Als Jenny Tamás in Turin mit dem Eishockey-Team gegen Russland siegte: Vor 20 Jahren war eine Schweinfurterin bei Olympia dabei

Als Jenny Tamás in Turin mit dem Eishockey-Team gegen Russland siegte: Vor 20 Jahren war eine Schweinfurterin bei Olympia dabei

MAILAND / TURIN / SCHWEINFURT – Ab dem 6. Februar findet das Olympische Eishockey-Turnier in Mailand statt. Nach langen Jahren mal wieder mit dabei ist die Deutsche Nationalmannschaft der Frauen. Vor genau 20 Jahren fand das Turnier letztmals in Italien statt. Damals mit einer Schweinfurterin.

Die zu dem Zeitpunkt 2006 erst 16 Jahre alte Jenny Tamás, heute mit Nachnamen Heusinger, vertrat den ERV Schweinfurt. Deutschland wurde unter den acht teilnehmenden Teams Fünfter. Sie ist nun verheiratet, hat zwei Kinder, 4 und 6 Jahre alt. Neide spielen in der U7 des ERV, die Jenny, beruflich Angest ellte in Teilzeit, zusammen mit Lucas Kleider trainiert. Ihr Mann Markus ist neben Alex Lobach, der Bruder von DEL-Spieler Dennis, Betreuer dieser U7.

www.mainfranken.news bat die Olympionikin zum Gespräch.

Jenny, an was erinnerst Du Dich spontan als erstes , wenn Du an die Spiele 2006 zurück blickst?
Jenny Heusinger: Die ganze Atmosphäre, zusammen in einem Dorf mit den ganzen Spitzensportlern. Persönlich erinnere ich mich, als ich mit Anni Friesinger zusammen am Essenstisch saß 😉

Ihr habt gegen Finnland und die USA deutlich verloren, danach aber Italien, die Schweiz und sogar Rußland geschlagen. Welche Partie steckt am meisten noch im Kopf?
Jenny Heusinger: Zum einen USA, ich glaube da waren ca 7.000 Zuschauer, das war echt ein Highlight und dann natürlich das Spiel gegen Russland. Mit dem Sieg haben wir unsere damals beste Platzierung (5.) erreicht.

Ein Scorerpunkt für Dich ist auf wikipedia nachlesbar. In welcher Partie – und wie war´s?
Jenny Heusinger: Ehrlich gesagt kann ich mich daran gar nicht mehr erinnern, ich glaube es war ein Assist!?

Wieviele Zuschauer kamen damals zu den Partien?
Jenny Heusinger: Wie gesagt an die Partie gegen USA erinnere ich mich, da war die Halle voll. Ansonsten weiß ich es nicht mehr so genau. Die Spiele waren auf jeden Fall immer gut besucht.

Was hast Du in der Zeit der Spiele noch anschauen können? Eishockey fand ja direkt in Turin statt, die Wettbewerbe im Schnee waren weit außerhalb…
Jenny Heusinger: Wir waren oft in den Bergen beim Rodeln und ähnlichen Aktivitäten. Ansonsten haben wir die Eishockey-Spiele der Männer verfolgt und waren sogar beim Eisschnelllauf und Short Track.

Du warst damals das „Kücken“ im Team. Inwieweit war das schwer mit den teils viel älteren Teamkolleginnen?
Jenny Heusinger: Mit den Teamkolleginnen war das überhaupt kein Problem, die haben immer gut auf mich aufgepasst.

Hast Du denn überhaupt zu anderen Spielerinnen nach 20 Jahren noch Kontakt, auch angesichts der Tatsache, dass die meisten ja rund zehn Jahre älter waren?
Jenny Heusinger: Ja, das habe ich. Erst kürzlich beim Deutschland Cup in Landshut, als ich vor Ort meinen Trainerschein verlängert habe, habe ich beim Damen Spiel gegen Ungarn einige von ihnen wiedergesehen.

Wie war das damals: Zählte nur der Leistungsgedanke oder war´s eher das „Dabeisein ist Alles“? Hast Du vor 20 Jahren mit 16 die Bedeutung überhaupt schon realisieren können?
Jenny Heusinger: Sobald wir auf dem Eis standen, zählte natürlich der Leistungsgedanke und wir wollten unser Bestmögliches geben. Für mich persönlich wäre es wahrscheinlich besser gewesen, ein paar Jahre älter zu sein, um das Ganze bewusster wahrnehmen und besser realisieren zu können.

Damals gab´s danach Ehrungen und Auszeichnungen in Schweinfurt, zwei unserer Archivbilder zeigen das. Deine Erinnerungen daran?
Jenny Heusinger: Ich wurde in Schweinfurt „Sportlerin des Jahres“ und erhielt den Felix. Der steht heute noch bei mir im Regal.

Nach der Jugendzeit hat Du ja überwiegend in Höchstadt gespielt, wo es eine Damen-Mannschaft gab, dazu für die Bundesliga-Teams in Planegg und Bergkamen. Klingt nach „wenig daheim im Winter“?
Jenny Heusinger: Stimmt, ich war dann in der Sportfördergruppe der Bundeswehr, eigentlich mit dem Ziel, um mich für Olympia 2010 in Vancouver gezielt vorbereiten zu können. Leider haben wir die Qualifikation nicht geschafft.

International warst Du bei weiteren Weltmeisterschaften dabei. Was war da das schönste Erlebnis?
Jenny Heusinger: 2008 war die U18 WM in Calgary, da war ich Kapitän der Nationalmannschaft. Das war eine Riesen Ehre und ein tolles Erlebnis.

95 Länderspiele sind vermeldet. Warum endete Deine internationale Karriere aber schon 2011?
Jenny Heusinger: Mir wurde klar, dass das Leben auch nach dem Eishockey weitergeht. Ich wollte mein Abitur nachholen und ein Studium aufnehmen. Die Anforderungen in der Nationalmannschaft waren jedoch so hoch, dass sich beides nur schwer miteinander vereinbaren ließ.

Wie ging´s danach sportlich weiter bei Dir?
Jenny Heusinger: Neben meinem Studium habe ich weiterhin in der 1b Mannschaft in Schweinfurt gespielt und mit dem Golfen begonnen, wo ich ebenfalls in der Damenmannschaft aktiv war, bis ich schwanger wurde.

Dein größer sportlicher Erfolg überhaupt?
Jenny Heusinger: Natürlich Olympia 2006

Heute trainerst Du die U7 des ERV Schweinfurt, die neulich bei einem Einlagespiel bei der Partie der Mighty Dogs gegen Königsbrunn für mächtig Begeisterung sorgte. Kommt da beim Nachwuchs, auch bei den älteren Jahrgängen, wieder einiges an Talenten nach?
Jenny Heusinger: Absolut! Schweinfurt ist ja bekannt dafür, dass wir regelmäßig Talente aus dem Boden stampfen. Wir Trainer tun unser Bestes, aber in der U7 geht es erst einmal um Spaß und Bewegung, nicht darum, den nächsten DEL oder NHL-Star zu finden.

Zum Eishockey gekommen bist Du natürlich über Deinen Vater Gabor, einen gebürtigen Ungarn, der unter anderem in Herford spielte, wo Du auch geboren wurdest. 1995 kamt Ihr als Familie nach Schweinfurt. In der Region spielen Mädchen eigentlich eher Korbball. Was hat Dich am Eishockey gereizt und wie war das in Jugendmannschaften mit ansonsten nur Jungs?
Jenny Heusinger: In unserer Familie drehte sich alles um Eishockey: Meine Cousins spielten beide, mein Vater war selbst aktiv und zudem Trainer. Wir verbrachten praktisch den ganzen Tag in der Eishalle, da gab es für mich gar keine andere Wahl, als auch Eishockey zu spielen.
Ich kannte es nicht anders, als mit Jungs zu spielen. ich bin mit ihnen aufgewachsen, viele waren wie Brüder für mich. Es war eine wunderbare Zeit, an die ich heute noch sehr gerne zurückdenke.

Dein Vater starb 2022 mit nur 56 Jahren. Als Trainer zur Jahrtausendwende mit den großen Erfolgen und dem Aufstieg der Mighty Dogs in die Regionalliga in der ersten Saison im Icedome unter dem Dach mit unter anderem dem legendären Endspiel gegen Höchstadt um die Meisterschaft mit der größten Kulisse aller Zeiten in Schweinfurt wird er immer einer der ganz Großen des Schweinfurter Eishockey bleiben. Was hat Du ihm zu verdanken?
Jenny Heusinger: Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich nie mit dem Eishockey angefangen und dadurch nie die halbe Welt bereist. Aber für mich waren beide wichtig. Mama war die, die alles im Hintergrund organisiert hat, dass ich zu jedem Training und Spiel konnte.
Das Eishockey-Talent haben wir scheinbar alle von Papa geerbt. Meine Halbschwester spielt auch sehr erfolgreich Eishockey in Ungarn und war jetzt erst mit der U18 von Ungarn bei der WM in Canada. Wenn das ungarische Team so weiter macht, ist vielleicht bald die nächste Tamás bei Olympia.

Zurück zum Thema Olympische Spiele? Wirst Du die Eishockeypartien verfolgen, die der Damen wie auch der Herren?
Jenny Heusinger: Auf jeden Fall. Wenn Eishockey WM oder Olympia ist, gehört ausnahmsweise die Fernbedienung mal mir.

Was ist jeweils drin für Deutschland?
Jenny Heusinger: Ich glaube, dass uns die Mädels überraschen werden. Wir haben ein ziemlich starkes Team, da ist einiges drin.
Bei den Männern wird es besonders spannend, jetzt wo die NHL-Stars dabei sind. Ich freue mich sehr auf die Spiele.

Gibt´s zu irgendjemandem aus dem aktuell Staff eine Verbindung oder einen Kontakt?
Jenny Heusinger: Kontakt nicht, aber die Seele der Damen Nationalmannschaft von 2006 unser Betreuer „Seppi“ ist immer noch dabei.

Wir danken für das Gespräch und wünschen alles Gute!
Jenny Heusinger: Liebe Grüße und alles Gute!

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