WÜRZBURG – Bischof Dr. Franz Jung hat bei einer Vesper am Sonntagabend, 8. Februar, in der Sankt Kilianskirche des Würzburger Juliusspitals an den kirchenmusikalischen Eifer des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn erinnert.
An dem Ort, der einst Symbol seiner Reformarbeit war, würdigte der Bischof Echters Ziel, die Musik in den Dienst des Glaubens zu stellen: Sie sollte Herz und Verstand berühren – nicht das eitle Lob der Leute suchen, betonte er vor Domkapellmeisterinnen und -meistern aus dem deutschsprachigen Raum. Diese tagen noch bis einschließlich Montag, 9. Februar, im Würzburger Exerzitienhaus Himmelspforten.
Echter habe auf höchste Qualität geachtet, sagte Bischof Jung. Das zeigten prachtvolle Werke wie das „Graduale Herbipolense“ oder das „Antiphonarium Wirceburgense“, die bis heute als bibliophile Meisterstücke gelten. Musizieren verstand der Fürstbischof als geistliche Disziplin – fromm, aufrüttelnd und bis ins Detail geregelt.
Für Echter war Kirchenmusik laut Bischof Jung mehr als Zierde des Gottesdienstes: Sie war Ausdruck von Stärke und Überzeugung im Glauben, eine Art geistlicher Wehrdienst gegen Gleichgültigkeit. Der berühmte Komponist Orlando di Lasso habe Echters Einsatz gewürdigt und ihm mehrere Werke gewidmet – ein Zeichen, dass musikalische Exzellenz und Glaubensleidenschaft in Würzburg schon früh eine starke Verbindung eingingen, wie Bischof Jung betonte.
Der gemeinsame jährliche Austausch der Domkapellmeisterinnen und -meister geht auf eine Initiative des Speyerer Domkapellmeisters Markus Melchiori und des Trierer Domkapellmeisters Thomas Kiefer zurück. Es treffen sich die Dommusiken aus dem ganzen deutschsprachigen Raum, auch Vertreter aus Salzburg und Innsbruck waren diesmal dabei.
Von den 27 Bischofskirchen in Deutschland haben die meisten einen Schwerpunkt in der breit angelegten Chorarbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Je nach Domkirche, Stadt, Umland und Trägerschaft der Institutionen seien die Bedingungen für die einzelnen Dommusiken lokal sehr unterschiedlich. „Ein allgemeiner Austausch, gerade auch in Zeiten geringer werdender Ressourcen, sowie das Andenken gemeinsamer Projekte fördern das Miteinander und den kollegialen Austausch“, erklärte Würzburgs Domkapellmeister Alexander Rüth.
Nach der Begrüßung durch Domdekan Dr. Jürgen Vorndran folgte am Sonntag ein erster Gedankenaustausch. Nach dem Abendlob mit Bischof Jung schloss ein gemeinsames Abendessen den ersten Sitzungstag ab.
Am Montagmorgen referierte Professor Dr. Ulrich Konrad, Seniorprofessor der Philosophischen Fakultät am Institut für Musikforschung der Universität Würzburg, zum Thema: „Orchestermessen im heutigen liturgischen Kontext Quo vadis, Kirchenmusik?“. Ein Austausch schloss sich an. In einer weiteren Sitzungseinheit folgt eine Gesprächsrunde zum Thema: „Zukunft Pastoral ‒ Dommusiken als Pastorale Räume?!“. Mit einer Reflexion zu diesen Themen und einem gemeinsamen Ausblick schloss das Treffen.
mh (POW)
Auf dem Bild © Markus Hauck (POW) | Bischof Dr. Franz Jung (vorne in der Mitte) feierte am Sonntagabend, 8. Februar, mit Domkapellmeisterinnen und -meistern aus dem deutschsprachigen Raum eine Vesper. Rechts neben ihm Domkapellmeister Alexander Rüth, ganz links Domdekan Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran.

