen.

Warum Ameisenhege wichtig ist

Waldameisen zählen zu den ökologisch bedeutendsten Insektenarten. Sie regulieren Schädlinge, verbreiten Pflanzensamen, lockern den Boden, verbessern die Humusbildung und dienen vielen anderen Tieren als Nahrungsquelle. Gleichzeitig sind viele Arten bedroht und deshalb besonders geschützt.

Die ehrenamtlichen Ameisenheger werden speziell ausgebildet – in Bayern über die Ameisenschutzwarte Landesverband Bayern – und unterstützen die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Würzburg bei Artbestimmung, Kartierung und Schutzmaßnahmen. Mit ihrer Arbeit leisten sie einen konkreten, messbaren Beitrag zum Artenschutz direkt vor der eigenen Haustür – oft unauffällig, aber mit großer Wirkung für das gesamte Ökosystem.

Behörden, Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Würzburg können sich über die Webseite der Ameisenschutzwarte www.ameisenschutzwarte-bayern.de weiter informieren und über die Emailadresse naturschutz@lra-wue.bayern.de in direkten Kontakt mit der Naturschutzbehörde am Landratsamt und den Ameisenhegern treten.

Auf den Fotos:

1: Burkard Helfrich und Sylvia Höhne sind seit zwei Jahren als Ameisenheger im Landkreis Würzburg tätig. Seitdem haben sie eine Vielzahl von Kolonien kartografiert, Beratungen durchgeführt und Nester umgesiedelt.
Archiv-Foto: Lucas Kesselhut

2: An der Staatsstraße zwischen Hettstadt und Roßbrunn befinden sich fünf Nester bedrohter Ameisenarten. Sie sollen noch im Frühjahr 2026 umgesiedelt werden, bevor die Straße saniert wird. Ameisenheger Burkard Helfrich hat die Stelle bereits markiert und mit den Vorbereitungen begonnen.
Foto: Sylvia Höhne

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