So war 2025 aus der Sicht der Handwerkskammer: Das Jahr der konjunkturellen Stagnation

So war 2025 aus der Sicht der Handwerkskammer: Das Jahr der konjunkturellen Stagnation
Das Berufsbild des Geruestbauers. Foto: Falk Heller

UNTERFRANKEN – Für die unterfränkische Handwerkswirtschaft war 2025 ein Jahr der Stagnation. Kleine Ausschläge über die einzelnen Quartale nach oben oder unten änderten die Stimmung der Handwerksbetriebe nicht.

So bezeichneten 82,6 % aller unterfränkischen Handwerksbetriebe ihre eigene Geschäftslage im Jahresdurchschnitt als gut oder befriedigend. Das ist eine leichte Verschlechterung um 0,9 Prozentpunkte zum Vorjahr.

Mit durchschnittlich 82,6 % an Betrieben, die ihre eigene konjunkturelle Lage als gut oder befriedigend einschätzen, bleibt die Handwerkskonjunktur in Unterfranken 2025 nahezu auf dem Vorjahresniveau. Kaum Ausschläge, weder nach unten oder nach oben, in den einzelnen vier Quartalen bewirkten eine gravierende konjunkturelle Stagnation. „Dachten wir noch zu Beginn des Jahres mit dem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur, das in die deutsche Infrastruktur und Klimaneutralität, in die Modernisierung von Schulen, Verkehrswegen, Digitalisierung und Forschung fließen sollte, dass der Aufschwung der gesamtdeutschen Wirtschaft auch ein Booster für das Handwerk wird, so müssen wir am Ende des Jahres eingestehen: Nein, 2025 hat es nahezu keine Impulse für die Handwerkswirtschaft gegeben, die Handwerksbetriebe warten weiter auf das Ende der konjunkturellen Tristesse“, analysiert Ludwig Paul, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken.

Globale Krisen, egozentrische nationale Wirtschaftspolitik der großen Wirtschaftsmächte, verunsichernde Zollpolitik, massive Investitionen in die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine, die Transformation der deutschen Industrie, wettbewerbskritische Energiekosten und ein sehr zurückhaltendes Konsumverhalten der Verbraucher haben zudem dazu beigetragen, dass auch die regionale Handwerkswirtschaft nicht richtig vom Fleck gekommen ist. „Wir erkennen jedoch, dass die Bundesregierung die Wirtschaft stärken will, das sind gute Zeichen. Nur die Geschwindigkeit ist nicht schnell genug. Das Handwerk wird ungeduldig“, so Ludwig Paul.

Eine Auftragsreichweite von durchschnittlich 11,4 Wochen und eine durchschnittliche Kapazitätsauslastung von 75,8 % sind Indikatoren für eine stabile konjunkturelle Lage der unterfränkischen Handwerksunternehmen. „Aber Stabilität, oder auch Stagnation, bringt keinen Fortschritt. Wir brauchen im Bau- und Ausbaugewerbe schnellere Genehmigungsverfahren, damit das aufgenommene Geld auch schnell investiert werden kann, wir brauchen weniger Bürokratie und Dokumentationspflichten, wir brauchen bezahlbare Energie für alle, wir brauchen Investitionen in die Zukunft und insgesamt eine Politik, die das Unternehmertum stärkt, es fördert und keine Politik, die es an den Pranger stellt“, sagt Ludwig Paul.

Gewerkevergleich

Über das gesamte Jahr 2025 betrachtet waren wie im Vorjahr die Betriebe des Kfz-Handwerks mit ihrer Geschäftslage im Vergleich zu den weiteren Handwerksbereichen am zufriedensten. 89,8 % sagen aus, die Geschäftslage sei gut oder befriedigend. „Und das trotz der gestiegenen Einkaufspreise im Kfz-Bereich“, so Ludwig Paul.

Auch die Betriebe des Bau- und Ausbaugewerbes liegen in ihrer Analyse der eigenen Geschäftslage weiterhin über dem Durchschnitt. 85 % der Betriebe des Bau- und 85,2 % des Ausbaugewerbes bezeichnen die konjunkturelle Lage als gut oder befriedigend. „Zu Jahresbeginn haben die beiden Vorsitzenden der CDU und CSU, Friedrich Merz und Markus Söder, das Jahr 2026 zum Wirtschaftsjahr ausgerufen mit dem ganz klaren Ziel, die Gesamtwirtschaft, das heißt Industrie, Handel, Dienstleistung und Handwerk, zu stärken. Jetzt muss die Ankündigung mit Inhalt gefüllt werden. Schnell, pragmatisch, unbürokratisch. Das Handwerk wartet gespannt darauf“, so Ludwig Paul.

Verhaltener Ausblick

Für das erste Quartal 2026 erkennen die unterfränkischen Handwerksbetriebe keine durchgreifende Trendwende. Über alle Handwerksbereiche hinweg erwarten über ein Viertel der Betriebe eine Verschlechterung der Geschäftslage. Verglichen mit dem Ist-Ergebnis des Jahresdurchschnitts 2025 ergibt das ein Minus von genau acht Prozentpunkten. Ludwig Paul: „2026 muss das Jahr des Wirtschaftswachstums werden. Und zwar des Wirtschaftswachstums in allen Bereichen. Die Stagnation muss schnellstmöglich überwunden werden, Glaube, Optimismus und Schaffensdrang müssen an die Stelle von Pessimismus, Verzagtheit und Lethargie treten. Auf dem mittelständischen Unternehmertum muss der Fokus liegen. Das Handwerk jedenfalls wird seinen großen Teil zum Wirtschaftswachstum beitragen – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.“

Auf dem Bild: Die Konjunkturanalyse 2025 der Handwerkskammer für Unterfranken für das unterfränkische Handwerk ist geprägt von einer Stagnation im wirtschaftlichen Bereich. Das Handwerk erwartet für 2026 schnelle, pragmatische und unbürokratische politische Entscheidungen zur Stärkung des Mittelstands, zur Stärkung des Handwerks.
Foto: Falk Heller

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