Nein, das hier soll keine Glosse sein, kein ironischer Beitrag, kein Kommentar. Auch nichts mit spitzen Zungen. Aber ein Aufruf zur Vorsorge. Wer Schiss hat vor einer Darmspiegelung, dem/der sei vom größten aller Schisser gesagt: Das ist WIRKLICH nicht schlimm…
Der Autor dieser Zeilen hat sich mit nun 57 Lebensjahren immer geweigert, geht ohnehin nie zum Arzt, nur wenn es wirklich mal sein muss, zum Impfen oder so. Nach jahrelangem Zögern hatte er sich nun dann doch mal dazu überreden lassen.
Besuch beim MVZ eine Woche zuvor: Beim Aufklärungegespräch vorab informiert der Doktor in der Gastroenterologie, wie eine Woche später alles ablaufen wird. Man darf sich einiges durchlesen, wird über Risiken aufgeklärt (wie überall), muss ein bisschen was unterschreiben und geht nach einer Blutabnahme ziemlich schnell wieder nach Hause. Mit im Gepäck: Drei Tüten.
Und ja: Das ist das, wovon viele Leute genervt sind, worüber man hört, denn ab einen Tag vor der eigentlichen Spiegelung darf man nicht nur nichts mehr essen, sondern muss auch die Entleerung des Darms einleiten. Mit medizinischen Mitteln.
Also: Dienstag vormittags gab´s noch zwei Stück Marmorkuchen, mittags wie abends dann nichts mehr. Und um 15 Uhr ging´s laut mitgegebenen Plan los damit, dem Darm Gutes zu tun. Mangogeschmack hatte die Flüssigkeit, nachdem der Schreiber dieses Beitrags das weiße Pulver mit einem halben Liter Leitungswasser vermengte und umrührte. Natürlich in einem Bierglas, ein bisschen Stil muss es ja haben.
In einer halben Stunde soll man das Zeug trinken. Eigentlich ist es ganz lecker. Dann noch ein halber Liter schnell hinterher, am besten Wasser, Pfefferminztee oder alkoholfreies Bier. Der Rat lautet: An diesem Tag möglichst vier Liter insgesamt trinken.
Wer das macht und auf die 60 zugeht, muss normal ständig pinkeln. In dem Fall aber: Der Bauch gluckert zunehmend – und irgendwann zeigte sich, dass die Entscheidung richtig war, nicht nur eine Sportzeitung, sondern auch ein Buch ins Gäste-WC zu legen. Der Verfasser dieses Textes machte es sich gemütlich. Irgendwann war ein Bein eingeschlafen….
Und ja: Es gibt Schöneres, als ein paar Stunden auf dem Lokus zu sitzen oder alle paar Minuten dort hin zu müssen. Erst recht dann, wenn im TV Olympische Medaillen vergeben werden. Aber was will man machen, wenn der Magen gluckert…
Ein paar alkoholfreie Weißbiere und vogelfreie Käuzle aus Ochsenfurt später begann die Nacht, die erstaunlich ruhig verlief. Trotz weiterem Glucksen. Tiefschlaf war nur phasenweise möglich, im Hinterkopf steckte der Termin Mittwoch um 9 Uhr. Und die Anweisung auf dem Zettel: 5 Uhr aufstehen!
Warum so bald? Weil noch zwei weitere Päckchen zum Darmreinigen zu leeren waren. Wieder ein halber Liter Wasser und danach möglichst noch einer. Wieder Mangogeschmack. Immerhin: Wer nur zum Trinken um 5 Uhr aufsteht, kann erstaunlich viel abarbeiten.
Diesmal dauerte es bis bis kurz nach 6 Uhr, ehe es dringlich wurde. Und ja: So wie angekündigt ist eine leichte Übelkeit nicht zu verneinen. Wenn man nichts isst und sooo viel trinkt… Aber es ging irgendwie. Und diesmal kam all die Flüssigkeit hinten wieder raus. Ziemlich oft. Zum Glück hatte das Buch auf dem Klo noch Reste. Erstaunlicher Weise wurde der Durst immer größer. Ein Liter Pfefferminztee war bis 8 Uhr gelehrt.
Abfahrt um 8.30 Uhr Richtung MVZ. Kurz nach 8 Uhr hatte der Vorsorge-Patient noch ein wenig Sorge, ob er das schafft und von der Schüssel runter kommt. Doch es war eine Punktlandung. Irgendwann endete das Durchrauschen und es blieb sogar ausreichend Zeit für eine Dusche.
Punkt neun und nach nur fünf Minuten im Wartezimmer ging´s auch schon in den Behandlungsraum. Der Tipp, nochmals das WC aufzusuchen, brachte keine weiteren Ergüsse. Nicht weil Faschingszeit ist, durfte die Jeans gegen eine trendige Hose mit Schlitz hinten getauscht werden. In der stabilen Seitenlage und mit venösem Zugang folgten die letzten Anweisungen.
Es dauerte unfassbare maximal acht Sekunden, bis man einschläft. Dann ein kurzer Traum, das schnelle Erwachen. Rund 30 Minuten einfach so verpennt! Nix gespürt! Nach nochmal einem Viertelstündchen ist man wieder halbwegs auf dem Damm, darf sich anziehen. Es folgt ein Gespräch mit dem Arzt.
In diesem Fall wurde nichts aus den angekündigten drei Stunden Aufenthalt. Alles lief gut und nach etwas mehr als einer Stunde war alles schon wieder vorbei. Man darf den Tag nicht Autofahren, der Darm bläht ein bisschen, es gluckst ab und an noch. Aber das Essen ist wieder erlaubt. Gleich mittags gab´s Fisch mit Salat, abends Hähnchen-Wraps, dazu nochmals ein paar alkoholfreie Weißbiere und vogelfreie Käuzle aus Ochsenfurt.
Ein Bockbier? Vielleicht morgen wieder! Oder ein Glas Rotwein? Die Lust fehlt derzeit! Was vielleicht auch daran liegt, dass die Anspannung groß war die letzten Tage. Man weiß ja nicht, was einen erwartet. Und mal ehrlich: Man braucht´s nicht jede Woche. Auch nicht jedes Jahr. Aber es war alles andere als schlimm! Bitte nachmachen. Vorsorge ist wichtig!
Michael Horling
redaktion@mainfranken.news
Foto: ChatGPT / künstliche intelligenz
