DORTMUND / BAD KÖNIGSHOFEN – Nach Bremen und Bergneustadt hat der TSV Bad Königshofen mit dem 3:1-Sieg bei Borussia Dortmund einem weiteren Playoff-Kandidaten der Tischtennis-Bundesliga ein Bein gestellt und selber einen wichtigen Schritt Richtung Klassenerhalt getan.
Es war ja auch angerichtet für diesen Überraschungscoup, die Vorzeichen standen gut. Konkurrent Grenzau hatte tags zuvor gegen Bremen verloren. Dortmund schien, trotz 2:3 im Hinspiel, nicht unschlagbar, hatte zuvor in Bergneustadt geschwächelt.
Und Xue Fei konnte dank guter Kontakte zum chinesischen TT-Verband doch kurzfristig freigestellt und eingeflogen werden. Auf seine Rechnung wurden zwei der drei Einzelsiege geschrieben. Den dritten schaffte Andre Bertelsmeier gegen den schwedischen Doppel-Weltmeister Kristian Karlsson, dem man dadurch im Schlussdoppel aus dem Weg gehen konnte.
Schon während der zweieinhalb Stunden Wettkampf beherrschten die 22 angereisten TSV-Fans aus der Heimat und NRW die Szene außerhalb der Box in der Brügmann-Halle und hinterher sogar innerhalb. Man feierte die Koproduktion mit der Mannschaft dort, wo die sie realisiert hatte. Just nach dem Motto, mit dem die Gastgeber akustisch ihr Team ins Rennen geschickt hatten, wie beim Fußball im Signal Iduna Park: „You`ll never walk alone.“
Der Start ging allerdings daneben. Unerwartet? Bastian Steger hatte zwar im Hinspiel kurz vor Weihnachten den Weltranglisten-18. Anders Lind 3:0 geschlagen, holte sich auch hier den ersten Satz. Doch dann entschieden dessen raffinierte Aufschläge und Schnittvarianten das Spiel. Zu viele direkte Rückschlagfehler. Im vierten Satz ergaben sie die fünf letzten Bälle gegen ihn. Dennoch: Das war nicht Stegers Performance wie bei seinem Flow mit zehn Siegen in Folge.
Den Ausgleich schaffte zunächst Xue Fei mit einem 3:1 gegen den Ungarn Adam Szudi, der, wie Steger, keine Turniere spielt, sondern sich voll auf die Bundesliga konzentriert. Es war der erste Auswärtssieg des Chinesen beim TSV. Aber auch er musste erst die Aufschläge des Ungarn entlarven. Ein Zeichen von Qualität ist aber auch seine schnelle Lernfähigkeit. Er nutzte den ersten Satz (6:11) und schlug Szudi mit seinen eigenen Waffen: drei Mal 11:5.
Das folgende Knackpunkt-Spiel entschied Andre Bertelsmeier gegen Kristian Karlsson, immerhin mit 10:7-Bilanz Favorit gegen die 2:8 des Königshöfers. Als der, bei allem Respekt rotzfrech und selbstbewusst aufspielende „Hammer“ aus Westfalen in Diensten der Grabfelder mit dem dritten seinen zweiten Satz gewonnen hatte, musste sich erst noch herausstellen, ob das sein dritter TTBL-Sieg und sein bis dato wichtigster werden könnte. Doch er steckte alle Aufs und Abs eines Tischtennisspiels gegen diesen Weltklasse-Athleten weg, als sei´s ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel, und holte sich den Matchball zum 12:10 im vierten Satz – 2:1 für den TSV.
Diesen Steilpass verwandelte Xue Fei mit einem souveränen, dreifachen 11:7 gegen Anders Lind. Finishte diesmal, bevor ihn der Jetlag, zwei Tage zuvor noch in China, ein- und überholte. Er hatte bei dieser genialen Unterstützung von den Rängen auch gar keine andere Chance als den Sack zuzumachen.
Andre Bertelsmeier lobte zunächst Xue Fei: „Er hat gegen zwei schwierige Gegner gewonnen. Ich konnte zum Glück gegen Karlsson gewinnen. Wie, weiß ich eigentlich gar nicht. Ich bin vielleicht noch schlechter als er. Aber an guten Tagen kann ich mithalten. Das war heute einer. Es war aber insgesamt eine tolle Teamleistung.“
In der Tabelle der Tischtennis-Bundesliga belegt Bad Königshofen mit 10:22 Punkten nach 16 der 22 Saisonpartien zumindest vorbergehend Nichtsabstiegsplatz zehn. Weiter geht´s schon kommenden Sonntag ab 15.30 Uhr in der heimischen Shakehandsarena gegen den TTC Liebherr Ochsenhausen.
Borussia Dortmund – TSV Bad Königshofen 1:3
Anders Lind – Bastian Steger 3:1 (7:11/11:9/11:7/11:9)
Adam Szudi – Xue Fei 1:3 (11:6/5:11/5:11/5:11)
Kristian Karlsson – Andre Bertelsmeier 1:3 (7:11/11:8/8:11/10:12)
Lind – Xue Fei 0:3 (7:11/7:11/7:11)
Unsere beiden Bilder zeigen Andre Bertelsmeier.
Text und Fotos: Rudi Dümpert für www.mainfranken.news


