BAD KÖNIGSHOFEN – Mit „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ versuchte einst Sepp Herberger die Konzentration stets auf die nächste Aufgabe zu lenken. Eine jener Weisheiten, die selbstverständlich sind und dennoch immer mal gesagt werden müssen.
Auch dem Tischtennis-Bundesligisten TSV Bad Königshofen nach der vermeidbaren Niederlage beim Titelfavoriten 1. FC Saarbrücken TT, der selber personell mehr gehandicapt war als man selber. Ob man selber wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft hatte, diese Gelegenheit zu nutzen, sollte also nicht mehr lange diskutiert werden.
Die nächste Aufgabe wartet nämlich schon diesen Samstag (17.30 Uhr) mit dem fränkisch-hessischen Derby gegen den TTC Fulda-Maberzell. Mit Dimitrij Ovtcharov, der 2018 mal die Nr.1 der Weltrangliste war, aktuell an Nr. 24 gelistet wird. Beides, dazu ein Basti Steger in Topform machten diesen Klassiker schon attraktiv genug.
Doch ein anderer Name elektrisiert die Fans aus Nah und Fern vor diesem Spiel noch mehr. Mit Xue Fei feiert der zweite chinesische Nationalspieler in der TTBL sein Debüt bei den Grabfeldern. Bei denen man seit dem Bekanntwerden seines Wechsels in damals noch aussichtslos scheinender Lage erst noch sechs Spiele ohne ihn absolvieren musste. Von denen auf einmal drei gewonnen werden konnten. Überdies beginnt der Kampf um den Klassenerhalt mit Grünwettersbach und Grenzau (ebenfalls 8:18), vielleicht sogar mit Fulda (10:16) bei null. Wird dieses Heimspiel nämlich gewonnen, hat man nach Punkten gleich- und ist nach Spielen vorbeigezogen.
Doch Vorsicht, nicht nur wegen der direkten Vergleiche! Das Hinspiel ging 0:3 verloren. Von 16 Begegnungen gewann Fulda neun. Die Gäste, in der vergangenen Saison knapp an den Playoffs gescheitert, zugunsten der Königshöfer, zählten vor dieser Saison erneut zum erweiterten Favoritenkreis. Nach ihrer 2:3-Niederlage in Mühlhausen sind sie auf einmal selber dem Tabellenkeller sehr nahe. Verlören sie dieses Spiel, wären sie mitten drin statt nur dabei.
Doch wie schaut´s beim Gastgeber aus? Geht die Mannschaft mit XXL-Stress ins Spiel? Sie ist ja seit Jahren bekannt dafür, sich nach einer bzw. einigen Niederlagen zu schütteln und neue Kräfte freizusetzen. Mit ihrer Mentalität ließ sie sich nie aus der Ruhe bringen. Auch das Umfeld reagierte bisher traditionell unaufgeregt, selbst diese Saison nach der schlechtesten Vorrunde in neun TTBL-Jahren. Die gefühlt abgeschenkten zwei Punkte von Saarbrücken kann man sich durch interne Geschlossenheit gegen Fulda wieder zurückholen.
Andere Frage: Wie gelingt Xue Fei (26, auf dem Bild mit Andy Albert, der ihn vom Flughafen abholte), der seit Donnerstag in Bad Königshofen weilt, sein Einstand? Eines sollte man von ihm keinesfalls erwarten: Dass er ein vergleichbarer Heilsbringer ist wie die Lichtgestalt Fan Zhendong beim 1. FC Saarbrücken. Der 171cm/70kg-Athlet ist Penholder-Spieler, mit schnellen Vorhand-Angriffen und sicheren Rückhand-Blocks. In der aktuellen Weltrangliste (46.) sind neun Chinesen vor ihm gelistet. Zu berücksichtigen ist, dass sich Asiaten nach ihrem Wechsel in Europa zunächst mal schwer tun.
Einiges dürfte erneut von der Aufstellungs-Taktik, erstmals drei aus fünf, abhängen. Beide Teams haben nur einen Spieler mit positiver Bilanz im Aufgebot: Bastian Steger (11:4) bzw. Dimitrij Ovtcharov (8:5). Er hat als einziger von allen alle zwölf Spiele bestritten, fünf Mal an Position eins, sieben Mal an drei. TTC-Trainer Qing Yu Meng hat dann noch die Auswahl aus dem Dänen Jonathan Groth und den deutschen Ex-Nationalspielern Ruwen Filus und Fan Bo Meng. Das Doppel Ovtcharov/Meng (3:1) ist auf jeden Fall mehr eingespielt als jedes mögliche Königshöfer. Es zu erreichen, wäre somit noch kein Garantieschein für einen Sieg.
Text: Rudi Dümpert für www.mainfranken.news
Fotos: TSV Bad Königshofen Tischtennis


