SCHONUNGEN / SCHWEINFURT – Bei bestem Wetter und reichlich erneuerbarer Energie im Stromnetz trafen sich die Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar, Schonungens Bürgermeister Stefan Rottmann und der Energieexperte und Gemeinderat Andre Merz in der Energiezentrale am Schulzentrum Schonungen.
„Die Anlage ist ein Musterbeispiel für das Zusammenspiel unterschiedlich erzeugter Energieformen“, zeigte sich Sabine Dittmar sehr angetan. Die angrenzenden Schulen, das Schwimmbad, die Sporthalle und der Kindergarten werden effizient und nachhaltig mit Wärme und Strom versorgt. Überhaupt hat sich am Schulzentrum allerhand getan, wie Bürgermeister Stefan Rottmann ausführt: Der Neubau der Grundschule, die neue Straßenumfahrung, der neue Waldkindergarten, die neugebaute Energiezentrale, der Bau der Kinderkrippe und bald auch der Neubau der Realschule machen Schonungen zu einem vielbeachteten Zentrum für Bildung, Betreuung und Sport.
Die Anlage beinhaltet eine zukunftsweisende Technik, bestehend aus zwei Biomassekesseln, drei hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK), die sowohl Strom als auch Wärme erzeugen, sowie eine Vorbereitung zur Nutzung überschüssigen Netzstroms (Power to Heat). Auch eine Photovoltaikanlage sowie Ladesäulen für E-Autos sind im Areal verbaut.
„Die Mischung macht’s!“, stellte Andre Merz heraus und zeigte am Beispiel Solarenergie auf, wie die Anlage arbeitet. Gerade in den Monaten von November bis Februar sei Strom aus Photovoltaik eher die Ausnahme als die Regel. Das zeigen auch Erzeugungsprofile der Bundesnetzagentur.
„Um die Versorgungslücken an tristen Wintertagen zu schließen, müssen andere regelbare Stromerzeuger einspringen“, führte der Gemeinderat aus. Das sind an üblichen Wintertagen überwiegend fossile Kraftwerke.
Durch die Kombination verschiedener Technologien lassen sich technologiespezifische Nachteile durch ausgeklügelte Betriebsweise kompensieren. „Der mit den Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen erzeugte Strom vermeidet fossilen Stromimport oder das Hochfahren von Kohlekraftwerken“, erläuterte Andre Merz. Gerade in den Wintermonaten spiele die KWK ihren Effizienzvorteil und ihre hohen Nutzungsgrade aus und kann die CO2-Emission bis auf null senken. Das sei mit dem Einsatz von biogenen Gasen oder Wasserstoff möglich.
Jedoch steht die in Schonungen verwendete Technik, mit kleinen, aber sehr effektiven Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, auf der Kippe. Gerade droht bei der Firma SenerTec, die in Schweinfurt genau diese Anlagen, den so genannten Dachs, herstellt die Aufgabe der Produktion.
Einen Grund dafür sieht Andre Merz, selbst Teil von SenerTec, in den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen, die ihm Sorgen bereiten. „Wir Ingenieure brauchen Handlungsfreiheit, alle verfügbaren Energiewendetechnologien einsetzen zu dürfen“, macht er klar. Am Beispiel Heizungsgesetz sehe man jedoch, wie einseitig geprägte Gesetze dafür sorgen, dass Deutschland wichtige Effizienztechnologien verliert, indem man sie aus dem Markt drängt. „Wir haben bereits die Photovoltaik und Batteriespeichertechnologie in Deutschland verloren. Bekommen wir kein technologieoffenes Gebäude-Energiegesetz werden wir auch die hocheffiziente dezentrale KWK verlieren.“
Die Bundespolitik müsse in jedem Fall nachsteuern. Solange die Wärmepumpe auch fossilen Strom verbraucht, solange muss es auch legitim sein, übergangsweise Erdgas in KWK-Anlagen zu verwenden, wie dies auch in den geplanten Gaskraftwerken der Fall ist. Die zu Heizzwecken genutzte (Ab-)Wärme müsse im GEG angerechnet werden. „Die hocheffiziente, systemdienliche KWK muss wieder eine gleichwertige Erfüllungsoption im neuen Gebäudemodernisierungsgesetz werden.“
Ein Anliegen, das Sabine Dittmar gerne an die Spitzen und Experten in der SPD-Bundestagsfraktion weitergeleitet hat, „Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Einwände aus Schweinfurt in Berlin Beachtung finden“, erklärt die Bundestagsabgeordnete.
KKW-Anlagen seien eine Zukunftstechnologie. Sowohl für „kleine“ Anlagen, wie die in Schonungen, aber auch als Teil der Kritischen Infrastruktur für Notstrom-Aggregat und Wärme.
Auf den Fotos:
- Bürgermeister Stefan Rottmann, MdB Sabine Dittmar und Andre Merz im Gespräch über die KWK-Anlagen in der Energiezentrale Schonungen
- Andre Merz, MdB Sabine Dittmar und Bürgermeister Stefan Rottmann vor der Energiezentrale Schonungen
Bilder: Büro Dittmar / Holger Schmitt


