MAINFRANKEN – Die touristische Entwicklung in Mainfranken war im Jahr 2025 von weitgehender Stagnation geprägt. Das zeigen aktuelle Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik.
Gleichzeitig verschärft sich die konjunkturelle Lage für viele Tourismusbetriebe weiter. Vor diesem Hintergrund setzt sich die IHK Würzburg-Schweinfurt für regionale Projekte ein, die neue Impulse für den Standort setzen sollen.
Das Positive vorneweg: Im Jahr 2025 wurden in Mainfranken rund 6,4 Millionen Übernachtungen in- und ausländischer Gäste registriert. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem leichten Plus von 0,1 Prozent beziehungsweise rund 4.000 Übernachtungen und damit einem neuen Rekordwert. „Urlaub in Mainfranken ist beliebt. Vor allem im Übernachtungsgewerbe war die Dynamik im vergangenen Jahr aber eher schwach. Die Tourismusbranche ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region und trägt wesentlich zu ihrer positiven Außenwahrnehmung bei“, erklärt IHK-Bereichsleiter Dr. Christian Seynstahl. Positiv bewertet er auch die leicht gestiegene Aufenthaltsdauer der Gäste. Lag diese 2019 noch bei durchschnittlich 2,5 Tagen, waren es 2025 bereits 2,6 Tage.
Allerdings mahnt Seynstahl zu einer differenzierten Betrachtung der Zahlen: „Steigende Übernachtungszahlen wirken sich nicht automatisch positiv auf die wirtschaftliche Situation der Betriebe aus. Entscheidend ist unter anderem das Bettenangebot. Wächst dieses stärker als die Nachfrage, sinkt die Auslastung.“ Umso wichtiger seien gemeinsame Impulse von Kommunen und Unternehmen durch Veranstaltungen und Projekte mit hoher Strahlkraft. In diesem Zusammenhang verweist er auf das Engagement der IHK für den Bau einer Multifunktionsarena in Würzburg: „Eine solche Arena würde das Image einer modernen, lebenswerten Stadt stärken und die Attraktivität des Standorts Würzburg und der gesamten Region erhöhen. Davon profitiert nicht nur der Tourismus, sondern auch der Handel, die Gastronomie und das Dienstleistungsgewerbe.“
Unterschiedliche Entwicklung in Mainfranken
Ein Blick auf die einzelnen Gebietskörperschaften zeigt deutliche Unterschiede. Sechs der neun Gebietskörperschaften haben im Vorjahresvergleich Zuwächse bei den Gästeübernachtungen verzeichnet. Besonders hervorzuheben sind der Landkreis Schweinfurt und die Stadt Würzburg mit jeweils rund drei Prozent Plus. Rückgänge gab es hingegen in der Stadt Schweinfurt (rund minus acht Prozent) sowie in den Landkreisen Kitzingen (rund minus zwei Prozent) und Bad Kissingen (minus 0,3 Prozent).
„Tagungen, Messen, Kongresse, Kulturevents und Geschäftsreisen beeinflussen vor allem die Übernachtungszahlen in Städten. Dabei spielen auch die Konjunkturentwicklung und die wirtschaftliche Struktur der Standorte eine zentrale Rolle“, erläutert Seynstahl. Insgesamt verfüge Mainfranken über ein vielfältiges touristisches Angebot: „Ein abwechslungsreiches Kulturprogramm, attraktive Landschaften für Wander- und Radurlaub, Kur- und Erholungsangebote sowie der Weintourismus – Mainfranken hat für unterschiedlichste Zielgruppen etwas zu bieten.“
Die meisten Übernachtungen entfielen 2025 auf den Landkreis Bad Kissingen mit rund 2,1 Millionen, gefolgt von der Stadt Würzburg mit rund 1,1 Millionen und dem Landkreis Rhön-Grabfeld mit rund 0,9 Millionen Übernachtungen. Die geringsten Übernachtungszahlen verzeichnete der Landkreis Schweinfurt mit rund 106.000. Der innerdeutsche Reiseverkehr legte leicht zu: 0,2 Prozent mehr Gäste aus dem Inland übernachteten in Mainfranken, was einem Plus von rund 13.000 Übernachtungen entspricht. Die Zahl ausländischer Gäste ging hingegen um rund zwei Prozent beziehungsweise 9.000 Übernachtungen zurück.
Tourismusbetriebe blicken pessimistisch auf 2026
Die Ergebnisse der jüngsten IHK-Konjunkturbefragung zu Jahresbeginn 2026 zeigen einen schwachen Start der Branche ins neue Jahr. 14 Prozent der Tourismusbetriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 49 Prozent hingegen als schlecht. Der Saldo der Lagebeurteilungen liegt bei minus 35 Punkten. Gegenüber der Vorbefragung bedeutet dies einen deutlichen Rückgang um 42 Punkte, im Vergleich zum Jahresauftakt 2025 jedoch einen Anstieg um 13 Punkte. Die Betriebe berichten von schwachen Umsätzen in allen Gästekategorien, besonders stark im Bereich der Geschäftsreisenden.
Auch der Ausblick auf das Jahr 2026 bleibt verhalten. Weniger als jeder zehnte Betrieb rechnet mit einer Verbesserung der Geschäfte, rund die Hälfte erwartet weitere Einbußen. Entsprechend zurückhaltend sind die Erwartungen an Umsatzentwicklung und Auslastung. „Die mainfränkische Tourismusbranche leidet unter einer hohen Kostenbelastung – von Steuern über Energiepreise bis hin zu den Arbeitskosten“, erklärt IHK-Konjunkturexpertin Elena Fürst. Sieben von zehn Betrieben nennen steigende Arbeitskosten als größtes Konjunkturrisiko, gefolgt von den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die 65 Prozent als Gefahr für ihre künftige Entwicklung sehen. „Die Herausforderungen für die Tourismuswirtschaft sind enorm. Die Betriebe erwarten schnelle Entlastungen, setzen aber zugleich auf verbesserte Standortbedingungen mit überregionaler Strahlkraft, um auch künftig Gäste aus dem In- und Ausland für Mainfranken zu gewinnen“, so Fürst.
Übernachtungen in Mainfranken im Jahr 2025
Gästeübernachtungen insgesamt
Veränderung zum Vorjahreszeitraum in Prozent
Durchschn. Aufenthaltsdauer in Tagen
Auslastung der angebotene Betten in Prozent
Stadt Schweinfurt
231.496
-7,6
1,8
39,4
Stadt Würzburg
1.100.832
2,6
1,6
49,1
Landkreis Bad Kissingen
2.054.973
-0,3
5,0
55,9
Landkreis Rhön-Grabfeld
919.883
0,4
4,0
47,4
Landkreis Haßberge
186.514
1,2
2,1
25,4
Landkreis Kitzingen
760.606
-2,2
2,1
33,9
Landkreis Main-Spessart
498.188
1,2
2,3
31,9
Landkreis Schweinfurt
106.111
3,3
2,2
22,1
Landkreis Würzburg
508.944
0,4
1,9
37,5
Mainfranken
6.367.547
0,1
2,6
keine Angabe
Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, München, 2026; eigene Berechnung

