WÜRZBURG / SCHWEINFURT – Sich mit einem Projektfall aus der Unternehmenspraxis auseinandersetzen, Ideen sammeln und selbstständig Lösungen entwickeln: Vor diesen Aufgaben waren Studierende der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) der THWS Business School im vergangenen Wintersemester gestanden.
Im Rahmen einer Semesterabschlussfeier des Studienschwerpunkts Personalmanagement im Studiengang Betriebswirtschaftslehre präsentierten sie den Projektfallgebern ihre Arbeiten der letzten Monate.
Prof. Dr. Christine Wegerich, die den Studiengangschwerpunkt verantwortet und das Event organisierte, begrüßte die Teilnehmenden im Würzburger Mozartareal und jene, die sich online zuschalteten. „Hinter uns liegt ein intensives Semester. Wir freuen uns, dass neben den aktuellen auch ehemalige sowie zukünftige Projektfallgeber und Interessierte anwesend sind“, so Prof. Dr. Wegerich.
Die beiden Studentinnen Noele Martach und Linda Rödle moderierten die Veranstaltung und führten ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen, die den Projektfallgebern ihre Ideen präsentierten, durch die Veranstaltung. „Nach ausgefüllten Wochen voller Recherche freuen wir uns sehr, die Ergebnisse vorzustellen“, berichtete Noele. Linda ergänzte: „Wir danken allen Kommilitoninnen und Kommilitonen für die hervorragende Teamarbeit.“ Auch Volker Wedde, Bezirksgeschäftsführer der Zweigstelle Unterfranken des Handelsverbands Bayern (HBE) und Sponsor des Caterings der Veranstaltung, dankten die Studentinnen.
Vier Projektfälle
Folgende Institutionen richteten Problemstellungen an die Studierenden:
Der HBE e. V. hatte zwei Projekte: „Entwicklung eines ,Bayerischen Junior Sales Contestʼ zur Gewinnung von Verkaufstalenten“ sowie „Generationenwechsel in der Führungsebene – mit welchen Konzepten Entscheider im Unternehmen begleitet werden können“
Die Akademie Heiligenfeld stellte die Challenge „Strategieentwicklung zur Neupositionierung der Akademie Heiligenfeld“
Gemeinsam mit dem Start-up lyftoff.de forschte eine Gruppe die Fragestellung: „Next Level Leadership: Wie KI unsere Organisationen neu definiert“
Einzelhandel: Ländercontest und Generationenwechsel
Den erste Projektfall des HBE e. V. präsentierten Lisa Fähr und Mona Schubert. Gemeinsam mit Vera Weyer, Anna Hannibal, Leah Müller, Laura Hertl, Hannah Hofmann und Dominik Dierolf befassten sie sich mit dem Ausbildungsprojekt „Entwicklung eines ,Bayerischen Junior Sales Contest´“, um Verkaufstalente zu gewinnen. Mit dem HBE e. V. als zentrale Interessensvertretung des Bayerischen Einzelhandels setzte das Team zwei Schwerpunkte: eine klare Struktur sowie bestmögliche Vermarktung. Am Beispiel des Junior Sales Contests Österreichs hatten die Studierenden das Ziel, mit einem Bayerischen Wettbewerb Kompetenzen von Auszubildenden im Einzelhandel zu fördern. „Dabei spielen Kundenorientierung und Fachwissen eine größere Rolle als das eigentliche Gewinnen“, stellte Lisa Fähr fest. „Als Meilenstein halten wir fest, dass unsere Aufgabe sinn- und identitätsstiftend war.“ Natürlich sei die Projektzeit zu kurz gewesen, um dem bekannten Fachkräftemangel entgegenzuwirken. „Doch durcheine sogenannte ,Theory of Changeʼ können wir erklären, wie durch eingesetzte Ressourcen eine langfriste Wirkung im Personalmanagement des Einzelhandels entstehen kann“, ergänzte Mona Schubert. Die Gruppe führte Experteninterviews mit Siegerinnen und Siegern der Contests sowie Berufsschülerinnen und Berufsschülern durch und dankte Projektfallgeber Volker Wedde vom HBE e. V. für die Unterstützung während des Semesters.
Der HBE e. V. stellte auch an eine zweite Gruppe eine Aufgabe, die sich mit Generationenwechsel in der Führungsebene beschäftige, und von der Assistentin der Geschäftsführung Veronika Schott-Pearson verantwortet wurde. Paula Beck und Julia Gajewska präsentierten die Ergebnisse, die sie während des Semesters gemeinsam mit ihren Kommilitoninnen Vanessa Max, Leonie Possmayer, Marisa Morper, Annika Klumpp, Anna-Maria Heinz, Emily Braun und Antonia Kreußer lösten. Paula und Julia eröffneten ihren Pitch mit einem Rollenspiel, indem sie eine Berufsanfängerin respektive Einzelhändlerin mit langjähriger Erfahrung mimten. Die Quintessenz lag im Potenzial einer Mitgliedschaft im Handelsverband für Einzelhändler sowie im Thema Digitalisierung. „Wir erkannten, dass diese Berufsgruppe gut strukturierte Angebote benötigt und überlegten, wie sich der Nachwuchs im Einzelhandel fördern lässt“, resümierte Paula. Gezielt gehe es um die Frage, wie der HBE e. V. die neue Händlergeneration gezielt ansprechen könne. Deshalb haben sich die Studentinnen im Laufe der vergangenen Monate das Motto „Den Handelsverband fit für heute und attraktiv für morgen machen“ auf die Fahne geschrieben, berichtete Vanessa. Die Gruppe befasste sich auf Basis eines theoretischen Modells mit den Themenfeldern der regionalen Unterstützungsangebote, Rechtssicherheit oder auch der Digitalisierung. Als Ergebnis entwarfen sie einen übersichtlichen Werbeflyer für potenzielle Mitgliedschaften, mit dem der HBE e. V. die sowohl erfahrene Händlerinnen und Händler als auch die junge Händlergeneration via QR-Code auf sich aufmerksam machen könnte. „Das Arbeiten in kleinen Gruppen und der fachliche Fokus hat mir sehr geholfen, das Ziel im Auge zu behalten“, fand Leonie Possmayer.
Strategieentwicklung zur Neupositionierung
Wie sich eine Institution neu etablieren kann, war Gegenstand des Projektfalls der Akademie Heiligenfeld. So überlegten sich Janis Rössler, Urs Ludowicy, Celine Pfister, Marleen Kirchner, Sophie Fella, Paul Gütling und Linda Rödle, wie eine Neuausrichtung der Akademie Heiligenfeld als ganzheitliche Bildungseinrichtung der Heiligenfeld-Kliniken aussehen kann. „Wir sprachen mit dem ärztlichen Direktor Sven Steffens Holländer. Darüber hinaus analysierten wir die öffentliche Sichtbarkeit der Einrichtung, zum Beispiel durch Social Media“, erklärte Urs Ludowicy. „In dieser Bildungseinrichtung erfuhr ich eine gelebte Führungskultur. Dies könnte in Form von Gemeinschaftsevents als langfristiger, niederschwelliger Zugang für die Mitarbeitenden sowie einem WhatsApp-Newsletter für die breite Öffentlichkeit ausgebaut werden.“ Sein Kommilitone Janis Rössler erkannte: „Als Akademie muss diese Einrichtung wirtschaftlich handeln, aber wir stellten im Gespräch mit dem Geschäftsführer fest, dass eine harmonische Personalkultur ebenso wichtig ist.“ Dies geschehe, indem alle an einem Strang ziehen. „Umsetzbarkeit ist genauso wichtig wie Kreativität. Aus diesem Projekt nehme ich mit, wie essenziell ein verbindliches Terminmanagement ist.“ Die Leiterin der Akademie Heiligenfeld Anita Schmitt zeigte sich überaus zufrieden mit der Projektlösung der Studierenden: „Es ist eine enorme Leistung, wenn man in so kurzer Zeit so viele Ideen auf die Beine stellen kann.“ Zu den Studierenden gewandt sagte sie: „Eure Leistung ist genial, das habe ich in dieser Qualität nicht erwartet!“ Auch ihre Stellvertreterin Audrey Sarte bedankte sich bei den Studierenden für ihr großes Engagement.
Künstliche Intelligenz sinnvoll einsetzen
„KI (künstliche Intelligenz) ist in aller Munde“ – damit begann der Student Aaron Roggenbuck die Präsentation der vierten Challenge, die er gemeinsam mit seinen Mitstudierenden Lia Lamparter, Sebastian Reif, Noele Martach, Aydin Aydin, Emilie Ostrowska, Sümeyye Cakmak und Pascal Reith löste. Gemeinsam mit Andy Weber, selbstständiger Berater, Trainer und Speaker sowie Gründer der Marke lyftoff.de, untersuchte die Projektgruppe die Fragestellung „Next Level Leadership: Wie KI unsere Organisationen neu definiert“. Während der Auseinandersetzung mit der Thematik erkannte Aaron schnell, dass der Einsatz von KI kein Ersatz für menschliches Denken sei. Die Ergebnisse der Untersuchung waren eindeutig: KI solle als strategischer Partner eingesetzt werden. Hierfür seien notwendige Kompetenzen von Führungskräften kritisches Denken und Lernbereitschaft. Aaron Roggenbuck bemerkte: „Meine Interview- und Zuhörerkompetenz erhöhte sich durch die Bearbeitung dieses Projektfalls. Daneben konnte ich ein neues Verständnis von der Funktion der KI gewinnen.“ Der Mensch müsse immer Rahmengebender bleiben. Auf Basis eines theoretischen Modells arbeitete das Team vier Ebenen wirksamer Führung heraus, die den Einbezug von Ethik, die Gestaltung von Wandel, die Förderung von Zusammenarbeit und die Nutzung gemeinsamer Intelligenz im Fokus haben solle. Eine Studentin beschrieb die Aufgabe: „Unter Berücksichtigung der vier Ebenen führten wir 15 Interviews durch, die 60 bis 90 Minuten dauerten. Hierfür erstellten wir einen einheitlichen Leitfaden und fassten am Ende die Transkripte mit ChatGPT zusammen.“ Ihre Kommilitonin unterstrich die Kernbotschaft: „KI bewertet nicht, KI interpretiert nicht. Die Gewichtung der einzelnen Aussagen trafen wir!“ Projektfallgeber Andy Weber meinte, die Zusammenarbeit mit der Gruppe sei bereichernd für ihn gewesen und erkannte ihre Leistung an: Ich staune darüber, wie professionell ihr präsentieren könnt. Das ist eine sehr wichtige Kompetenz!“
Über die THWS
Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung. Mit rund 9.100 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als 60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Die THWS ist nicht nur regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch stark international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen und Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.
Auf den Fotos:
Rund 60 Personen, darunter die Studierenden des Studienschwerpunkts Personalmanagement der THWS Business School sowie die Projektverantwortliche Prof. Dr.-Ing. Christine Wegerich und ehemalige, aktuelle sowie zukünftige Projektfallgeber und weitere Gäste, besuchten die Abschlussveranstaltung des Wintersemesters 2025/26 (Foto: THWS/Anne Speda)
Die beiden Studentinnen Noele Martach und Linda Rödle moderierten das Semesterabschlussevent (Foto: THWS/Anne Speda)
Lisa Fähr (2. v. li.) und Mona Schubert (3. v. li.) bedanken sich bei Volker Wedde vom Handelsverband Bayern e. V. für die Unterstützung während des vergangenen Semesters (Foto: THWS/Anne Speda)
Die studentische Gruppe um Janis Rössler und Urs Ludowicy bedankten sich bei ihren Projektfallgeberinnen der Akademie Heiligenfeld, Anita Schmitt und Audrey Sarte (rechts im Bild) für den Austausch während des Semesters (Foto: THWS/Anne Speda)
Für die nötige Technik sorgen: auch das gehörte zu den Aufgaben von THWS-Studierenden des Studienschwerpunkts Personalmanagement, um ihre Semesterergebnisse präsentieren zu können. Paul Gütling verantwortete diese Aufgabe (Foto: THWS/Anne Speda)
Die Studierenden des Studienschwerpunkts Personalmanagement dankten Prof. Dr. Christine Wegerich (re.) für ihre Anleitung und Begleitung während des Semesters (Foto: THWS/Anne Speda)






