Trotz Xue Fei ein 1:3: Wie für den TSV Bad Königshofen aus dem Lustspiel gegen Fulda eine Tragödie wurde

Trotz Xue Fei ein 1:3: Wie für den TSV Bad Königshofen aus dem Lustspiel gegen Fulda eine Tragödie wurde

BAD KÖNIGSHOFEN – Publikum und Spieler des TSV Bad Königshofen machten beim Derby gegen Fulda-Maberzell alle Stimmungen von himmelhoch jauchzend bis tief enttäuscht mit: ob der sportlichen Höchstleistungen in dieser ebenso dynamischen wie sensiblen Sportart und der am Ende unglücklichsten aller denkbaren Niederlagen.

Drei Stunden hatten sie soeben bis Sekunden vor den letzten zwei Ballwechseln nach dem ach so wichtigen Heimsieg greifen können. Es war vielleicht das beste Heimspiel der letzten achteinhalb Jahre. Und dann diese 1:3-Niederlage, mit 8:9 Sätzen und 162:163 Bällen.

Dabei nahmen die Akteure in der Box die Fans mit auf eine Reise in die Utopie der Tischtennis-Kunst. Mitreißende Momente, besonders drei, in denen es nach Sieg aussah und sich Fortuna doch den Gästen zuwandte.

Eingangs gab es einen rührenden Empfang: Für Manager Andy Albert zum 65. Geburtstag, einen Bus voller Fans aus Uttenreuth bei Erlangen zu deren 60. Vereinsgeburtstag – und natürlich für Xue Fei, den Nationalspieler aus China. Der sympathische Junge aus dem Reich der Mitte krönte seinen Einstand beim TSV mit einem klaren 3:0-Sieg gegen den Dänen Jonathan Groth, 27. der Weltrangliste. Drei Sätze hatten die Fans Zeit, die Aussprache seines Namens „Schü Fäi“ zu verinnerlichen. Dann saß sie. Nach 20 Minuten führte der Tabellenletzte mit 1:0. „Schü“ hatte die wahre Lust entfacht.

Doch dann mutierte das Lustspiel zum Drama. Denn Dimitrij Ovtcharov, in dieser Saison noch nicht wie gewohnt (8:5 Bilanz) angekommen, machte den Unterschied, gewann beide Einzel. Aber wie! Sein erstes gegen den Königshöfer Protagonisten Bastian Steger, mit dem zusammen er bei Olympia in London und Rio zwei Team-Bronzemedaillen gewonnen hatte. Hier ging es gegeneinander – und um den Klassenerhalt. „Dima“ brachte Topform mit nach Bad Königshofen, hatte soeben bei einem Turnier in Doha die Nr. 2 der Welt geschlagen – und „Basti“ zehn Siege in Folge geliefert. Doch er gewann nur den dritten Satz mit einer temporären Gala-Vorstellung, verlor den zweiten mit 10:12 und den vierten nach zwei eigenen Satzbällen mit 11:13. Pausenstand 1:1.

Nun sollte also Daniel Habesohn die erneute Führung besorgen. Gegen Fan Bo Meng, mit viel KÖN-Erfahrung. Es sah auch zwei Sätze lang sehr gut aus – 2:0 für den TSV. Im dritten, bei 9:9 zwei Punkte vor dem Sieg, rutsche der Satzball zum 11:9 für Meng über die Netzkante, symbolträchtig für das ganze Spiel. Im vierten Satz hatte der Österreicher Matchball. Drei lumpige Fehler brachten den Satz- und später Spielverlust.

Auch das vierte Einzel der beiden Topspieler Xue Fei gegen Ovtcharov, den sechsfachen Olympia-Medaillen-Gewinner, ging nach 2:0-Führung für den TSV über fünf Sätze. Was war das denn für Weltklassesport! Mitreißende Gefechte aus der Nah- und Halbdistanz, mit Ballwechseln von einer Geschwindigkeit, die das Auge zwar sah, aber das Gehirn des Beobachters so schnell nicht verarbeiten konnte: Ausnahmezustand der Emotionen und Wahrnehmungen sportlicher Grenzerfahrung.

Die beiden Top-Athleten versetzten das Publikum in einen Rausch des Nicht-Verstehbaren. Wobei der junge Chinese (26) Ovtcharov (37) zum Comeback seiner Glanzzeit zwang. Mit Hochgeschwindigkeits- und Hochrisiko-Tischtennis und zwei Matchbällen im fünften Satz bei 10:8 für Xue. Doch da war sie wieder, die Glücksgöttin, die sich einmischte, zwei Bälle an die Kante lenkte und übers Netz auf Xues Seite schubste. 10:12 im fünften Satz. Das war´s. Wer „Schü“ ganz nahe war, sah seine Augen feucht werden.

Dimitrij Ovtcharovs Meinung zum Spiel: „Ich hoffe sehr, dass Bad Königshofen da unten rauskommt. Sie sind ein sympathischer Verein und haben eine starke Mannschaft. Ich habe schon einmal gegen Xue Fei gespielt. Er ist ein sehr vorbildlicher Athlet und achtet extrem auf seinen Körper. Er hat bärenstark begonnen, dann etwas nachgelassen. Da bin ich besser ins Spiel gekommen.“

Ohne diese Aussage bei DYN zu kennen, lieferte Xue Fei bei TV Mainfranken ohne den Anflug von Ausrede die Erklärung: „Ich habe am Ende doch etwas den Zeitunterschied zu Peking gemerkt, bin etwas müde geworden. Daheim ist es jetzt drei Uhr in der Nacht.“ Weshalb er von der TT-Großmacht China nach Bad Königshofen gewechselt sei: „Ich nahm die Chance wahr, hier Erfahrungen zu sammeln.“ Und wie es sich anfühle, von der 22-Millionen-Metropole in die 3500-Kleinstadt: „Gewiss ein Riesen-Unterschied. Aber so eine Atmosphäre wie hier in der Arena habe ich noch nie erlebt.“

Tischtennis-Bundesliga: TSV Bad Königshofen – TTC Fulda-Maberzell 1:3
Xue Fei – Jonathan Groth 3:0 (11:7/11:6/11:9)
Bastian Steger – Dimitrij Ovtcharov 1:3 (7:11/10:12/11:6/11:13)
Daniel Habesohn – Fan Bo Meng 2:3 (11:8/12:10/9:11/10:12/5:11)
Xue Fei – Ovtcharov 2:3 (11:8/11:5/4:11/7:11/10:12)

Zuschauer: 655

Text und Fotos: Rudi Dümpert für www.mainfranken.news

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